In einem Wald bei Hedelfingen wurde der Vermisste tot gefunden. Foto: 7aktuell/Andreas Werner

Nach dem Tod eines Mannes mit geistiger Behinderung, der bei einem Ausflug verloren ging, ist die Betroffenheit in der Einrichtung groß.

Stuttgart - Die Mitarbeiter der Neckartalwerkstätte der Caritas in Hedelfingen sind untröstlich. Sie haben bei einem Ausflug einen Schützling verloren. Der Mann, der eine geistige Behinderung hatte, verließ die Gruppe bei einem Einkaufsausflug und wurde zwei Tage lang gesucht. Am Dienstag fand ihn die Polizei dann tot am Bußbach bei Hedelfingen. „Wir sind tief betroffen. Fassungslos und bestürzt nehmen wir Anteil an der Trauer der Angehörigen sowie an der Trauer der Mitarbeitenden und Beschäftigten der Neckartalwerkstätten“, sagte Raphael Graf von Deym, der Direktor der Caritas.

Zum Blumenkauf sollte es gehen. Der 56-Jährige habe solche Ausflüge geliebt. Unter einer Voraussetzung: „Wenn man fragte, ob er mitfahren will, war er begeistert. Zu Fuß wäre er nicht mit zum Einkaufen gegangen“, sagt Sabine Reichle, die Pressereferentin der Caritas Stuttgart. „Er konnte klar sagen, was er wollte. Er war auch nicht dafür bekannt, dass er sich von der Gruppe entfernt“, fügt Reichle hinzu. Eine Betreuung des 56-Jährigen sei bei Ausflügen Vorschrift gewesen. „Er war nicht allein verkehrstüchtig“, sagt Reichle. Der Mann war im sogenannten Förder- und Betreuungsbereich untergebracht. Für diesen liege der Betreuungsschlüssel bei 1:3. Zum Baumarkt aufgemacht hatten sich am Montag zwei Betreuer mit ihm und noch einem weiteren Mann, der in den Neckartalwerkstätten beschäftigt ist. „Der Schlüssel bei dieser Fahrt lag also deutlich über dem gesetzlichen Minimum“, so Reichle.

Bereits im Baumarkt war der 56-Jährige verschwunden

Dennoch sei der Mann bereits im Baumarkt verloren gegangen. Wie, das können sich die Mitarbeiter der Betreuungseinrichtung nicht erklären. „Sie haben das schnell gemerkt und den ganzen Markt abgesucht und das Personal eingeschaltet“, schildert Reichle. Als klar war, dass der 56-Jährige nicht mehr im Geschäft war, wurde die Alarmkette ausgelöst: „Die Betreuer haben die Werkstätten und sofort auch die Polizei informiert.“ Gesucht habe Tag und Nacht nicht nur die Polizei. Auch das Personal der Neckartalwerkstätten sei dabei gewesen. Es sei immer jemand beim Betrieb an der Hafenbahnstraße geblieben. Für den Fall, dass er den Weg dorthin gefunden hätte, sollte dort die Tür offen sein, ein Licht brennen und ihn jemand in Empfang nehmen.

Der Mann war in den Polizeimeldungen als geistig auf dem Stand eines Zweijährigen beschrieben worden. „Das war nicht ganz zutreffend“, erwidert Reichle. Sein Verhalten sei, wenn man ihn im Baumarkt oder auf der Straße getroffen hätte, „zunächst nicht auffällig“ gewesen. Einfache Gespräche waren möglich. Auf sich allein gestellt wäre er aber nicht zurecht gekommen. Wie er zu der Stelle im Wald, die sechs Kilometer vom Baumarkt und gut vier Kilometer von der Einrichtung entfernt war, gekommen ist, wo er gefunden wurde, ist nicht bekannt, da ihn unterwegs laut der Polizei niemand bemerkte. Er starb wohl bei einem Sturz in den Bach. Eine Obduktion soll laut der Staatsanwaltschaft nicht erfolgen. Die Polizei werde die Akten des Falles dieser Tage an die Ermittlungsbehörde übergeben. Dann werde geprüft, ob es Ansätze für Ermittlungen gebe.

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