Vermisster Autokran aus Stuttgart gefunden Tätern drohen bis zu 10 Jahre Haft

Von Cornelius Dieckmann 

Der in Stuttgart im März geklaute Autokran ist im ägyptischen Alexandria gefunden worden. Foto: Hermann Paule GmbH & Co.KG
Der in Stuttgart im März geklaute Autokran ist im ägyptischen Alexandria gefunden worden. Foto: Hermann Paule GmbH & Co.KG

Der im März aus Stuttgart verschwundene Autokran ist in der ägyptischen Stadt Alexandria aufgetaucht. Wie er dorthin kam, ist noch unklar. Die Polizei fahndet nach den Tätern.

Stuttgart - Von der Augsburger Straße 704 in Stuttgart-Obertürkheim bis zum Hafen von Alexandria sind es über die Mittelmeerroute via Italien, Tunesien und Libyen knapp 4200 Kilometer. Ebenjene Strecke hat wohl der 48 Tonnen schwerer Autokran hinter sich gebracht, der vor drei Monaten spurlos vom Gelände der Spedition Paule verschwunden war. In der Nacht zum 19. März hatten Diebe gegen 3.30 Uhr den 200 000 Euro teuren Schwertransporter entwendet, woraufhin die Polizei eine europaweite Fahndung startete. Seitdem wollen Zeugen das Fahrzeug in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen gesehen haben. Zu konkreten Ergebnissen führten die Anhaltspunkte jedoch nicht – bis zur vergangenen Woche.

Kein Statement zur laufenden Fahndung

Diesen Donnerstag meldete die Stuttgarter Polizei nun überraschend, dass der gestohlene Kran in der ägyptischen Küstenstadt gefunden worden sei. Ein Zeuge hatte zuvor einen entscheidenden Hinweis gegeben. Bei dem Fahrzeug handle es sich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ um jenes der Firma Paule, so Polizeisprecher Martin Schautz. Zu laufenden Ermittlungen in Richtung der Täter wollte sich der Sprecher während der Fahndung nicht äußern. Da es sich aber vermutlich um internationale Profidiebe handle, könne das „tendenziell eine langwierige Geschichte werden“.

Auch die Firma Paule wollte zum jetzigen Zeitpunkt kein Statement abgeben. Man werde sich frühestens in der kommenden Woche äußern. Nach dem Verschwinden des Krans hatte das Unternehmen eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweisgeber ausgelobt. Nach dem Diebstahl habe man innerhalb von drei Wochen „an die 30 Hinweise erhalten, teilweise sehr konkret, teilweise auch weniger fundiert“, sagte Geschäftsführer Rainer Schmid Anfang April unserer Zeitung. Auf ihrer Webseite teilte die Firma damals mit, dass es sich „wohl um eine organisierte Diebesbande handle“.

Kran kommt wohl bald zurück nach Stuttgart

Wie die Diebe den Kran unentdeckt nach Nordafrika fahren konnten, ist unklar. Durch dessen enorme Maße – zwölf Meter Länge, vier Meter Höhe – gehört zu der Aktion ein gehöriger Grad Kalkül und womöglich Branchenerfahrung. Zum Zeitpunkt der Tat war das Fahrzeug außerdem auffällig rot lackiert. Auch die Höchstgeschwindigkeit von 60 Kilometern pro Stunde dürfte den Tätern die Flucht nicht unbedingt leicht gemacht haben. Sollten diese nun gefasst werden, müssen sie sich wegen eines besonders schweren Falles des Diebstahls vor Gericht verantworten, worauf bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe stehen.

Normalerweise werden die Kräne der Firma Paule im Maschinen- und Brückenbau eingesetzt, helfen also bei der Konstruktion kolossaler Bauwerke. Im antiken Ägypten ragte einst der Leuchtturm von Alexandria als eines der sieben Weltwunder in den Mittelmeerhimmel. Mit dem berühmt gewordenen Lastenkran aus Obertürkheim steht nun ein neues Schwergewicht in Alexandrias Hafen. Dass das so bleibt, ist unwahrscheinlich. Nach Prüfung der ägyptischen Rechtslage kommt das Gefährt wohl bald wieder zurück in die Augsburger Straße. Zumindest seine interkon­tinentale Fahndungsgeschichte ist jetzt schon ein kleines modernes Wunder.

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