Zweikampfstark: Kickers-Kapitän Tobias Feisthammel (re.) gegen Marcel Avdic vom Ligakonkurrenten 1. Göppinger Sportverein. Foto: Baumann

Tobias Feisthammel ist zum dritten Mal Vater geworden, steht kurz vor seinem Studienabschluss – doch die sportliche Zukunft des Kapitäns des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers ist offen.

Stuttgart - Er befindet sich als Fußballer wie so viele andere in der Warteschleife. Und natürlich wäre Tobias Feisthammel „unfassbar froh“, wenn es irgendwann auch für ihn wieder losgeht. So schnell als möglich. Doch der Kapitän des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers gehört zu den Menschen, die der Zwangspause auch positive Aspekte abgewinnen. Er kann sich zu Hause in Berglen im Rems-Murr-Kreis um seine Familie kümmern und seinen Studienabschluss forcieren.

Am 5. April ist Feisthammel zum dritten Mal Vater geworden. Nach den beiden Töchtern Lily (6) und Lia (4) brachte seine Frau Kati Söhnchen Levi zur Welt. „Wir freuen uns riesig über den Stammhalter und genießen die Zeit, aber während der Corona-Krise alle bei Laune zu halten, ist auch anstrengend. Meine Frau und ich fallen abends todmüde ins Bett“, sagt Feisthammel mit einem Schmunzeln.

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Seinen Körper hält der 32-Jährige mit Lauftraining und einem speziellen Athletikprogramm fit. Den Kopf fordert das BWL-Studium, das er 2018 am privaten FOM Hochschulzentrum in Stuttgart begonnen hat. Spätestens Ende Juni muss er seine Bachelorarbeit zum Thema „Führungskompetenz im Leistungssport am Beispiel Fußball“ abgeben, dann hat er seinen Abschluss in der Tasche.

Irgendwann will Feisthammel selbst als Trainer tätig sein. Oder im Bereich Sportmanagement sein Wissen einbringen. Dafür hat er drei Jahre lang während der Semester an drei Tagen in der Woche zwischen 18 Uhr und 21.30 Uhr an Vorlesungen und Seminaren teilgenommen. „Das ist schon extrem anstrengend, zumal wir eben auch in der Oberliga professionell trainieren, aber eben auch hochinteressant“, sagt Feisthammel. Da dies ein Studiengang für Berufstätige ist, kam der Defensivfußballer auch mit Angestellten aus Unternehmen der freien Wirtschaft in Kontakt.

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Der Blick über den Tellerrand zeichnet ihn aus. „Gerade die aktuelle Situation führt es einem doch vor Augen, wie elementar wichtig ein zweites Standbein ist“, sagt Feisthammel. Bei ihm persönlich kommt hinzu, dass seine sportliche Situation völlig offen ist. Sein Vertrag bei den Stuttgarter Kickers läuft am Saisonende aus, bei ihm unabhängig von der Ligazugehörigkeit. Bei sechs weiteren Mitspielern aus dem aktuellen Kader gilt der Kontrakt bei den Blauen ebenfalls nur bis zum 30. Juni. Feisthammel befindet sich zwar mit Trainer Ramon Gehrmann und dem Sportlichen Leiter Lutz Siebrecht im regelmäßigen Austausch, doch Signale wie es weitergeht, gibt es derzeit keine. „Ich sehe das relativ entspannt und habe Verständnis für die aktuelle Situation des Vereins“, erklärt Feisthammel, „ich würde sehr, sehr gerne bei den Blauen bleiben, aber andererseits: wenn eine Tür zugeht, dann geht auch woanders eine auf.“ Das hat er in seiner Karriere oft genug erlebt, in der der gebürtige Reutlinger im Aktivenalter für den VfB Stuttgart II, Alemannia Aachen, den SC Paderborn, den MSV Duisburg und die SV Elversberg am Ball war. Von Trainern wie Friedhelm Funkel, Roger Schmidt, Peter Hyballa oder Tayfun Korkut konnte er einiges mitnehmen.

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Und die Lust auf Lernen, die Lust auf Fußball ist auch mit 32 Jahren bei ihm ungebrochen. „Ich traue mir zu bis 38 oder 39 zu spielen“, sagt der Kickers-Spielführer. Oder parallel dazu in die Rolle eines Sportlichen Leiters hineinzuschnuppern. Doch aktuell steckt er in der Warteschleife. Der Bachelorarbeit tut das gut – und die junge Familie freut es ohnehin.

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