Nicht alle Kinder fühlen sich wohl im kalten Nass: Nur 77 Prozent der Stuttgarter Viertklässler haben das Seepferdchen. Foto: Familotel AG

Jedes Kind planscht gern im Wasser – oder doch nicht? Immer weniger Kinder können schwimmen. Die Initiative Schwimmfit will das ändern und hat dem Kindersportverein zwei neue Kurse im Hallenbad Vaihingen beschafft.

Vaihingen - Für viele ist der Sprung ins kalte Nass das Höchste der Gefühle. Doch es ist noch keine Wasserratte vom Himmel gefallen; auch Schwimmen will gelernt sein. Die Initiative Schwimmfit der Stadt Stuttgart hat sich zum Ziel gesetzt, Kinder so früh wie möglich mit dem Wasser vertraut zu machen. Der 1. Kindersportverein ist Teil des Projektes und bietet von der nächsten Woche an zwei neue Kurse im Hallenbad Vaihingen an.

Die Initiative „Schwimmfit – sicher schwimmen in Stuttgart“ wurde Anfang des Jahres ins Leben gerufen. Der Grund war, dass immer weniger Kinder richtig schwimmen können. Nur 77 Prozent der Viertklässler hatten 2014 das Seepferdchen-Abzeichen, wie eine Umfrage des staatlichen Schulamtes der Stadt ergab. Im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt von 84 Prozent säuft Stuttgart hier also ziemlich ab. „Unser Ziel ist es, dass die Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit schwimmen können“, sagt Sören Otto vom Amt für Sport und Bewegung, das die Initiative koordiniert.

Die Resonanz war enorm

Die Stadt will das Problem auf drei Ebenen in Angriff nehmen: In Kitas, Grundschulen und in den Familien werden die Kleinen durch Kurse an das nasse Element gewöhnt. Das funktioniert unter anderem anhand des Pilot-Projekts „Rent-a-Schwimmtrainer“. Hier unterstützen professionelle Trainer der kooperierenden Vereine die Erzieher der Kitas und Schulen. „Das Projekt läuft bisher in 24 Grundschulklassen“, sagt Otto.

Schwimmfit konnte bisher 90 Kurse schaffen. Dafür suchte das Amt freie Zeiten in Schwimmbädern in der ganzen Stadt. „Wir haben quasi jeden Stein in Stuttgart umgedreht“, erinnert sich Otto. Letztlich konnten 200 Stunden freie Zeiten ausfindig gemacht werden. Die Resonanz der Eltern war enorm. „Das Telefon hat gar nicht mehr aufgehört zu klingeln“, sagt Otto. Seit dem Ende der Osterferien sind die meisten Schwimmklassen angelaufen. Die Anbieter kommen aus ganz Stuttgart, unter anderem machen auch der Sportverein Hoffeld und der TSV Heumaden mit.

Zwei neue Kurse werden vom 1. Kindersportverein angeboten. Ab kommenden Dienstag werden Eltern-Kind-Schwimmen für Kinder ab drei sowie ein Anfänger Schwimmkurs für Wasserratten ab vier Jahren angeboten. „Wir sind immer auf der Suche nach freien Bädern“, sagt Britta Auracher, die stellvertretende Leiterin des Sportvereins.

Kinder lernen später schwimmen als früher

Im Hallenbad Vaihingen waren nicht belegte Zeiten bisher eher Mangelware. Eine Lücke konnte das Amt für Sport und Bewegung allerdings finden: Wenn die Freibadsaison beginnt, schließt das Schwimmbad. Ob Sommer oder Winter, das ist für das vier Meter tiefe Becken egal; deshalb können nun jeden Dienstag Nachwuchsschwimmer dort planschen. „Die Nachfrage an Schwimmkursen ist enorm“, sagt Auracher. Gleichzeitig erlebt die Sportwissenschaftlerin jedoch, dass die Kinder später schwimmen lernen als früher. Eine weitere Kooperation mit Schwimmfit stehe bisher nicht an. „Von unserer Seite steht dem aber nichts im Weg“, sagt Auracher.

Im Eltern-Schwimm-Kurs des Kindersportvereins sind noch Plätze frei. Der Kurs wird in zehn Einheiten von Dienstag, 9. Mai, bis Dienstag, 25. Juli, 10 bis 10.45 Uhr, angeboten und kostet 105 Euro. Weitere Informationen sind unter www.schwimmfit-stuttgart.de zu finden. Die Anmeldung erfolgt direkt über den Kindersportverein, Telefon 0711/22 96 46-20.

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