Wenn es nach den Ludwigsburger Grünen im Gemeinderat geht, dann sieht die Wilhelmstraße künftig anders aus: Die Straße soll für Privatautos tabu sein. Foto: factum/Archiv

Die Grünen im Gemeinderat wollen die Ludwigsburger Wilhelmstraße für Privatautos sperren. Eine externe Verkehrsplanerin befürwortet das. Ob das im Gemeinderat mehrheitsfähig ist?

Ludwigsburg - Was die Verkehrsplanerin Merja Spott vom Dortmunder Büro Planersocietät vorschlägt, kommt für Ludwigsburg einer kleinen Revolution gleich. „Wenn man die Wilhelmstraße für Autos sperren würde, erhöht sich die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt merklich“, sagt sie. Die Geografin hat in den vergangenen Wochen in der City und im Westen der Stadt sogenannte Fußverkehrs-Checks organisiert. Dabei ist sie im Auftrag des Landesverkehrsministeriums mit Bürgern, Kommunalpolitikern und auch dem Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) die Hauptverkehrsachsen abgelaufen und hat diese analysiert.

Ihre Ergebnisse und Vorschläge hat Spott am Montagabend im Kulturzentrum präsentiert und mit den Bürgern diskutiert. „Zwar sind der Marktplatz und die Fußgängerzone bereits passantenfreundlich“, sagte sie, „aber grundsätzlich hat in Ludwigsburg das Auto Vorrang.“ Auch in der Wilhelmstraße. Im Umkreis von 500 Metern gebe es vier Hauptachsen. „Wieso muss die Wilhelmstraße mitten durch die Stadt gehen“, fragte Spott. „Vielleicht könnte man sie für Autos schließen.“

Widerspruch von CDU und SPD

Die Idee der Geografin löste im Publikum und bei der Grünen-Stadträtin Elfriede Steinwand-Hebenstreit Applaus aus. „Eine Schließung der Wilhelmstraße für Autos fordern wir schon lange“ sagte sie, „mitten durch unsere schnuckelige Barockstadt lassen wir eine Blechlawine rollen, das passt nicht.“ Ein Vorschlag, der bei den Grünen und bei den an den Fußverkehrs-Checks Beteiligten gut ankam.

Es gab aber auch heftigen Widerspruch. Zum Beispiel von Klaus Herrmann, dem Vorsitzenden der CDU-Fraktion. Er lehnt eine Verkehrsberuhigung der Wilhelmstraße strikt ab. Auch ein Tempolimit hält er für unnötig. „Die Wilhelmstraße ist doch keine Flaniermeile“, sagte Herrmann. Die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins erklärte, eine Sperrung der Wilhelmstraße sei nicht umsetzbar. „Stattdessen könnte die Stadt die Arsenalstraße für den Autoverkehr schließen“, schlug sie vor.

Der Baubürgermeister Michael Ilk gibt sich bedeckt. „Am 1. Dezember tagt der Bauausschuss des Gemeinderates“, sagte er, „da werden wir über die Innenstadt-Entwicklung sprechen.“ Der parteilose Baudezernent gibt jedoch zu bedenken, dass eine Sperrung der Wilhelmstraße für Privatautos mit einem hohen Planungsaufwand verbunden wäre. „Wir wollen den Durchgangsverkehr aus der Innenstadt bekommen“, sagte Ilk. Dies könne die Stadt aber auch anders erreichen, zum Beispiel durch den Bau einer Tiefgarage unter dem Schillerplatz und der Arsenalstraße. „Es gibt jedenfalls Alternativen.“

Lange Wartezeit an Ampeln

Diese haben auch die Verkehrsexperten aus Dortmund vorgeschlagen. Um die Stadt für Fußgänger attraktiver zu machen, müsse nicht zwingend umgebaut werden. Die Straßenübergänge könnten mit Zebrastreifen und Markierungen sicherer gestaltet werden. Außerdem seien die Wartezeiten an Ampeln teils zu lang. „Nach 40 Sekunden werden die meisten Fußgänger ungeduldig und gehen über Rot“, sagte Spott. Ein weiterer Kritikpunkt der Verkehrsplanerin: keiner der Poller in Ludwigsburg habe Reflektoren. Das sei besonders für sehbehinderte Bürger ein Hindernis.

Was die Stadt umsetzen will, um fußgängerfreundlicher zu werden, steht noch nicht fest. „Wir arbeiten daran“, sagte Ilk, „besonders die Verkehrssicherheit der Fußgänger ist uns wichtig. Markierungen und Reflektoren an Pollern wollen wir so schnell wie möglich realisieren.“

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