Nicht nur mit Ex-OB Wolfgang Schuster hat sich die nun scheidende SPD-Chefin Roswitha Blind manchen Ball zugespielt. Foto: Kai Müller

Nach zehn Jahren im Gemeinderat zieht sich die SPD-Fraktiosnvoristzende Roswitha Blind aus der Kommunalpolitik zurück. In der Zukunft will sie sich mehr der Familie widmen.

Vaihingen - Es ist nur eine Kleinigkeit, und doch freut sich Roswitha Blind darauf, die Alpenblumen wieder in voller Pracht zu sehen. „Im August sind sie schon verblüht“, sagt die 67-Jährige. Eben dann, wenn die Vaihingerin in den vergangenen Jahren Urlaub im Hochgebirge gemacht hat. Als Gemeinderätin und Fraktionsvorsitzende war sie bislang an das strenge Korsett der Schulferien gebunden. Wenn die Alpenblumen blühten, war auch die Arbeit im Gemeinderat in voller Blüte.

Seit 2004 sitzt Roswitha Blind im Gemeinderat, seit 2009 ist sie SPD-Fraktionsvorsitzende. Zur Wahl im Mai ist die Mathematikerin aber nicht mehr angetreten, am 22. Juli findet ihre letzte Sitzung statt. Die Geschichte mit den Alpenblumen ist zwar nett, der wirkliche Grund, warum die frühere Bezirksbeirätin ihr Amt niederlegt, ist aber ihr Ehemann. Er wird in diesem Jahr 75 Jahre alt. „Wir wollen noch einiges zusammen erleben“, sagt Roswitha Blind. Viel Zeit für traute Zweisamkeit oder mal etwas spontan zusammen unternehmen, blieb in den vergangenen zehn Jahren nicht. Kein Wunder, bei einer 60- bis 70-Stunden-Woche, die eine Fraktionsvorsitzende manchmal hat. Morgens zusammen frühstücken, dann ging es ab ins Rathaus. „Ich freue mich, endlich wieder Zeit zu haben“, sagt Blind daher. Natürlich auch für die Kinder und die sechs Enkel, die auf die Oma oft verzichten mussten. Und doch ist ein bisschen Wehmut dabei, wenn Roswitha Blind in den nächsten Tag ihr Büro im Rathaus räumt. „Ich habe eigentlich gedacht, dass es entspannter in den vergangenen Wochen zugeht“, sagt die Vaihinger Betreuungsstadträtin. Ihrem Nachfolger Martin Körner wird sie den Haushaltsplan und andere wichtige Unterlagen hinterlassen. „Das andere nehme ich mit.“ Wie sie im Jahr 2009 wird auch Körner entscheiden müssen, welcher Wandschmuck künftig in seinem Büro hängt. Vor allem das Bild mit dem Spruch „Demokraten wählen“ hatte es Roswitha Blind angetan.

Wenn die dreifache Mutter auf ihre kommunalpolitische Zeit zurückblickt, dann sind es zwei Episoden. Die erste reicht von 2004 bis 2009. Da war sie Betreuungsstadträtin der SPD in Möhringen und Vaihingen; anschließend erlebte sie die politische Arbeit aus der Sicht einer Fraktionsvorsitzenden. „Ich habe eine gute Phase erwischt“, sagt Blind. Zwar hatte die SPD bei der Wahl 2009 Stimmen eingebüßt; durch die veränderten Mehrheitsverhältnisse wurden die Sozialdemokraten aber zum Zünglein an der Waage. „Wir konnten einiges an SPD-Politik durchbringen“, ergänzt Blind. Als Fraktionsvorsitzende sei sie nicht mehr so häufig mit Bürgern zusammengekommen: „Das habe ich schon vermisst.“ Anderseits habe man mehr Einfluss und mehr Möglichkeiten etwas umzusetzen: „Aber man ist auch mehr eingespannt.“ Gute Nerven seien dabei besonders wichtig. „Die Arbeit ist als Ehrenamt eigentlich nicht mehr bewältigbar“, sagt Blind nachdenklich. Da müsse man sich in Stuttgart etwas überlegen: „Aber da traut sich keiner ran.“

Viele Projekte auf den Weg gebracht

Im Kleinen wie im Großen hat Blind einige Projekte angestoßen, auch weil sie hartnäckig geblieben ist und den ein oder anderen Geldtopf ausfindig gemacht hat. Dazu zählt in Möhringen der Kreisverkehr an der Sigmaringer-/Rembrandtststraße, auf dem Fasanenhof Tempo 30 für die Kurt-Schumacher-Straße und Tempo 40 für die Fasanenhofstraße. Wirklichkeit werden auch die neuen Bürgerräume am Europaplatz. Bei einer Podiumsdiskussion vor der Kommunalwahl 2009 war die SPD noch der einzige richtige Fürsprecherin dieses Plans. Auch die Nichtbebauung der Rappenäcker in Sonnenberg und an der Katzenbachstraße in Vaihingen kann sich die SPD auf die Fahnen schreiben. Roswitha Blind stand immer voll hinter dem Sportgelände Vaihingen-West. Sie wurde gar Vorsitzende des 1. FC Lauchhau-Lauchäcker 04. Das Amt will Blind auch behalten. Der Rückbau der Stiftswaldstraße und der Heerstraße, die Haltestelle bei der Jugendfarm Elsental und die Sperrung der Buowaldstraße waren weitere Projekte, die ihr sehr am Herzen lagen. Doch ein Vorhaben ist nie richtig in die Gänge gekommen; „Beim Landschaftspark Filder ist kaum etwas vorwärts gegangen.“

Nun folgt erst einmal das große Aufräumen

Auf die Gesamtstadt bezogen fällt Blind zuerst die Schulsanierung ein. Die SPD hätte darauf gedrängt, dass es einen Gesamtsanierungsplan gibt und nicht der Einsatz der Stadträte vor Ort entscheidet, welche Schule zum Zuge kommt. „Das war furchtbar unbefriedigend“, sagt die scheidende SPD-Stadträtin. Bürgerhaushalt, Stadtwerke, der Erhalt des Hotels Silber, das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell, oder Tempo 30 vor Schulen kommen Blind noch in den Sinn.

Doch nun warten andere Aufgaben, etwa den Garten zum Blühen bringen: „Da ist einiges liegen geblieben.“ Sie freut sich darauf, mal wieder ein Buch in einem Rutsch durchlesen zu können. Auch das Arbeitszimmer muss aufgeräumt werden. Roswitha Blind will sich dafür Zeit lassen, ein neues Ehrenamt strebt sie in diesem Jahr nicht mehr an; danach wird man sehen.

Nun gilt es erst einmal Kraft zu tanken, ganz egal, ob daheim in Vaihingen oder auf einer blühenden Wiese im Hochgebirge.

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