Valentinstag: Drei Fragen an Dagmar Claus „Die ausgesparten Küsse sind die Schönsten“

Von Stefan Kister 

„ Küsse sind ambivalent: Wir verbinden mit dem Kuss den Ausdruck innigster Liebe und ahnen in der erotischen Spannung gleichzeitig bereits den Tod“, sagt Dagmar Claus. Foto: Veranstalter
„ Küsse sind ambivalent: Wir verbinden mit dem Kuss den Ausdruck innigster Liebe und ahnen in der erotischen Spannung gleichzeitig bereits den Tod“, sagt Dagmar Claus. Foto: Veranstalter

Unter dem Titel „Küsse, Bisse . . . wer recht von Herzen liebt“ widmet sich Dagmar Claus von der Akademie für gesprochenes Wort den Abgründen der Zärtlichkeit.

Stuttgart - Drei Fragen an Dagmar Claus, die sich an Valentinstag in der Akademie für gesprochenes Wort im dem Programm „Küsse, Bisse . . . wer recht von Herzen liebt“ der Ambivalenz des Küssens widmet.

Frau Claus, steht Ihr Kusspanorama unter dem Zeichen des Valentinstags oder des Aschermittwochs?
Das Programm findet nicht nur am Valentinstag, der ein Aschermittwoch ist statt, auch die Küsse selbst sind ambivalent: Wir verbinden mit dem Kuss den Ausdruck innigster Liebe und ahnen in der erotischen Spannung gleichzeitig bereits den Tod.
Ihr Titel spielt auf einen berühmten literarischen Lustmord an, Kleists „Penthesilea“. Überwiegen die bissigen oder die zärtlichen Küsse?
Ja, die berühmte Schlussszene ist Titel gebend für den Abend und wird auch auszugsweise rezitiert. Penthesilea steht vor der Leiche Achills den sie geliebt, begehrt und getötet hat. Raserei und Zärtlichkeit, Liebe und Tod diese beiden Pole, werden in dieser Szene konfrontiert, auch das führt uns zum Gegensatz des diesjährigen 14. Februars. Der Geliebte liegt im Staub und wird zu Staub werden, ebenso wie die rasend Liebende, die ihm durch den Freitod folgt. Trotzdem versprechen wir, dass die zärtlichen und ersehnten, wie die erinnerten Küsse in der Mehrzahl sind. Auch die Musik in unserem Programm ist ganz inspiriert vom Valentinstag.
Welches ist der schönste Kuss der Weltliteratur?
Wahrscheinlich sind in der Literatur die ausgesparten Küsse oder die nur angedeuteten die Schönsten, weil sie Raum lassen für die Fantasie und die eigenen Küsse. Die zahllosen Küsse, die geraubten Küsse, die heimlichen Küsse und dann gibt es noch solche, nicht auf den Mund – wir mussten vielen Küssen entsagen. Auch wenn wir die Frage nach dem schönsten Kuss der Weltliteratur mit unserem Programm nicht beantworten können, findet man an diesem Abend vielleicht den eigenen Lieblingskuss.

Termin: 14. Februar Akademie für gesprochenes Wort, 20 Uhr.

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