Auch normale Badegäste sollen künftig in Vaihingen nicht auf dem Trockenen sitzen. Foto: Eileen Breuer

Vereine und Schulen nutzen die städtischen Bäder, es kommen aber immer weniger andere Badegäste. Deshalb will die Stadt die Öffnungszeiten verkürzen. Das Thema schlägt im Bezirksbeirat Wellen.

Vaihingen - Hohe Wellen schlägt der Bäderentwicklungsplan 2030 der Stadt auch in Vaihingen. Weil die Öffnungszeiten, in denen die Öffentlichkeit die Bäder nutzen kann, kürzer werden, fürchten diejenigen, die keine Mitglieder in einem Schwimmverein sind, künftig auf dem Trockenen zu sitzen. „Das führt dazu, dass auch die Aqua-Fitnesskurse abgeschafft werden“, monierte eine Frau in der Bürgerfragerunde vor der Sitzung des Bezirksbeirats am Dienstagabend in der Alten Kelter. Eine andere Vaihingerin sagte: „Ich bitte darum, Privatpersonen nicht gegen die Vereine auszuspielen.“

Im Publikum war auch Bernd Pfeiffer, der Leiter der Schwimmabteilung des Polizeisportvereins. „Ich finde es gut, dass über ein neues Bäderkonzept nachgedacht wird“, sagte er. Die Vereine hätten aber gerne einen Kompromiss, damit die Öffentlichkeit nicht zu kurz komme. Die Arbeit der Vereine sei allerdings wichtig: „Uns und der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft geht es darum, die Schwimmfähigkeit der Kinder herzustellen.“

Für regelmäßige Schwimmer ist der Verein billiger als der Eintritt mit Karte

Die Vereine hätten Verständnis für die Pläne der Stadt, sagte er in einem späteren Gespräch mit unserer Zeitung, denn die Statistiken belegten, dass die Öffentlichkeit die Bäder weit weniger nutze als früher. Deshalb, sagte er, sei es für Schwimmer, die das Vaihinger Hallenbad regelmäßig dann nutzen wollten, wenn die Vereine dort seien, sinnvoll, dem Verein beizutreten: „Der Monatsbeitrag des Vereins ist für regelmäßiges Schwimmen billiger als der Eintritt mit der Karte.“

Auch die Doppelnutzung durch Vereine und Öffentlichkeit wäre aus Pfeiffers Sicht in Ordnung, allerdings müsste dann ausgebildetes Personal da sein. In den Zeiten, in denen die Vereine mit eigenen Rettungsschwimmern die Halle nutzten, sei ja kein Bademeister da. Im Moment gebe es deshalb bei den Vereinen Überlegungen, der Stadt vorzuschlagen, gegen einen städtischen Zuschuss einen ausgebildeten Rettungsschwimmer abzustellen. Damit ließe sich der Wille der Stadt, zu sparen, und der Drang der Öffentlichkeit, ins kühle Nass zu hüpfen, unter einen Hut bringen. „Wo ein Wille ist, da ist ein Weg“, sagte Pfeiffer. Ihm sei allerdings das Angebot der Vereine und der DLRG sehr wichtig, denn beim Schwimmunterricht der Schulen gebe es Defizite: „Die Lehrer sind oft nicht qualifiziert, den Schülern das Schwimmen beizubringen.“ Außerdem sei die Zeit, in der die Kinder im Wasser seien, viel zu kurz: „Mit An- und Auskleiden bleiben nur 20 Minuten. Das ist zu wenig.“

Zähneknirschendes Ja zum Konzept, aber mit Auflagen

Die Bezirksbeiräte zeigten sich nicht glücklich über das Bäderkonzept der Stadt, ihnen kamen die Interessen der privaten Schwimmer zu kurz. Deshalb strebten sie wie Bernd Pfeiffer einen Kompromiss an. Linus Fuchs (SPD) bezweifelte jedoch, dass sich gleichzeitiges Vereinsschwimmen und die Nutzung durch die Öffentlichkeit vereinen ließen: „Ein Mix geht nicht, wegen der Versicherung. Wer zur Vereinszeit, in der kein Bademeister da ist, Schwimmen will, der muss in den Verein eintreten.“ Gerhard Wick (SÖS/Linke-plus) konterte im Einklang mit Eyüp Ölcer (Freie Wähler): „Man darf die Öffnungszeiten nicht einschränken, man muss sie ausweiten.“ Früher habe man jeden Tag ins Schwimmbad gehen können. Der Bäderentwicklungsplan, sagte Karsten Eichstädt (CDU), sei das Ergebnis des veränderten Nutzerverhaltens: „Man muss diese Gedanken aufgreifen und die Kooperationsangebote der Vereine nutzen.“ Gabriele Leitz (Grüne) sagte: „Es kann nicht alles wirtschaftlich sein. Für manches zahlt man Steuern.“

Schließlich stimmten die Bezirksbeiräte mehrheitlich der Vorlage zu, verknüpften ihr Ja aber mit zwei Auflagen. Danach sollten die Bäder in Zeiten, die für die Vereine unattraktiv seien, für die Öffentlichkeit offen stehen, also am Freitag- oder am Samstagnachmittag. Außerdem solle jeden Tag eines der Bäder in Sonnenberg, Heslach, Plieningen oder Vaihingen geöffnet sein, sodass jeder Schwimmer ein geöffnetes Bad in zumutbarer Entfernung finde.

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