Zu Gast im Innenstadtbüro von Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten: BHZ-Teamleiter Jürgten Krist (links) und Ex-VfB-Torwart Timo Hildebrand mit Fußball-Männle. Foto: Lichtgut/Jan Reich

Die Fußball-Männle der Behinderteneinrichtung BHZ haben es Timo Hildebrand angetan. Auch sonst engagiert sich der frühere VfB-Torwart für soziale Projekte.

Stuttgart - Timo Hildebrand steht in der offenen Türe des Stadtbüros wie zwischen zwei Pfosten: wach, athletisch, präsent. Wenn jetzt von irgendwoher ein Ball geflogen käme, er würde ihn sich pflücken. „Ich bin pünktlich“, sagt der große Blonde mit den blauen Augen. Besuch von einem Sunnyboy, so wirkt es. Und ja, das Leben des ehemaligen VfB-Torwarts ist schön. Es hört sich jedenfalls toll an: Gerade war er mit der „MS Europa“ auf Kreuzfahrt im Mittelmeer. Quasi beruflich. Allabendlich plauderte er dort mit Moderator Jörg Wontorra über die Fußball-WM. Hat Spaß gemacht, wie er sagt. Demnächst geht’s weiter zur nächsten Expertenrunde in einen Robinson-Club.

Dazwischen nimmt Hildebrand sich Zeit für einen Besuch im Stadtbüro unserer Zeitung in der Geißstraße 4. Das Büro hat sich für die Dauer der Fußball-Weltmeisterschaft in ein WM-Studio verwandelt, wie es vermutlich kein zweites gibt: Hier stehen 352 Fußball-Männle in den Farben der 32 teilnehmenden WM-Mannschaften. Hergestellt von Mitarbeitern des BHZ, einer Behinderteneinrichtung. Fußball mit Herz statt Fußball mit Kommerz.

Gegen Blindenfußballer „haushoch verloren“

Hildebrand muss das nicht machen; hier gibt’s nichts zu verdienen, aber er ist gerne gekommen. Der Ex-Profi, der für eine Event-Agentur arbeitet, hält sich nämlich nicht nur auf der Sonnenseite des Lebens auf. Er ist sozial stark engagiert. „Ich versuche viel zu helfen“, sagt er. Zum Beispiel der Hilfsorganisation Balkanroute, die sich neuerdings Stelp nennt. Oder Brunnenbauern in Uganda. Der 39-Jährige ist außerdem Botschafter der Sepp-Herberger-Stiftung, die Blindenfußballer unterstützt. Neulich hat er an der Seite anderer Ex-Profis gegen eine Blindenmannschaft gekickt – mit verbundenen Augen. „Wir haben haushoch verloren“, erzählt er. „Es ist sensationell, was die Jungs leisten.“ Angenehm natürlich – so geht Hildebrand mit dem Thema Behinderung um.

Im Stadtbüro trifft er an diesem Nachmittag Jürgen Krist, Teamleiter beim BHZ und Erfinder der kultigen Fußball-Männle. Für den früheren VfBler ist ein besonderes Männle reserviert: Es trägt einen roten Brustring. Auf dem Trikot steht „Timo“. „Coole Sache“, findet Hildebrand. Überhaupt die ganzen Männle.

Krist und die Mitarbeiter der BHZ-Kreativwerkstatt haben die Figuren aus alten Obstkisten geschnitzt und bemalt – nicht schwarz oder weiß, sondern bunt wie das Leben. Dieses Motto steht über allem. Hildebrand unterschreibt es sofort: „Wir sind Menschen – unabhängig von der Hautfarbe.“ Ehrensache, dass er sich gegen jede Form von Rassismus wendet. „Bei solchen Sachen ist es wichtig, den Mund aufzumachen!“, sagt er.

Mit Sorge sieht er Entwicklungen, die sich rund um den Fußball breitmachen – etwa die verbale Gewalt, die von bestimmten Fangruppen ausgeht. Fußballprofis sollten solche Entwicklungen nicht einfach hinnehmen, findet er, sondern ihre Bekanntheit nutzen, um Vorbild zu sein.

Seit Jahren ernährt er sich vegetarisch

Bewusst und überlegt leben, das ist Hildebrand auch sonst wichtig. Seit vielen Jahren ernährt er sich vegetarisch. „Nicht extrem, aber ich versuche, so viele tierische Produkte wie möglich rauszulassen.“ Er träumt von einem Art Gesundheitshaus in Stuttgart mit Café/Restaurant, Yogastudio und Platz für Psychotherapeuten. „Wär schon geil“, sagt er. Fehlt nur ein geeigneter Partner. Im Stadtbüro hinterlässt er an diesem Nachmittag einen starken Eindruck und einen schwungvollen Eintrag in unserem WM-Gästebuch: „Tolle Ausstellung und weiter alles Gute!“

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