Bild des Schreckens: Ein Wohnhaus ist komplett von Geröll umgeben, vom Garten ist nichts mehr übrig. . Foto: KS-Images.de/Karsten Schmalz

Die Regenmassen haben am Samstagabend die Landkreise Ludwigsburg und Rems-Murr heftig getroffen. Besonders schlimm hat eine Sturzflut den Weiler Wolfsölden in Mitleidenschaft gezogen. Nun räumen Feuerwehr, Bewohner und einige Unternehmen Schlamm und Geröllmassen beiseite.

Affalterbach-Wolfsölden - Dieter Gössler sitzt am Montagmorgen auf den Stufen zu seinem Haus im Mühlenweg in Wolfsölden. Er zieht an seiner Pfeife, blickt um sich und schüttelt den Kopf. Das, was er am Samstagnachmittag erlebt hat, kann er auch zwei Tage später kaum in Worte fassen und nicht glauben. Er will es auch gar nicht. Und doch ist das, was um ihn herum geschieht, bittere Realität. Bagger versuchen, neben ihm das gröbste Geröll wegzukarren. Schutt, den das Unwetter den Hang hinunter in den Weg gespült hat, hinterlässt ein Bild des Schreckens.

Die Gartenmöbel sind vom Geröll verschüttet worden

„Das Wasser war überall zwei Meter hoch“, berichtet Dieter Gössler und kann seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Er schluckt schwer. Denn: bereits 2008 hatte ein Unwetter sein Haus getroffen. „Damals war es nicht ganz so schlimm wie diesmal, aber ähnlich. Danach haben wir dann ein Flussbett ausgegraben und mit Steinen ausgelegt, um das Haus vor großen Wassermassen zu schützen. Ohne das würden wir jetzt in einem vollen Haus stehen“, sagt er. Aber von seinem Garten, der Brücke über das Bachbett und von seiner Terrasse ist nichts mehr übrig. Das Geröll hat alle Gartenmöbel begraben, Wege sind keine mehr zu erkennen. An der Rückseite des Hauses türmt sich der Schutt meterhoch auf. Das Haus neben seinem, das seinen Nachbarn als Lagerraum dient, ist ebenfalls komplett von Geröll umgeben. Ein Abwasserrohr hängt sogar im Fenster. Es lag direkt an dem Hang, an dem zahlreiche Wasserrohre herunterstürzten. „2008 hat das Kanalsystem ganz gut funktioniert. Aber diesmal waren die Wassermassen so groß, dass das Kanalsystem versagt hat“, sagt Hans Steidle, der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde. Mit Hauptamtsleiter Alexander Langner und Feuerwehr-Kommandant Sascha Hänig macht er einen Rundgang durch Wolfsölden.

Im oberen Teil des Orts gibt es kaum etwas zu tun. „Da sieht es ganz gut aus“, sagt Langner. Vereinzelt liegen zwar noch Sandsäcke an den Straßen, sie sind aber nur noch die Überbleibsel des Unwetter-Nachmittags. „Die Säcke lassen wir jetzt aber mal noch ein paar Tage liegen, falls noch einmal etwas ist“, erklärt Hänig. Der Bauhof ist zudem seit 7 Uhr im Einsatz, um Schächte zu reinigen. „Damit das Kanalsystem wieder frei ist und laufen kann“, sagt Steidle. Fremdfirmen sind seit dieser Zeit ebenfalls schon im Einsatz – im Mühlenweg. Hier gibt es noch eine Weile einiges zu tun.

Zunächst sollen die Häuser gesichert werden

„Höchste Priorität hat jetzt erst einmal die Sicherung der Häuser. Wir müssen sie vom Geröll befreien, säubern und halbwegs sichern, falls neues Wasser kommt“, erklärt Sascha Hänig.

Die Feuerwehr steht dabei nur noch beratend zur Seite, ausführen werden die kurzfristigen Arbeiten Fremdfirmen und der Bauhof. Was mittelfristig und langfristig geschehen wird, ist noch unklar. „Da müssen wir uns mit Ingenieuren und Spezialfirmen beraten. Eventuell läuft es dann auf einen Damm hinaus“, erklärt der Vize-Bürgermeister Hans Steidle.

Zum Glück hat es keine Verletzten gegeben

Klar ist auf jeden Fall: Eine Situation wie jetzt möchte keiner mehr erleben. „Man kann von Glück sagen, dass es keine Verletzten gegeben hat, schließlich waren hier am Samstag mehr als 100 Hilfskräfte im Einsatz, um die Straße wieder freizubekommen“, berichtet der Kommandant Sascha Hänig. Der Schaden des Unwetters beläuft sich auf mehrere Hunderttausend Euro und könnte bis in die Millionen gehen. Wer für was aufkommt, ist aktuell noch nicht klar. „Über die Kosten hat bislang noch keiner geredet. Dort, wo die Versicherungen zuständig sind, werden wir noch drauf zurückgreifen. Im Moment können wir nicht die Kostenfrage klären. Denn was bringt es, wenn gezahlt wird, aber keiner etwas macht?“, sagt das Trio unisono. Angepackt wird um sie herum ordentlich. Vom Schrecken nimmt es in diesem Moment aber dennoch wenig. Das ist Dieter Gössler weiterhin anzusehen.

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