Auf dem Weg der Straße Im Brandfeld steht nach heftigem Regen das Wasser. Foto: z.

Diese Anwohner aus Filderstadt sind wirklich gebeutelt: Kaum haben sie die eine Überschwemmung verdaut, trifft sie die nächste. Manche berichten von großer Angst.

Filderstadt - Natascha Prodanovic steht vor ihrem Haus an der Straße Im Brandfeld in Harthausen und zeigt ein Katastrophenvideo auf ihrem Smartphone. Darauf ist zu sehen, wie sich braunes Wasser den Weg bahnt. „Es sieht aus wie ein Fluss“, sagt Prodanovic und ergänzt: „So sah dieser Weg hier am Donnerstagabend aus.“ Neu ist dieser Anblick für sie nicht. „Es ist schon das zweite Mal in 14 Tagen, dass Regenwasser die Straße überflutet. Das bedeutet für die Bewohner, dass ihr Hab und Gut immer wieder beschädigt wird. „Wir hatten uns bei der Stadtverwaltung beschwert. Es hieß, dass die alles getan hätten, um eine Überschwemmung zu verhindern“, sagt Prodanovic. Steffen Heidecker, der an der gleichen Straße lebt, ist sich sicher: „Jetzt werden die wohl tätig werden.“ Schließlich waren am Donnerstag zwölf Häuser betroffen, in denen Wasser in Kellern und der Tiefgarage stand.

Christoph Traub, Filderstadts Oberbürgermeister, war am Freitagmorgen vor Ort. „Ich habe mit den Betroffenen gesprochen. Wir werden uns gleich am Montagmorgen zusammensetzen und die Situation auswerten.“ Der Technische Dezernent Reinhard Molt wird ebenso dabei sein wie die Chefs vom Tiefbau- und dem Ordnungsamt. Er sagt, dass er auch über die Vergangenheit informiert werden möchte. Anwohner berichten, dass es bereits 2016 eine Überschwemmung gab und sie dies der Verwaltung mitgeteilt hätten.

Der Grund für diese Situation wird draußen vor den Häusern deutlich: Die Felder liegen höher als die Häuser und bilden kurz vor dem Wohngebiet eine Senke. Wenn darin das Wasser steht und es nicht versickern kann, läuft es zu den Häusern.

Mit Schneeschaufeln gegen die Fluten

„Wir haben gestern Abend mit Schneeschaufeln das Wasser weggeschippt“, erzählt Heidecker. Sie seien mit 60 Leuten im Regen draußen bis zu den Knöcheln im Wasser gestanden und hätten geschaufelt.

Die Feuerwehr Filderstadt war am Donnerstagabend mit 55 Personen in Harthausen im Einsatz. „In der Ausprägung war das Unwetter sehr extrem. Das lag auch daran, dass sich die Gewitterzelle kaum verändert hat“, sagt der Filderstädter Feuerwehrkommandant Jochen Thorns. Innerhalb kurzer Zeit seien 50 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen. Darum hätten 140 Feuerwehrleute an 42 Orten Wasser abpumpen müssen. „Die Stelle in Harthausen war am auffälligsten, weil das Wasser dort massiv von den Äckern schoß.“

An der Straße stehen mit Schlamm verschmutzte Möbel – darunter auch ein Behandlungsstuhl. Er stand bisher in der Fußpflegepraxis von Veronika Trost. „Der funktioniert nicht mehr“, sagt sie. Denn der Keller stand gut anderthalb Meter hoch voller braunem Wasser, das an der Tapete Spuren hinterlassen hat. Gerade tragen sie und ihr Mann Thomas mit Freunden Möbel raus. „Ich arbeite jetzt bei Kunden. Wen ich nicht anrufe, dessen Termine finden statt“, sagt Veronika Trost. Das Wasser sei als Sturzbach vom Feld gekommen. Schließlich habe es das Parkett im Erdgeschoss unterspült. „Dann stand es im Keller und lief wie ein Wasserfall die Treppe herunter. Wir haben gemerkt, dass es nicht mehr geht, und haben uns praktisch ergeben.“

Kühlschrank kommt geschwommen

Eine Häuserreihe weiter ist der Keller von Nathalie und Stephan Zantis zum zweiten Mal in zwei Wochen vollgelaufen. „Ziehen Sie lieber Ihre Schuhe aus und nehmen Sie die Latschen dort“, sagt der Hausherr. Er telefoniert den Vormittag mit Firmen, die den Keller trocknen, entrümpeln und säubern. Seine Frau deutet unten auf den Kühlschrank. „Der kam mir gestern entgegengeschwommen“, sagt sie. Dabei steigen ihr Tränen in die Augen. „Ich hatte gestern Nacht Todesangst, als das Wasser immer mehr stieg.“ Mit ihrer Tochter hat sie im Eingangsbereich ein Becken aus Handtüchern geformt und das abgeschöpft. Ihr Mann trug die Eimer fort. „Das ist ein Heizlüfter, der den Keller seit dem Wassereinbruch vor zwei Wochen trocknen sollte.“ Sie und ihr Mann befürchten, dass sie nach dem zweiten Wasserschaden ihren Versicherungsschutz verlieren. „Nach dem ersten habe ich mir eine neue Waschmaschine gekauft. Die ist durch die Überschwemmung wieder kaputt“, sagt Nathalie Zantis. Ihr Mann blättert die Wohnungsanzeigen durch. „Wir leben seit 15 Jahren hier, und jetzt überlegen wir, ob wir wegziehen.“

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