VfB Stuttgart Darum bleibt Benjamin Pavard dem VfB treu

Von Heiko Hinrichsen 

Der Weltmeister Pavard bleibt beim VfB Stuttgart Foto: AFP
Der Weltmeister Pavard bleibt beim VfB Stuttgart Foto: AFP

Lange hatte sich das Wechseltheater mit dem Fußball-Weltmeister aus Frankreich hingezogen: Jetzt ist klar, dass Benjamin Pavard diese Saison beim VfB Stuttgart bleibt. Das sind die Hintergründe.

Stuttgart - Der Trainer Tayfun Korkut nennt ihn ein „fröhliches Schlitzohr“. Und tatsächlich zählt Benjamin Pavard normalerweise zu den äußerst unbeschwerten und gut gelaunten Charakteren im Spielerlager des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart. Dass in dem 22 Jahre jungen Lockenkopf aber auch eine sperrige Seite wohnt, das gab es am Samstag nach dem mit 0:2 verlorenen DFB-Pokalspiel bei Drittligist Hansa Rostock zu begutachten.

Immerhin verdrückte Pavard in den Katakomben des Ostseestadions vor der VfB-Kabine noch schnell einen großen Teller Spaghetti – dann setzte sich der Weltmeister allerdings grußlos in den Teambus. Der Grund für die schiefe Stimmungslage Pavards war ein ganz einfacher: Der Innenverteidiger, der in der gesamten Vorsaison keine einzige Bundesliga-Minute verpasst hatte, war extra früher aus dem Urlaub zurückgekommen – doch Tayfun Korkut hatte ihn trotzdem nicht spielen lassen. Zu früh sei es nach nur neun Tagen Training für einen Startelf-Einsatz gewesen, erklärte der VfB-Cheftrainer hinterher. Aufgrund des Rückstandes im Ostseestadion sei auch eine spätere Einwechslung nicht möglich gewesen.

Anfragen von vielen europäischen Clubs „aus dem obersten Regal“

Dabei war die Missstimmung von Pavard in Rostock lediglich ein weiteres Indiz dafür, wie sehr sich der Franzose dem VfB auch weiterhin verbunden fühlt. Pavard will spielen – und wird von Tayfun Korkut künftig auch Gelegenheit dazu bekommen. Und zwar nicht nur am Sonntag beim Liga-Auftakt des VfB in Mainz, wo der Franzose wieder in der Stuttgarter Startelf erwartet wird. Vielmehr sind in der Causa Pavard nach Informationen unserer Zeitung die Würfel endgültig gefallen. Auf die Frage, ob der Weltmeister etwa schon in diesem Sommer zum FC Bayern geht oder ob der aufstrebende Starspieler noch mindestens eine Saison beim VfB bleibt, gibt es jetzt eine klare Antwort: Pavard bleibt in der anstehenden Saison Spieler der Stuttgarter.

Wie zu hören ist, hat es im Büro des Managers Michael Reschke in den vergangenen Wochen Anfragen von vielen europäischen Clubs „aus dem obersten Regal“ gegeben. Darunter neben dem FC Arsenal, der früh sein Interesse signalisierte, auch Tottenham Hotspur oder Atlético Madrid. Als Topfavorit auf eine Verpflichtung im Sommer 2019 gilt allerdings weiter der FC Bayern, mit dem das Pavard-Lager nach Medienberichten bereits während der WM eine grundsätzliche Einigung erzielt haben soll, gemeinsam nach Ablauf dieser Saison in die Zukunft zu starten.

Pavard und sein Berater haben sich nicht verrückt machen lassen

Mit Blick auf die anstehende Runde haben sich Pavard und sein Berater Jospeh Mahan aber nicht von der Flut an guten Offerten verrückt machen lassen. Wie zu hören ist, wurde von Spielerseite niemals der Wunsch geäußert, doch bitte einer der Anfragen nachzugehen. Auf der Gegenseite hatte Reschke stets wiederholt: „Wir werden um Benji kämpfen, weil er uns sportlich in dieser Saison sehr helfen wird.“ Das hat bei Pavard Eindruck gemacht, so dass es ihn nun kurzfristig nicht nach München oder woandershin ziehen wird. Aufgrund des bis 2021 laufenden Vertrages, der erst im nächsten Sommer eine Ausstiegsklausel für die Fixsumme von 35 Millionen Euro enthält, war der VfB formal ja immer Herr des Verfahrens.

Da sich Benjamin Pavard nun zum Bleiben entschieden hat – lediglich bei einem absoluten Spitzenangebot der Bayern vor Ende des Transferfensters am 31. August besteht noch eine minimale Chance auf einen Wechsel –, hat der VfB auch die unmittelbare Zukunft von Marcin Kaminski geregelt. Dem polnischen Innenverteidiger, der aktuell hinter Pavard, Holger Bad­stuber, Timo Baumgartl und Marc-Oliver Kempf die interne Nummer fünf wäre, hat man keine Steine in den Weg gelegt.

Kaminski wechselt nun nach Düsseldorf

Also war Kaminski bereits am Mittwoch vor Ort in Düsseldorf zu Gesprächen mit Trainer Friedhelm Funkel. Besteht er den Medizincheck, wird der 26-Jährige für eine Saison an die Fortuna ausgeliehen. Beim Aufsteiger stehen in Jean Zimmer und Matthias Zimmermann bereits zwei Ex-VfB-Profis im Kader. Weil Kaminski weiter eine hohe Wertschätzung genießt, gibt es keine Kaufoption. Schließlich dürfte im Stuttgarter Kader nächsten Sommer mindestens ein Innenverteidiger-Posten frei werden, wenn Pavard den Club verlässt.

Allerdings darf sich der FC Bayern auch dann nicht zu hundert Prozent sicher sein, das Rennen zu machen. Denn wie jetzt öffentlich wurde, besteht in der im nächsten Sommer wirksam werdenden Ausstiegsklausel eine Sonderabmachung. Würde sich der VfB für die Champions League qualifizieren, ist die Klausel hinfällig – und über die Transfersumme müsste ganz neu verhandelt werden.

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