In der Produktion wird im Zweischichtbetrieb gearbeitet. Das neue Unternehmensgebäude mit dem Firmenlogo, einer Maus Foto: factum/Granville

Das Unternehmen Mauser zieht aus der Kernstadt in den Stadtteil Heimerdingen, um dort zu erweitern. Zehn Millionen investiert der Mittelständler, der doch vor allem ein Familienbetrieb ist.

Ditzingen - Jetzt – oder gar nicht mehr. Rund fünf Jahre habe er sich mit dem Thema befasst, erzählt Georg Mauser. Am Ende hatte der Geschäftsführer des gleichnamigen Blechbearbeitungsbetriebs mit seiner Familie die Entscheidung für die Erweiterung getroffen. Das Unternehmen zieht dafür aus der Ditzinger Kernstadt in den Stadtteil Heimerdingen, erweitert dort um 2,2 Ar auf dann 6,6 Ar. Statt heute 85 Mitarbeiter sollen es dort dann alsbald rund 120 sein. Dabei gehört Mauser heute schon zu den größeren Unternehmen im Ort. Zehn Millionen Euro werden in den neuen Standort investiert.

Mauser verantwortet von der Konstruktion über das Umformen das Laserschneiden, Abkanten bis zum Gravieren und der Montage alles – und arbeitet dabei mit Stahl, Aluminium, Edelstahl und auch Titan. Zu den Kunden zählen Trumpf, Bosch und unter anderem auch Dürr.

Dass Mauser mit Trumpf-Geräten Teile herstellt für die Produktion eben dieser Lasermaschinen, ist nicht nur ein Kuriosum. Georg Mauser freut das vor allem für seine Mitarbeiter. Sie bekommen das Endprodukt ja sonst kaum zu Gesicht, für das sie arbeiten. Mauser-Produkte werden vor allem in der Medizin- und Umwelttechnik verbaut, eben etwa in Maschinengehäusen.

Die Konkurrenz schläft nicht

„Jetzt haben wir die Chance durchzustarten. Das Zeitfenster ist offen“, sagt Georg Mauser. Der 50-Jährige bezieht diese Aussage nicht nur auf den mittelständischen Familienbetrieb, sondern durchaus auch auf sich selbst. „Will man konkurrenzfähig bleiben, muss man sich bewegen“, sagt er. Aber das müsse man schon auch bewusst wollen.

Mauser will, daran lässt er keinen Zweifel. Seine Augen lachen, wenn er über das Neue spricht. Er geht den Schritt nicht aus bloßer Notwendigkeit heraus. Auch wenn er nicht weiß, was er vermissen wird, wenn das Alte, Gewachsene nicht mehr sein wird, überlagert die Überzeugung vom Neuen letztlich doch die Zweifel des gelernten Schlossers. Und wer weiß, ob nicht eines Tages seine drei Söhne das Unternehmen weiterführen wollen. „Es ist alles okay“, diesen Satz sagt Mauser, der gelernte Schlosser, nach wie vor über den bisherigen Standort. Doch das reiche eben nicht, wenn man wie er auch künftig landesweit vorne mit dabei sein will. Mauser wäre freilich kein Unternehmer, würde er anders denken. Doch dieser Wandel, den die Firma nun vollziehen will, hat es in diesem Maße noch nicht gegeben im Laufe der Firmengeschichte. „Industrie 4.0“ und „demografischer Wandel“ sind für den Chef die beherrschenden Schlagworte. Sie machen die Veränderung unabdingbar, wolle man weiter zu den Besten gehören.

Wenn das Unternehmen weiter wächst, bedarf es auch anderer Instrumente der Mitarbeiterführung. Auch das hätten sie lernen müssen, erzählt Mauser. Das war etwas anderes, als der Umgang miteinander, den sie bisher kannten. Der viel zu tun hat mit persönlicher Ansprache, Menschenkenntnis und dem Glaube an junge Menschen, die als Studienabbrecher erst einmal motiviert werden müssten. Doch Mauser setzt nach wie vor auf diesen Personenkreis. Es müsse nicht jeder studiert haben.

Vom Urgroßvater gegründet

Vieles ist anders geworden, seit der Urgroßvater das Unternehmen 1925 im benachbarten Stuttgarter Stadtteil Weilimdorf gründete. Er übernahm hauptsächlich Schmiedearbeiten sowie Reparaturen in der Landwirtschaft. Aber „Stillstand ist Rückschritt“ sagt der Firmenchef heute. Ein Beispiel: „Die Kunden wollen heute nicht mehr warten.“ Das bedeutet auch, dass die Zeit besser genutzt werden, die Produktion im Zweischichtbetrieb im Fluss sein muss. Doch das ist in einem Gebäude, das aus mehrfachen Anbauten zu einem verwinkelten Standort geworden ist, nicht möglich. Ganz zu schweigen von der Steigung auf dem Firmengelände, die für einen Lastwagen zu steil ist. Bisher werden die Bleche unten angeliefert, damit der Stapelfahrer sie in die Produktion fährt. Wenn im selben Moment ein zweiter Lastwagen auf das Gelände will, wird es eng.

Eng wird es inzwischen auch für die Mitarbeiter. Ob Aufenthaltsraum oder sanitäre Anlagen – alles wuchs mit. „Aber wir wollen und müssen auch ein attraktiver Arbeitgeber sein“, sagt Mauser. Seine Mitarbeiter seien schließlich sein Kapital, mehr denn je. Denn „der Markt ist leergefegt“.

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