So unschuldig wie er schaut, ist der Fuchs wohl nicht. Rund um den Haldenwald klaut er Schuhe Foto: dpa

Kinder wollen spielen – egal ob Mensch oder Tier. Doch wo findet ein Fuchsmutter geeignetes Spielzeug? Antwort: In den Wohngebieten rund um den heimischen Wald.

Kaltental/Sonnenberg - Das kennt jeder, der Kinder hat. Gehen Mama oder Papa fort, fragt der Nachwuchs quengelnd, ob er denn was mitgebracht bekomme. Bei Füchsen ist das wohl nicht anders. Doch wo soll so ein Tier Spielzeug herbekommen? Moderne Erziehungstheorien des Menschen besagen, dass Kinder nicht mehr zum Spielen brauchen, als in der Natur zu finden ist. Bei Füchsen scheint das überholt zu sein. Und so begeben sich die Rotpelze immer wieder auf Streifzug durch die Wohngebiete rund um den heimischen Wald. Denn dort lassen unvorsichtige Zweibeiner Schuhe, Bälle, Sandspielzeug oder auch Gartenhandschuhe über Nacht einfach draußen liegen – und wundern sich dann am nächsten Morgen, wo die Sachen hin sind.

Genau so ist es jüngst einigen Bewohnern in den Gebieten rund um die Abraham-Wolf-Straße und die Falkenstraße in Sonnenberg ergangenen. Dort ist seit einiger Zeit mindestens ein Fuchs unterwegs. Schon mehrfach wurde er auf seinem Beutezug gesichtet – mit Schuhen im Maul.

Füchse haben eine besondere Vorliebe für Leder und Plastik

An der Biege des Hundsklingenwegs im Haldenwald stoßen Spaziergänger und Jogger dann auf einem Berg Schuhe. „Am Anfang dachte ich noch, da hat irgendein Depp einen Kleidercontainer geplündert und das, was er nicht braucht, einfach hierher geworfen“, sagt ein Mann. Von anderen Waldbesuchern habe er dann erfahren, dass es wohl der Fuchs gewesen sei.

Auch Annette Hasselwander kann sich das gut vorstellen. Sie ist bei der Forstabteilung der Stadt Stuttgart für die Pressearbeit verantwortlich und sagt: „Füchse sind verspielt und haben eine besondere Vorliebe für Gegenstände aus Leder oder Plastik. Die sind leicht und damit einfach wegzutragen.“ Von April bis Juli, wenn die Füchse ihre Jungen aufziehen, würden die meisten Meldungen über aus Gärten verschwundene Schuhe und andere Gegenstände eingehen. „Nicht selten finden sich vor einem Bau mit Jungfüchsen nicht nur Plastik- und Papierfetzen sowie Knochenstücke, sondern auch eine Reihe von Gegenständen aus Leder wie zum Beispiel Bälle, Gartenhandschuhe oder angeknabberte Schuhe“, sagt Hasselwander. Die Welpen würden diese Gegenstände gern zum Spielen verwenden. „Es scheint sich dabei um Mitbringsel der Altfüchse oder der Jungfüchse von ihren Streifzügen zu handeln“, sagt Hasselwander.

Hören Jungfüchse auch gern Musik?

Keine Frage, spielen ist elementar. „Im Spiel trainieren Jungtiere wichtige Verhaltensweisen für das spätere Leben. Anhand verschiedener Objekte werden mit den Geschwistern zum Beispiel Beutefang und Handhabung der Beute geübt. Auf diese Weise lernt der Jungfuchs seinen eigenen Körper und den Umgang mit Artgenossen kennen“, sagt Hasselwander. Ihr Tipp: Über Nacht nichts im Freien liegen lassen, woran ein Fuchs Gefallen finden könnte.

Dazu könnten im Übrigen auch MP3-Player gehören. Denn auch ein solches Gerät war in dem Schuhhaufen im Haldenwald zu finden – leider jedoch ohne jedes Zubehör. Ob nun ein Jogger oder Spaziergänger das kleine Plastikteil verloren hat, oder aber der Fuchsnachwuchs von heute ebenso wie Teile der zweibeinigen Jugend sich eher für Musik als für Fußbälle interessiert, bleibt ungewiss.

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