Die Agip-Tankstelle in Steinenbronn wurde am vergangenen Samstag Opfer eines Überfalls. Foto: Judith A. Sägesser

Am vergangenen Samstagabend wurde in Steinenbronn eine Tankstelle überfallen. Der Mitarbeiter reagierte richtig, händigte dem Täter Bargeld und Zigaretten aus und löste Alarm aus. Die Polizei hat noch weitere Tipps, wie man sich bei einem Ladenüberfall am besten verhält.

Steinenbronn - Ein maskierter Mann betritt den Laden, mit einer Pistole in der Hand, und fordert die Tageseinnahmen. Genau mit dieser Situation sah sich am vergangenen Samstag ein Mitarbeiter der Tankstelle an der Umgehungsstraße in Steinenbronn konfrontiert. Wie man als Angestellter reagieren soll, darüber informiert die Polizei. „Leisten Sie auf keinen Fall aktive Gegenwehr“, sagt Peter Widenhorn, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Ludwigsburg. Stattdessen sollten die Anweisungen des Täters befolgt werden. Eines sollte man jedoch aktiv tun: so früh wie möglich den Alarm auslösen und die Polizei informieren.

Der Mitarbeiter der betroffenen Tankstelle hat demnach genau richtig reagiert: Dem Polizeibericht zufolge händigte er dem Täter einen unteren vierstelligen Geldbetrag und mehrere Stangen Zigaretten aus. Danach flüchtete der bislang unbekannte Täter laut der Aussage von Zeugen in Richtung des nahegelegenen Aldi. Die Ermittlungen der Polizei dauern noch an. Unter anderem würden noch die Videoaufzeichnungen ausgewertet, sagt Widenhorn.

In den vergangenen Jahren nur wenige Tankstellenüberfälle

„Auf diesen Aufnahmen kann man Täter nur in den seltensten Fällen erkennen“, sagt der Polizeisprecher. Zum einen liege dies an der Qualität der Aufzeichnungen, doch eine Rolle spielt auch, ob der Täter maskiert war oder nicht. Es hänge insgesamt von vielen Faktoren ab, wie wahrscheinlich es ist, dass der Täter gefasst wird. Ganz wichtig seien Zeugenaussagen. Die Polizei bittet die Mitarbeiter vor allem darum, sich das Aussehen des Täters so genau wie möglich einzuprägen. Auch andere Hinweise können hilfreich sein. Bei einem Überfall auf dieselbe Tankstelle vor beinahe zehn Jahren merkten sich Zeugen das Nummernschild des Täterfahrzeugs; so kam die Polizei den damals drei Tätern rasch auf die Schliche.

Im Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Ludwigsburg wurden in den vergangenen fünf Jahren wenige Tankstellen überfallen, insgesamt waren es vier. 2017 gab es einen, 2018 wurde gar kein Überfall auf eine Tankstelle gemeldet. Auch im Landkreis Esslingen, zu dem die Filderebene teils gehört, liegt die Zahl der Raubüberfälle auf Tankstellen seit Jahren im niedrigen einstelligen Bereich. So gab es nach Informationen des Polizeipräsidiums Reutlingen von 2013 bis 2017 zehn Tankstellenüberfälle. Das liege auch daran, dass viele Tankstellen videoüberwacht seien, sagt Polizeisprecher Christian Wörner. „Dadurch ist das Entdeckungsrisiko für die Täter sehr hoch.“

Schulungsangebot wird selten angenommen

Die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle bietet für Ladenbesitzer und ihre Mitarbeiter Schulungen an, wie man sich bei Überfällen verhalten soll – jedoch nicht nur. „Wir wollen die Mitarbeiter auch generell für ungewöhnliche Situationen sensibilisieren“, sagt Widenhorn, beispielsweise, dass ihnen Personen auffallen, die sich öfter im Laden aufhalten, ohne dort etwas zu kaufen. „So könnten Überfälle sogar im Vorfeld verhindert werden“, sagt der Polizeisprecher. Andere, eher technisch ausgerichtete Schulungen seien vor allem für Ladeninhaber gedacht und hätten beispielsweise zum Inhalt, dass man sich eine Alarmanlage oder Videoüberwachung einrichten solle, oder dass man sich Sicherheitsbehälter wie einen Tresor anschafft, in dem man die Tageseinnahmen aufbewahren könne. Allerdings würden die beiden angebotenen Schulungen nur selten angenommen.

Die Angestellten der Tankstelle in Steinenbronn sind geschult worden, wie eine Mitarbeiterin erzählt. Ihr Kollege hat sich beim Überfall richtig verhalten, Zeugen lieferten eine ausführliche Beschreibung des Täters. Gefasst hat die Polizei ihn bislang jedoch nicht. Die Kriminalpolizei Böblingen nimmt unter der Telefonnummer 071 52/60 50 Zeugenaussagen entgegen.

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