Eine Stahlkonstruktion entlastet nun die marode Brücke über den Hammerkanal. Allerdings müssen die Anschlüsse am Montag noch nachgebessert werden. Foto: Horst Rudel

Weil die Brücke über den Hammerkanal von einem Gutachter als einsturzgefährdet eingeschätzt worden war, hat das Technische Hilfswerk den Neckarkanal mit einer Hilfskonstruktion überbrückt. Doch die zeigt Schwächen.

Esslingen - Das Esslinger Landratsamt ist am Montag, 22. Juli, bis 15 Uhr nur eingeschränkt zu erreichen. Danach schließt die Behörde. „Wir bitten unsere Kunden, sofern möglich, die Behördengänge auf die folgenden Tage zu verschieben oder mit dem öffentlichen Nahverkehr anzureisen“, wird der Sprecher der Landkreisverwaltung, Peter Keck, in einer am Sonntag veröffentlichten Pressemitteilung zitiert. Selbst während der eingeschränkten Öffnungszeit müssen die Kunden des Landratsamts auf Parkplätze diesseits der wegen Einsturzgefahr gesperrten Brücke über den Hammerkanal ausweichen. Die Behelfsbrücke, die das Technische Hilfswerk (THW) in einer Notoperation am Samstag über den Neckarkanal gelegt hat, hält einer Dauerbelastung noch nicht stand.

Lediglich die rund 1000 Mitarbeiter der Behörde können einer Mitteilung der Stadt Esslingen zufolge über die von der Feuerwehr und dem Ordnungsamt kontrollierte Zufahrt zu ihren Arbeitsplätzen gelangen. Entgegen der bisherigen Annahme hat sich das Schottermaterial, mit dem die Zufahrtsrampen zu der Stahlbrücke aufgeschüttet worden waren, so stark gesetzt, dass Mulden entstanden sind. Die sollen im Laufe des Montagvormittags nun mit L-Steinen provisorisch geschlossen werden. Um 16 Uhr führt die Firma Straßenbau Hemminger der Mitteilung aus dem Esslinger Rathaus zufolge die Asphaltanschlüsse zwischen der Straße und den beiden Brückenköpfen durch. „Deshalb müssen wir die Zu- und Abfahrt zum Landratsamt von 16 Uhr an. vollständig sperren“, erklärt Roland Karpentier, der Sprecher der Esslinger Stadtverwaltung.

Dem Provisorium fehlt die Anbindung

Vorausgegangen war ein Nacht- und Nebeleinsatz des THW, auch wenn er am Samstag erst um 7 Uhr begonnen und bei schönstem Sonnenschein durchgeführt worden war. Fachleute des Technischen Hilfswerks haben in aller Eile eine Behelfsbrücke über den Hammerkanal beim Esslinger Landratsamt gelegt. Das Provisorium soll die Pulverwiesenbrücke entlasten, der ein Gutachten zuvor mangelnde Tragfähigkeit attestiert hatte. Im Laufe des Sonntags jedoch hat sich gezeigt, dass die Schotterrampe, die eine Anbindung der Brücke an die Straße sicherstellen soll, ihren Zweck nicht oder nur teilweise erfüllt.

Der mangelnden Tragfähigkeit im Straßenbereich war Demonstration mangelnder Kommunikationsfähigkeit im politischen Bereich vorausgegangen. In der jüngsten Sitzung des Technischen Ausschusses des Esslinger Gemeinderats am Mittwoch hatte der Chef des Esslinger Tiefbauamts, Uwe Heinemann, die verdutzte Ratsrunde noch im Nebel stehen lassen. Am Rande der Auseinandersetzung um den Erhalt des Alicenstegs, der Verbindung vom Landratsamt über den Neckar und die B  10 zum Zollberg, hatte er vage angedeutet, dass jenseits der allseits bekannten Wackelkandidaten noch ganz andere Brücken in Esslingen sanierungsbedürftig seien. Erst am Samstag haben Bauarbeiter und vor allem die Männer des Technischen Hilfswerks den von der Stadtverwaltung aufgehängte Vorhang der Geheimniskrämerei ein wenig beiseite geschoben.

Problem ist seit Dienstag bekannt

„Die Standsicherheit der Brücke ist nicht mehr in dem notwendigen Umfang gegeben.“ Mit diesen Worten fasst Karpentier, die Aussage eines Gutachten zusammen, das seinen Worten zufolge am Dienstag im Rathaus eingegangen war. Im Rahmen der turnusmäßigen Routineüberprüfung der im Jahr 1964 gebauten Pulverwiesenbrücke waren starke Risse im Spannbeton festgestellt worden. Der dringenden Empfehlung der Gutachter, die Belastung der Brücke umgehend zu begrenzen, sei die Stadt schon am Donnerstag nachgekommen. Das zulässige Gewicht der querenden Fahrzeuge wurde auf 3,5 Tonnen begrenzt und die Fahrbahn mit der Hilfe von Leitschienen und Warnbaken auf eine Spur begrenzt.

Die Sofortlösung wäre nach Einschätzung aller Beteiligten auf Dauer nicht tragbar gewesen. Die kleine Brücke ist die einzige Zufahrt zum Landratsamt, in dem nicht nur rund 1000 Beschäftigte arbeiten, sondern in dem auch ein reger Publikumsverkehr herrscht. Die Andienung der Kantine hätte bei einer Begrenzung ebenso auf der Kippe gestanden, wie die An- und Abfahrt der Müllabfuhr.

Von der Feuerwehr abgeschnitten

Im Ernstfall hätte nicht einmal die lediglich einen Steinwurf jenseits der Brücke stationierte Esslinger Feuerwehr mit ihren schweren Einsatzfahrzeugen problemlos anrücken können. Darüber hinaus sind die Kindertagesstätte am Färbertörlesweg, die Kanu-Vereinigung Esslingen und die Städtischen Galerien im Merkelpark auf die Kanalquerung angewiesen, umso mehr, als dass die Verbindung neckarabwärts wegen der laufenden Sanierung der Pliensaubrücke gekappt ist.

Den Worten Karpentiers zufolge steckt die Stahlbehelfsbrücke nun eine Belastung von bis zu 25 Tonnen klaglos weg. Um das Konstrukt mit der Zu- und Abfahrt zu verbinden, hat eine Straßenbaufirma zudem Auffahrtsrampen asphaltiert. „Wichtig war jetzt erst einmal, eine kurzfristige Lösung zu finden. Die haben wir dank des Technischen Hilfswerks erreicht. Jetzt werden wir alles daransetzen, die Erneuerung zügig in Angriff zu nehmen“, sagt Karpentier.

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