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Das Cassiopeia-Motto lautet „mit Fleisch, Fisch und vegetarisch, vegan – für alle gibt es genügend Auswahl“. Gut so. Dennoch wäre weniger auf der Karte mehr.

Stuttgart - Zugegeben, das Cassiopeia liegt etwas versteckt, dafür aber traumhaft. Vom Inselbad in Stuttgart-Untertürkheim über die Brücke, dann links in den kleinen Weg einbiegen – und schon stößt man auf das Vereins­lokal der Stuttgarter Rudergesellschaft. Dorthin ist Gaby Hippéli, die nun von Tochter Désirée­ Hippéli und Andreas Semle unterstützt wird, vor einigen Monaten mit ihrem Lokal vom Frauenkopf aus umgezogen.

Wer die Terrasse betritt, freut sich sogleich auf die Freiluftsaison: Hier und an der zweiten am Necker gelegenen Terrasse lässt es sich bestimmt herrlich sitzen. Das Drinnen ist auch nicht ohne. Die Räumlichkeiten sind mit Liebe zum Detail renoviert, alte Nähmaschinen zu Tischen, Schulbänke zu Stühlen umfunktioniert, das Ganze mit hübschem Trödel dekoriert.

Das originell zusammengewürfelte Interieur erinnert an eine Studentenkneipe. Vielleicht werden wir deshalb geduzt, um das lockere Ambiente zu unterstreichen. Locker geht man auch mit der Zeit der Gäste um. Wir sind allerdings nicht ganz so entspannt, als nach fast 20 Minuten immer noch niemand mit einer Karte vorbei geschaut hat. Also ab an die Theke und selbst holen. Nach weiteren zehn Minuten geben wir bei der desinteressiert und desorientiert wirkenden Servicekraft die Bestellung auf. Noch mal gut zehn Minuten später werden die Getränke serviert. Immerhin: Die als vegetarische Variante bestellte Vorspeisenplatte (14 Euro) kommt hurtig hinterher.

Für die üppige Portion mit allerhand Schmackhaftem wie Ziegenfrischkäse im Glas, mariniertem Gemüse, Zucchini-Puffer und Obatztem sollte man gesegneten Appetit mitbringen – und sich überlegen, ob man danach wirklich noch zwei Hauptgerichte braucht. Ein Hinweis darauf wäre nett gewesen. So lassen wir lieber einiges übrig, was auf unsere Bitte – wir sind schließlich Schwaben! – anstandslos eingepackt wird.

Nach erneutem langem Warten folgen Forelle (16,50 Euro), die zu lang in der ­Pfanne war, sowie ein ebenfalls recht trocken geratener Nussbraten (14,20 Euro). Die Beilagen – krosse Rosmarinkartoffeln beim Fisch, würzig-rustikaler Kartoffelstampf beim veganen Braten – gehen in Ordnung. Die Preise ebenfalls, zumal alle Produkte, auch die Getränke, Bio-Qualität haben.

Das Cassiopeia-Motto lautet „mit Fleisch, Fisch und vegetarisch, vegan – für alle gibt es genügend Auswahl“. Gut so. Dennoch wäre weniger auf der Karte mehr. Beim Service ist – zumindest an diesem Abend – deutlich Luft nach oben. Wir sitzen gut 30 Minuten vor leeren Tellern, dann können wir endlich zahlen. Dass man sich zu unseren Gunsten deutlich verrechnet hat, wird korrigiert. Der Hinweis darauf allerdings mit Achselzucken statt mit einem Dankeschön quittiert.

Infos zum Bio-Restaurant Cassiopeia

Adresse: Bio-Restaurant Cassiopeia, Inselstraße 147, 70327 Stuttgart-Untertürkheim, Telefon 01 63 / 0 81 49 60, www.cassiopeia-live.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr Brunch, danach ab 15 Uhr à la carte, sonn- und feiertags ab 11.30 Uhr. Montag ist Ruhetag.

Extras: Freitags findet oft der Schwoof statt, samstags gibt es Brunch. Ebenfalls meist samstags und vor allem im Winterhalbjahr Konzerte und weitere Veranstaltungen.

Anfahrt: Mit den Straßenbahn-Linien U 4 und U 13 oder der S 1 bis Haltestelle Untertürkheim Bahnhof. Für Autofahrer: Parkmöglichkeiten beim Inselbad.

Küche                                                                                                                                                          

Für Fleischesser und Veganer geeignet

Atmosphäre                                                                                                                      

Entspannt, originell – wie in der Studentenkneipe

Service                                                                                                                                                          

Viel Luft nach oben

Preis-Leistungs-Verhältnis                                   

Angemessen, da Bio-Qualität

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