In Külsheim, der Kleinstadt mit 18 Brunnen, ist das Trinkwasser besonders teuer. Foto: facebook.com/kuelsheim

Zwischen 300 und 531 Euro zahlt ein vierköpfiger Haushalt in Baden-Württemberg jährlich für das Trinkwasser – so hat es die Landeskartellbehörde jetzt berechnet. Allerdings kommen noch erhebliche Gebühren für das Abwasser dazu.

Stuttgart - Schlechte Nachrichten für alle, die in Backnang, Stuttgart oder Esslingen wohnen: Sie zahlen mit die höchsten Preise für Trinkwasser in Baden-Württemberg. Das geht aus der neuen, zweijährlich erscheinenden Liste der Landeskartellbehörde für Energie und Wasser hervor, die beim Umweltministerium angesiedelt ist. Freuen dürfen sich wieder einmal die Bürger von Bietigheim-Bissingen – seit vielen Jahren ist dort das Trinkwasser am günstigsten.

Die Unterschiede sind beträchtlich: Von 1,99 Euro pro Kubikmeter (Stadtwerke Bietigheim-Bissingen) bis 3,54 Euro (Stadtwerk Külsheim) reicht die Preisspanne. Bei einem Verbrauch von 150 Kubikmetern im Jahr, was für eine vierköpfige Familie normal ist, zahlen die Bietigheim-Bissinger somit 298,38 Euro, die Külsheimer 531 Euro. Im Schnitt liegt der Jahrespreis bei 416 Euro.

Hohe Investitionen treiben die Preise nach oben

Allerdings muss man eine Einschränkung machen: Die Kartellbehörde betrachtet lediglich jene 83 Stadtwerke, die als private Gesellschaft auftreten. Sie liefern jedoch immerhin knapp die Hälfte allen Trinkwassers in Baden-Württemberg. Daneben gibt es rund 900 weitere Versorger, die kommunal organisiert sind und deren Preise nicht überwacht werden. Schlaglichter zeigen aber, dass bei diesen die Preisspanne noch größer ist: In Willstätt bei Kehl etwa zahlt man nur 1,58 Euro pro Kubikmeter, während man in Grafenberg (Kreis Reutlingen) sogar 4,01 Euro berappen muss.

Stadtwerke mit hohen Preisen bemühen sich, ihre Kosten zu rechtfertigen. Ralf Braun, der Geschäftsführer des Stadtwerks Külsheim bei Tauberbischofsheim, verweist auf hohe Investitionen in das Wasserwerk vor einigen Jahren – da die Beträge über Jahrzehnte abgeschrieben würden und da sich die Kosten in der 5500-Einwohner-Stadt auf vergleichsweise wenige Abnehmer verteilten, bleibe der Preis lange Zeit hoch. „Aber wir haben seit Jahren den Preis nicht mehr erhöht“, so Braun, „und die Stadt verzichtet auf die Hälfte ihrer Konzessionsabgabe.“ Die EnBW, die Stuttgart mit Trinkwasser beliefert, auf Platz 77 liegt und 3,20 Euro pro Kubikmeter verlangt, betont gerne die besonderen Höhenunterschiede in der Landeshauptstadt und die damit verbundenen höheren Kosten für Leitungen, Pumpen und Wasserspeicher.

Verbraucher kann den Versorger leider nicht wechseln

Für Richard Mastenbroek, den Geschäftsführer der Stadtwerke Bietigheim-Bissingen, resultiert umgekehrt sein niedriger Preis vor allem aus zwei Faktoren: Man saniere fortlaufend und halte so die Kosten niedrig, und man sei besonders effizient in der Betriebsführung. Allerdings ist das Wasser in Bietigheim-Bissingen überproportional teurer geworden ist; seit 2016 um fast ein Viertel. In der neuen Liste des Umweltministeriums gibt es nur drei Stadtwerke, die seit 2019 stärker aufgeschlagen haben als Bietigheim-Bissingen. Es seien zuletzt Investitionen vorgezogen worden, erläutert die Sprecherin Isabel Friedrich. Teuer sind auch Esslingen (Platz 70; 3,19 Euro pro Kubikmeter sowie Backnang (Platz 82; 3,41 Euro).

Eine konkrete Handhabe, das eigene Trinkwasser günstiger einzukaufen, haben die Menschen kaum. Sie können zwar versuchen, weniger zu verbrauchen – aber sie können nicht zu einem anderen Anbieter wechseln, wie es seit langem bei der Strombelieferung möglich ist. Da Wasser in seiner Zusammensetzung unterschiedlich ist im Gegensatz zum Strom, gibt es hier keine Deregulierung durch die Bundesnetzagentur.

Abwassergebühren sind höher als Trinkwasserpreise

Im Übrigen muss man betonen, dass der Trinkwasserpreis der Versorger nur einen Teil der gesamten Kosten für den Verbraucher ausmacht – denn es kommen in der Regel Gebühren der Kommune für Schmutzwasser und für Niederschlagswasser hinzu. Die Kosten allein für das Schmutzwasser machen laut dem Statistischen Landesamt im landesweiten Schnitt weitere 1,95 Euro pro Kubikmeter aus. Daneben bezahlt man Gebühren für den Regen, der von asphaltierten Grundstücksbereichen ebenfalls in die Kanalisation gelangt; diese Gebühren liegen im Schnitt bei 48 Cent pro Quadratmeter asphaltierter Fläche. Die Gebührenspanne ist auch beim Abwasser sehr groß.

Unterm Strich bilden damit die Kosten für das Abwasser heutzutage sogar den höheren Posten. Laut einer Berechnung des Statistischen Landesamts zahlt jeder Einwohner im Südwesten im Schnitt 106 Euro pro Jahr für das Trinkwasser, aber 122 Euro für das Abwasser.

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