Uwe Hück will die SPD verändern – doch das Gros der Genossen würde dies gerne verhindern. Foto: Georg Moritz/Georg Moritz

Der frühere Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück bringt in Pforzheim große Teile der SPD gegen sich auf. Immer höher schlagen die Wogen – in aller Öffentlichkeit. Dennoch hat Hück weiterhin ehrgeizige Ziele: den Einzug in den Stuttgarter Landtag zum Beispiel.

Pforzheim - Als erfahrener Thaiboxer weiß Uwe Hück: „Wenn ich in den Ring gehe, darf ich mich nicht beschweren, wenn ich einen auf die Fresse kriege.“ Der frühere Porsche-Betriebsratschef muss in Pforzheim gerade viele Schläge einstecken, doch mehr noch teilt er aus – so heftig, dass der örtlichen SPD ein K. o. droht.

 

Es geht drunter und drüber im Ring: Der 58-Jährige hat jüngst eine innerparteiliche Bewegung „Offene Partei“ gegründet und so bisher mehr als 100 Neumitglieder geworben – etwa Handwerker, Selbstständige, Hartz-IV-Empfänger und Studenten. „Jeder soll kommen dürfen“, sagt Hück. Die SPD solle „wieder eine Volkspartei sein, in der nicht nur Lehrer und Rechtsanwälte sitzen“. Schon im Februar 2019 hat er angekündigt: „Ich gehe in die Politik, um sie zu verändern.“ Sein Leitmotiv: der Kampf gegen die vermeintlich abgehobene Parteielite. Die SPD brauche mehr Basisnähe und neue Gesichter – weniger Funktionärsnetzwerke, sagt er. Denn „die Berufspolitiker entfernen sich immer mehr von den Menschen.“ Die Bewegung in Pforzheim sei nur der Auftakt: „Ich fange hier an und werde sie auf Karlsruhe, Leonberg, Heilbronn etc. ausdehnen.“

Das Ziel ist Stuttgart – nicht Berlin

Die Neuzugänge sollen auch die nächsten Attacken unterstützen: Ende Juli solle der Ortsvorstand abgewählt und neu bestimmt werden, im September ein neuer Kreisvorstand. „Wir haben keinerlei Vertrauen mehr zu denen“, sagt er. Vermutlich peilt der Stimmenkönig bei der Gemeinderatswahl 2019 auch das Landtagsmandat an, nachdem er den Plan, gen Bundestag zu streben, verworfen hat: Sein Anhang würde „deutlich sagen, ich soll in Baden-Württemberg bleiben, um die Bewegung zu Ende zu führen“, betont er. „Ich befürchte, dass die wollen: Ich soll in den Landtag rein.“ Er könne ja auch „nicht eine Bewegung gründen und dann abhauen – das wäre nicht Hück“. Die Nominierung steht am 25. September an. „Mir geht es nicht um Posten“, fügt er an. „Sollte ich gewählt werden, würde ich maximal eine Periode im Landtag bleiben – ich will nicht die Berufspolitiker kritisieren und selbst den Trott dann mitmachen.“

Brandbrief honoriger Genossen

Die Wogen gehen enorm hoch: Jüngst haben 22 teils altgediente, honorige Genossen in einem Offenen Brief Alarm geschlagen: Uwe Hück betreibe einen „Zersetzungsprozess und befindet sich mit seinen Leuten auf Kollisionskurs zur Partei“. Die SPD, die Jahrzehnte lang erfolgreiche Oberbürgermeister gestellt hätte, werde „immer stärker als eine völlig zerstrittene, martialisch auftretende Partei wahrgenommen, die von scheinbar progressiven Kräften permanent schlechtgeredet wird“. Zunächst wollte Hück gar der Bundestagsabgeordneten Katja Mast – immerhin Fraktionsvize in Berlin – den Posten abspenstig machen. Diese hält jetzt auch nicht mehr still. In einem internen Newsletter widmet sie sich eingehend den Querelen – gipfelnd in der Forderung: „Dieses unwürdige Spiel muss ein Ende haben.“ Sie erwarte „von jeder und jedem“, die bei der Gründung der Bewegung dabei gewesen sei, sich zu distanzieren.

Je höher die Flammen schlagen, desto dringlicher wird der Einsatz des Stuttgarter Oberbrandmeisters. Nach vergeblichen Schlichtungsversuchen steht bald ein neuer Anlauf an. Landeschef Andreas Stoch tut sich schwer damit, offen dazwischen zu gehen: „Jeder, der sich an der öffentlichen Anheizung des Streits beteiligt, muss wissen, dass er dem Ansehen der Partei Schaden zufügt“, sagt er. An den Faustkämpfer Hück gewandt, fügt er an: „Wer austeilt, muss einstecken können – aber wichtig ist, dass sich alle Beteiligten an die Regeln halten und den Konflikt so schnell wie möglich beilegen.“