Venezianische Messe in Ludwigsburg Immer mehr jüngere Kostümträger zu sehen

Von Patricia Elsner 

Besucheransturm bei der Venezianischen Messe. Viele Besucher wollten unbedingt ein Foto mit den etwa 1200 Kostümierten Personen. Von Dracula über Feen bis hin zu venezianischen Gondoliere war am Wochenende in Ludwigsburg alles geboten.

Ludwigsburg - Eine besondere Reise in die Vergangenheit war die Venezianische Messe am Wochenende. Drei Tage lang feierte die Stadt ein schillerndes Festival mit Artisten, Gauklern, Musikern, Händlern und Kostümträgern. Auch viele Hobbyfotografen auf der Jagd nach einem schönen Motiv waren unterwegs.

Wer ein auffälliges Kostüm trägt, kommt nicht weit. Immer wieder werden die als bunte Vögel, Elfen oder Rokoko-Damen verkleideten Kostümträger angehalten und um ein Foto gebeten.

„Ich fühle mich wie ein echter Popstar“, sagt Wencke Weber. Die 50-Jährige ist am Samstag als Blumenkönigin verkleidet. Ganz in Grün mit Elfenohren, Efeu und mit Schmetterlingen am Rock. Auf dem Kopf trägt sie noch mehr Pflanzen. „Alles selbst genäht“, sagt Wencke Weber.

Die meisten Kostümträger nähen ihre aufwendigen Kleider selbst

Etwa 1200 Kostümträger sind an dem Wochenende in der Stadt. „Damit ist die Kostümdichte höher als während des Karnevals in Venedig“, sagt Rainer Kittel, der künstlerische Leiter des Spektakels.

Dabei gleicht keine Verkleidung der anderen. Wie auch – die meisten schneidern ihre Kostüme selbst. So wie Franziska Stanger. Die 24-jährige Requisiteurin aus Stuttgart ist mit ihren Freundinnen auf der Messe. Alle drei sind im Rokoko, also im Stil der 1720er bis 1770er Jahre gekleidet. Franziskas Hut war früher einmal Teil eines Tischsets. Jetzt zieren ihn eine Feder und Perlen. Von seinem ursprünglichen Nutzen ist nichts mehr zu erahnen.

Auf dem Kunstmarkt bieten etwa 50 Händler ihre Waren an. Von Schmuck über venezianische Masken und Rokoko-Perücken bis hin zum fast fertigen Kleid. Liebhaber der Verkleidung werden hier fündig. Zu einem echten Rokoko-Kleid gehört „ein falscher Arsch“, erklärt Birgit Hiefner-Konietzko. Die Museumspädagogin aus Eppelheim verkauft Reifröcke, die einen solch ausladenden Hintern vorgaukeln.

Casanova verkauf selbstbemalte Masken

Einige Stände weiter fertigt und verkauft Alberto Casanova – kein Künstlername – venezianische Masken. Der gebürtige Venezianer bemalt die Masken selbst vor Ort. Wer will, kann ihm dabei zuschauen.

Künstler aus Deutschland und Europa präsentieren ihr Programm. Ein als fahrender Spiegel verkleideter Artist aus den Niederlanden lädt ein, sich auf seinen Schemel zu setzen und in dem Spiegel auf seinem Bauch die Welt und sich selbst zu betrachten. Und was sieht man? „Den Himmel, die Kirche und dich“, sagt der sprechende Spiegel aus Holland. „Jede Menge Fotografen“, sagt ein Beobachter.

Die interaktive Theaterinstallation „Lobbüro“ hat für jeden ein gutes Wort übrig. Anmelden muss man sich vorher beim Sekretär. Der sitzt in einem Häuschen auf dem Marktplatz. Das Fenster ist in zwei Meter Höhe, die Beine des Sekretärs sind mindestens genauso lang. „Haben Sie heute schon gelobt?“, fragt der Sekretär bei der Anmeldung. „Und wurden Sie heute schon gelobt?“ Leider sind am Samstag um 16 Uhr bereits alle Plätze für das „Lobbüro“ ausgebucht. Interessierte Bauchpinsler erhalten eine Anleitung zum Loben und Gelobt-Werden zum Mitnehmen. Dargestellt wird das „Lobbüro“ von den Puppenspielern Matthias Lucher und Claudia Engel aus Walsdorf in Brandenburg.

Bängditos Theater liefert spektakuläre Lichtershow

Am späten Abend, als es bereits dunkel ist, hat das Bängditos-Theater seinen großen Auftritt. Die etwa 15 Künstler aus Bremen und Hamburg bieten eine überragende Show: Auf Stelzen und in selbst leuchtenden Gewändern, die ihre Farben wechseln, tanzen die etwa drei Meter hohen Artisten auf dem Platz. Ohne Stelzen, aber ebenfalls mit leuchtenden Kopfbedeckungen tanzen zehn Laien um die Künstler herum. Diese hatten sich nach einem Zeitungsaufruf darum beworben, bei der Show mitzumachen. Dass es ihnen Spaß macht, sieht man den Laientänzern an. Alle strahlen sie. Als Schmetterlinge und Blumen verkleidet tauchen die Männer und Frauen die Bühne in ein buntes Lichtermeer.

Alle zwei Jahre findet die Venezianische Messe in Ludwigsburg statt. Zurückzuführen ist diese auf Herzog Carl Eugen. Bei einer Italienreise fand der Regent Gefallen am venezianischen Karneval und importierte diesen 1768 nach Ludwigsburg. Bis 1775 fand dieser regelmäßig statt. Seit 1993 wird das Festival wieder in der Barockstadt gefeiert. Die nächste Venezianische Messe findet im Jahr 2018 statt.

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