Schäfer Sebastian Schmid bei seinen Lämmern im Schafstall in Berglen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Beweidung mit Schafen oder Ziegen ist für die Natur von Vorteil – doch dahinter steckt harte Arbeit, wie auf einer Rundfahrt des Landschaftserhaltungsverbands deutlich wird.

Berglen - Kaum ist eine Portion Futter in den Trog der Melkanlage gefallen, beginnen die Schafe zu blöken. „Wenn sie das nur hören, ist schon Stimmung im Stall“, sagt der Schäfer Sebastian Schmid. Doch noch müssen sich die französischen Milchschafe gedulden: Gemolken werden sie erst am Abend. „Wir melken die Muttertiere nur einmal am Tag, weil wir festgestellt haben, dass ihre Lämmer dann besser wachsen“, erklärt Schmids Frau Melanie.

Momentan geben die Schafe allerdings wenig Milch – die Trockenheit der vergangenen Tage macht sich bemerkbar. „Zeit, dass es mal wieder regnet“, sagt die 41-Jährige. 40 bis 45 Liter Milch melken die Schmids durchschnittlich am Tag. Derzeit leben auf ihrem Bioland-Hof rund 120 Lämmer und ebenso viele Muttertiere, erklären sie den Besuchern, die im Rahmen einer Mitgliederrundfahrt des Landschaftserhaltungsverbands Rems-Murr-Kreis am Mittwochmorgen Station in Berglen-Birkenweißbuch machen.

Schafe und Ziegen erhöhen die Artenvielfalt

„Schäfer und Ziegenhalter und ihre Bedeutung für den Rems-Murr-Kreis“ lautet das Motto der Tour. „Die Beweidung mit Schafen und Ziegen ist sehr wertvoll für die Fläche, weil sie schonend erfolgt. Die Tiere fressen nicht alles kahl, sondern lassen hier und da etwas stehen“, erklärt Kirsten Kindermann, die Geschäftsführerin des Landschaftserhaltungsverbands. „Vorausgesetzt, es sind nicht zu viele Tiere zu lange auf einer Weide“, fügt sie hinzu. Pflanzensamen werden gefressen und wieder ausgeschieden oder bleiben, ebenso wie Insekten, in der Wolle der Weidetiere hängen und gelangen so von einem Lebensraum zum nächsten. Das trägt laut Kindermann zur Artenvielfalt im beweideten Gebiet bei.

Die Schmids kümmern sich auf diese Weise um eine 30 Hektar große Fläche. „Schafe sind für Berglen gut geeignet“, sagt der Schäfer. Trotzdem sei der Standort eine Herausforderung: „Wir sind fast jeden Tag irgendwo dabei, die Weidezäune umzustecken.“ Die Wege von einer Weide zur nächsten sind lang, liegen die Flächen doch bis zu dreieinhalb Kilometer weit vom Hof entfernt.

Viel Aufwand für wenig Lohn

Sebastian Schmid ist nicht nur als Schäfer, sondern auch darüber hinaus in der Landschaftspflege tätig. Ansonsten würde das Geld nicht reichen, sagen er und seine Frau. Dabei sei die Arbeitsbelastung, die man als Milchviehhalter hat, hoch: „Wir arbeiten auch am Wochenende und können nicht mal einfach so in den Urlaub fahren“, erklärt der 38-Jährige. Im Verhältnis zum Aufwand falle die Entlohnung relativ gering aus. „Ohne Idealismus geht es nicht“, betont Melanie Schmid. Aber: „Wir haben es schön hier – und da wir den Hof nicht übernommen, sondern bei null angefangen haben, konnten wir uns selbst verwirklichen.“ So ließ das Paar etwa den Stall für die Schafe, der über die Landschaftspflegerichtlinie gefördert wurde, nach den eigenen Vorstellungen gestalten. Auf einer Seite offen, gleicht er eher einem riesigen Unterstand: „Dadurch haben die Tiere viel Licht und kriegen etwas von der Witterung draußen mit“, sagt Melanie Schmid.

Sie verarbeitet die Schafmilch in der eigenen Hofkäserei zu Frischkäse, Joghurt und Weichkäse. Der Hofladen, der einmal pro Woche geöffnet ist, läuft gut. „Der Wiederverkauf ist allerdings eher schwierig, weil andere, größere Anbieter ihre Produkte günstiger anbieten können“, erklärt Melanie Schmid den Besuchern. Die probieren noch ein wenig Käse und machen sich dann auf zu den nächsten Stationen der Bustour: der Ziegenhalterin Lea Mundorf in Rudersberg-Asperglen und der Schäferei Allmendinger in Heutensbach. Im Schafstall in Berglen kehrt unterdessen wieder Ruhe ein – zumindest bis zum Melken am Abend.

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