Venezianische Messe in Ludwigsburg Carl Eugen, seine Masken und Kostüme

Von Antonia Mayer 

Die Masken gehören zum Festival wie die farbenfrohen Kostüme. Foto: Tourismus & Events
Die Masken gehören zum Festival wie die farbenfrohen Kostüme. Foto: Tourismus & Events

Mit der Stadt, die seit 300 Jahren Stadtrechte hat, feiert auch die venezianische Messe jetzt ein Jubiläum: Sie wurde erstmals vor 250 Jahren gefeiert. Im September wird der Marktplatz wieder zu einem Stück Italien.

Ludwigsburg - Bunt-schillernde Kostüme, farbenfrohe Masken, Schmuck und Stickereien sowie Gaukler und Musiker auf dem Marktplatz: Die venezianische Messe in Ludwigsburg bietet auch in diesem Jahr wieder fröhlichen Trubel zwischen Karneval und Varieté. Das italienisch angehauchte Spektakel feiert im Jahr des Stadtjubiläums ein eigenes Doppel-Jubiläum: 250 Jahre historische und 25 Jahre wiederbelebte venezianische Messe.

Die Idee für die Messe geht zurück auf Herzog Carl Eugen, der auf einer Italienreise an dem Maskenfest in Venedig Gefallen fand. Er konnte wohl kaum ahnen, dass das Fest auch 250 Jahre später noch – oder wieder – so beliebt sein würde. Als Carl Eugen in der Lagunenstadt den Flair des Venezianischen Karnevals kennenlernte, lag ihm viel daran, ein ähnliches Maskenfest in seine Residenzstadt einzuführen. 1768, ein Jahr nach seiner Rückkehr aus Venedig, ließ der Herzog die Messe, die damals auch Sanct Markus Messe genannt wurde, erstmals auf dem Marktplatz in Szene setzen.

Vor 25 Jahren wiederbelebt

Die venezianische Messe, wie sie Carl Eugen veranstaltete – bis 1775 regelmäßig in Ludwigsburg und danach in Stuttgart – war einerseits ein luxuriöser Jahrmarkt und eine Präsentation von Neuheiten und Vergnügen, die der Normalbürger sonst nie zu sehen bekommen hätte.

Die „Stutgardische privilegierte Zeitung“ berichtete 1771 aus Ludwigsburg, dass der Herzog und seine Begleitung von seinen Venedigreisen mit Maskenkostümen üppig ausgestattet waren. Aber nicht jeder konnte sich ein Kostüm kaufen, daher wurde ein Verleih eingerichtet. Bis zum Tod Carl Eugens 1793 fand die Messe alljährlich statt. In den nachfolgenden Jahren gab es die Veranstaltung gar nicht mehr oder in sehr viel geringerem Umfang.

Erst sehr viel später – vor exakt 25 Jahren – wurde das Spektakel wiederbelebt. Seither findet die Messe alle zwei Jahre statt. Woher die Besucher des Festivals heutzutage ihre Kostüme haben, weiß die Naturladenbesitzerin und Stadtführerin Sabine Deutscher: „Die meisten Teilnehmer nähen ihre Kostüme und basteln ihre Masken selbst.“ Um sie komplett zu schneidern, brauche man allerdings bis zu zwei Jahre, sagt sie. So ein Kleid zu nähen will gelernt sein. Darum bietet Sabine Deutscher seit mehr als zehn Jahren einen Kurs an. „Ich nähe diese Art von Kostümen schon seit 1993, als die erste Venezianische Messe auf dem Ludwigsburger Marktplatz stattfand.“ Im Jubiläumsjahr allerdings entfällt der Nähkurs. Aus privaten Gründen, wie Deutscher betont. „Ich verleihe aber auch Barockkostüme,“ sagt die Stadtführerin, deren Schatzkammer mit prachtvollen Barockkostümen sich auf dem Dachboden ihres Hauses befindet.

Italienische Piazza

Auch in diesem Jahr wird das Areal vom Marktplatz bis zum Holzmarkt in eine große Piazza verwandelt. Hier werden an allen Tagen Kavaliere und Hofdamen defilieren. Aus Anlass des 300. Stadtgeburtstags und des Jubiläums der Venezianischen Messe gibt es einen Kostüm- und Maskenball im Schloss. Neben einem Kunst- und Handwerkermarkt sorgen Musiker, Schauspieler und Tänzer für ein abwechslungsreiches Programm auf dem Marktplatz. In der Regel wurden bei den Messen der vergangenen Jahre etwa 70 000 Besucher gezählt. Im Jubiläumsjahr rechnen die Veranstalter vom Eigenbetrieb Tourismus & Events mit rund 75 000 Besuchern. Die Venezianische Messe findet von Freitag, 7., bis Sonntag, 9. September 2018, statt. Den Auftakt macht am Freitag um 18 Uhr eine Kostümprozession.

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