Am Montag sind beim Landratsamt zunächst die Zufahrtswege zur Ersatzbrücke befestigt worden, am Nachmittag folgten dann noch Teerarbeiten. Foto: Horst Rudel

Die Esslinger Verwaltung steht wegen ihrer Informationspolitik zur Brückensanierung am Hammerkanal heftig in der Kritik.

Esslingen - „Fassungslos.“ „Sprachlos“. „Ohne Worte“. Kurz und prägnant haben – in der Reihenfolge der Zitate – die Esslinger Fraktionsvorsitzenden Carmen Tittel (Grüne), Andreas Koch (SPD) und Jörn Lingnau (CDU) die neue Kommunikationspanne in der Esslinger Bauverwaltung kommentiert. Denn aus der Presse haben die Mitglieder des Gemeinderats am Samstag erfahren, dass die kleine, aber stark befahrene Brücke zwischen der Neuen Feuerwache und dem Landratsamt über den Hammerkanal nicht nur einsturzgefährdet ist, sondern auch noch am Wochenende durch eine vom Technischen Hilfswerk montierte provisorische Brücke ersetzt wird.

Ursprünglich hatte die Verwaltung sogar geplant, den Gemeinderat und die Öffentlichkeit erst an diesem Montag nach Abschluss der Bauarbeiten zu informieren. Zunächst hatte es aus dem Esslinger Rathaus geheißen, die Bauverwaltung wisse seit dem vergangenen Dienstag von dem Problem an der Brücke, das im Rahmen einer alle sechs Jahre stattfindenden routinemäßigen Brückenhauptprüfung festgestellt worden sei. Am Montag hat der zuständige Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht einräumen müssen, dass das entsprechende Gutachten bereits seit zehn Tagen im Technischen Rathaus vorliegt.

Verklausulierte Formulierung des Gutachters?

Allerdings sei die Tatsache, dass die Brücke nicht mehr verkehrssicher sei, derart verklausuliert formuliert gewesen, dass das zuständige Amt mehrere Tage gebraucht habe, um die Dimension des Problems zu erkennen, sagt Wallbrecht jetzt. Deshalb habe man zunächst weder den Ausschuss für Technik am Montag noch den Verwaltungsausschuss am Mittwoch über das neue Problem informiert.

„Ich bin fassungslos, dass ein Bürgermeister, der sich mit solchen Themen beschäftigt, erklärt, er habe die Dimension des Gutachterergebnisses nicht gleich verstanden“, sagt Carmen Tittel. Ihr Kollege Andreas Koch formuliert es so: „Dass der Gemeinderat erst mit einer Verzögerung von möglicherweise bis zu einer Woche von dem Gutachten und seinen Folgen erfahren hat, und das quasi aus der Zeitung, ist ein Unding.“ Dass die Stadt es versäumt habe, über den Vorgang zu informieren, reihe ihn ein „in eine inzwischen lange Liste von Kommunikationsdesastern, aus denen die Technische Verwaltung nichts gelernt zu haben scheint.“

Ein weiteres Kommunikationsdesaster

Carmen Tittel fügt hinzu: „Es ist die Pflicht der Verwaltung, uns über wichtige Vorgänge in der Stadt zu informieren.“ Dass das Technische Rathaus erst kurz nachdem es beim PCB-Fund an Esslinger Schulen seiner Informationspflicht nicht nachgekommen sei, nun erneut einen solchen Vorgang nicht öffentlich gemacht habe, zeige, dass das Technische Rathaus „nichts, aber auch rein gar nichts gelernt hat“. Auch die Fraktionschefin der Freien Wähler, Annette Silberhorn-Hemminger, und Jörn Lingnau verurteilten die Informationspolitik des Esslinger Rathauses scharf. Jörn Lingnau: „Das ist ein weiteres Desaster der Verwaltung in Sachen Kommunikation.“

Unterdessen sind die Bauarbeiten an der Ersatzbrücke über den Hammerkanal weitergegangen. Am Montag sind zunächst die Zufahrtswege zur provisorischen Brücke verstärkt worden. Am Nachmittag sollte dann der notwendige Asphalt aufgebracht werden. Deshalb musste die Zufahrt zum Landratsamt am Montag gleich zwei Mal für mehrere Stunden für Autos komplett gesperrt werden. Andreas Koch bedauert das von der Verwaltung zu verantwortende Informationschaos, weil dadurch ein Schatten auf die am Wochenende von Technischen Hilfswerk geleistete vorbildliche Arbeit falle.

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