Das Fahrverbot gilt nur für ältere Diesel – deshalb setzten viele Autofahrer jetzt auf neuere Dieseltechnologien. Foto: dpa

Der Dieselskandal hat die Autofahrer vergrault. Doch just zum Start des Fahrverbots erholen sich die Verkaufszahlen. Viele Käufer wollen auf diese Technologie weiterhin nicht verzichten.

Stuttgart - Die lange Talfahrt des Diesel ist in der Region gestoppt. Zumindest vorerst. Nach heftigen Rückgängen über das gesamte Jahr 2018 sind die Diesel-Verkäufe in den Wochen vor dem Fahrverbot erstmals wieder gestiegen. Dies geht aus bisher unveröffentlichten Daten der amtlichen Zulassungsstatistik hervor, die unserer Zeitung vorliegen.

Verkaufe alten Diesel, kaufe neuen

Demnach sank die Zahl der Diesel-Neuzulassungen in der Stadt Stuttgart und den Kreisen Rems-Murr, Esslingen, Ludwigsburg und Böblingen während der ersten zehn Monate des vergangenen Jahres um 10,7 Prozent. In den beiden letzten Monaten drehten die Zahlen jedoch ins Plus. Gegenüber den vergleichbaren Monaten des Vorjahres stieg die Zahl der Diesel-Zulassungen um 3,2 Prozent. Benziner und reine E-Autos drehten zum Jahresende dagegen ins Minus, obwohl sie nicht vom Fahrverbot betroffen sind.

Die Zahlen deuten darauf hin, dass viele Besitzer trotz Fahrverbot an der Dieseltechnologie festhalten wollen, ihren betroffenen älteren Wagen an Interessenten außerhalb der Region verkaufen und durch einen Diesel mit neuerer Euro-6-Technologie ersetzen. Eine ähnliche Entwicklung ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt zu beobachten.

Konjunkturprogramm für Autobranche

Es gebe die „Hoffnung, dass sich die Dieselhysterie wieder legt“, erklärte Torsten Treiber, Obermeister der Kfz-Innung Region Stuttgart, unserer Zeitung. Weil die Menschen für betroffene Autos Ersatz beschaffen müssten, sei das Fahrverbot für Handel und Hersteller ein „Konjunkturprogramm“. Sie müssten aber zugleich „gute Autos verschrotten oder verschleudern“, so dass diese Politik auf eine „Ressourcenverschwendung“ hinauslaufe.

Der Austausch älterer gegen neue Autos führt zu einer Verjüngung der Fahrzeugflotte. In Stuttgart seien heute 36,4 Prozent aller Pkw weniger als zwei Jahre alt, erklärte Innungsgeschäftsführer Christian Reher.

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