In der Corona-Krise haben die Stuttgarter deutlich mehr Abfall produziert. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Auch in Stuttgart hat das Müllaufkommen im April und Mai im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Am stärksten fällt die Steigerung auf den Wertstoffhöfen aus.

Stuttgart - Die Corona-Krise hat das Müllaufkommen in der Landeshauptstadt erhöht. Auf den Stuttgarter Wertstoffhöfen fällt diese Steigerung laut der Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS) am deutlichsten aus: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien hier im April 2020 je rund 30 Prozent zusätzliche Mengen an Sperrabfall, Altpapier, Schrott, Grüngut und Altholz angeliefert worden, so eine Sprecherin der Stadt. Auch die Zahl der erfolgten Anlieferungen in diesem Zeitraum sei demnach gestiegen – um rund 37 Prozent.

Mehr Müll in der Corona-Krise haben auch die Abfallverbrennungsanlagen in Stuttgart-Münster und Böblingen zu verzeichnen, die die Stadt Stuttgart beliefert. Wie die Sprecherin weiter angibt, sind dort im Mai 2020 rund 1000 Tonnen mehr Abfall angeliefert worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das entspricht einer Zunahme von rund fünf Prozent.

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Corona-Krise darf nicht zur Müll-Krise werden

Bedingt durch den Corona-Shutdown sind die Abfallmengen aus Privathaushalten deutschlandweit gestiegen. Vor allem beim Plastikmüll ist eine Zunahme zu verzeichnen: Nach Angaben des Recyclingunternehmens „Der Grüne Punkt“ sind seit März etwa zehn Prozent mehr Verpackungsabfälle in der Gelben Tonne gelandet. Auch wenn im Gewerbebereich weniger Müll angefallen sei, habe der Kunststoffmüll damit insgesamt zugenommen.

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Für den Bereich der Gastronomie fordert die Deutsche Umwelthilfe (DUH) deshalb deutlichere Vorgaben von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Sie solle eine verbindliche Quote für wiederverwendbares Geschirr festlegen. „Mehrwegbecher und -Essensboxen aufgrund hygienischer Bedenken während der Corona-Pandemie pauschal abzulehnen, ist nicht nachvollziehbar“, sagt Thomas Fischer, Leiter für Kreiswirtschaft bei der DUH. Die Corona-Krise dürfe nicht zur Müllkrise werden, heißt es von dem Verband.

Der Grüne Punkt verlangt zudem eine gezielte Förderung des Recycelns. „Der extrem niedrige Ölpreis und die Folgen der Corona-Pandemie gefährden massiv alle Erfolge und Bemühungen, Plastik zu recyceln und im Kreislauf zu führen“, sagt Geschäftsführer Michael Wiener.

Jahresbilanz bleibt abzuwarten

Ob mit weiteren Lockerungsmaßnahmen das Müllaufkommen wieder zurückgeht, bleibt abzuwarten. Eine Sprecherin des Verband kommunaler Unternehmen (VKU) sagte hierzu: „Sollte es weiterhin eine größere Nachfrage nach (Plastik-)Einmalprodukten geben, steigen damit auch die Müllmengen.“ Grundsätzlich würden in den Sommermonaten aber mehr Abfälle im öffentlichen Raum anfallen. Ein Anstieg in den kommenden Wochen wäre also nicht unbedingt auf die Corona-Krise zurückzuführen.

Auf das gesamte Jahr gesehen vermutet die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft einen mäßigen Anstieg des Müllaufkommens in Privathaushalten wegen der Corona-Krise – und dafür bis zu zehn Prozent weniger Abfälle im Gewerbebereich. „Die Gründe für diese Verlagerung liegen auf der Hand“, heißt es vom VKU. Viele Menschen seien zu Hause geblieben, Restaurants und Kantinen waren geschlossen.

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