Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Was der Anschlag von Berlin für die Weihnachtsmärkte in Stuttgart und die Region bedeutet – darüber wird am Dienstagmorgen im Innenministerium und unter den Polizeipräsidenten unter Hochdruck beraten.

Stuttgart - Muss noch nachjustiert werden? Hat das Sicherheitskonzept für den Stuttgarter Weihnachtsmarkt noch Verbesserungsmöglichkeiten? Oder gar Lücken? Polizeipräsident Franz Lutz eilt am Dienstagmorgen im Stuttgarter Polizeipräsidium auf dem Pragsattel von Stockwerk zu Stockwerk. 8.30 Uhr, dritter Stock, Besprechung mit dem Führungs- und Einsatzstab. Anweisungen, Aufträge. 8.45 Uhr, vierter Stock, Tagung mit den Polizeiführern im Nebenraum seines Dienstzimmers. Der Anschlag von Berlin – die Erschütterungen sind auch im Südwesten zu spüren.

„Ein Szenario wie in Berlin hat aber auch schon vorher in unseren Überlegungen eine Rolle gespielt“, sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach. Wegen Nizza. Beim Cannstatter Volksfest beispielsweise wurden deshalb zwei Zufahrten mit Betonpollern abgesperrt. Auch da hätte ein Lkw mit Vollgas auf den Cannstatter Wasen gelangen können. „Die Zufahrten auf den Weihnachtsmarkt in der Innenstadt sind aber anders“, so Keilbach.

Schwachstellen gibt es durchaus

Was er nicht sagt: Neuralgische Punkte gibt es durchaus. Etwa die Planie, die von der Dimension her für Linienbusse gedacht ist. Ein Lkw könnte hier mit Vollgas auf den Teil des Weihnachtsmarkts auf dem Schlossplatz zusteuern. Oder in den Zugang zum Schillerplatz abbiegen. Im Visier dürfte auch die Marktstraße stehen, die auf die eng stehenden Marktbuden auf dem Marktplatz vor dem Rathaus führt. Allerdings: Auch schon vorher hat die Polizei an den Zufahrten verstärkt Beamte postiert. Doch bald ist klar: Man muss etwas gegen die Verunsicherung tun. Es werden, so heißt es in einer Mitteilung, „Barrieren aufgestellt, um eine ungehinderte Zufahrt von Fahrzeugen zu stoppen“. Die Beamten zeigen nun auch sichtbar ihre Maschinenpistolen.

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Nach dem Anschlag in Berlin begann der Stuttgarter Weihnachtsmarkt zunächst wie geplant an diesem Dienstag – 10 Uhr. In der Stunde davor absolvierte der baden-württembergische Innenminister Thomas Strobl (CDU) eine Telefon-Konferenz mit seinen Innenministerkollegen im Bund. „Es geht darum, erst einmal alle Erkenntnisse der Berliner Sicherheitsbehörden zu bündeln“, sagt Ministeriumssprecher Carsten Dehner.

Innenminister will sich nicht vorschnell äußern

Um 12 Uhr äußerte sich Strobl bei der regulären Landespressekonferenz zur Lage. „Eine gesonderte Pressekonferenz wird es nicht geben“, sagt der Sprecher. Andere Innenminister sind da schneller: Klar sei, dass die Polizeipräsenz auf den Weihnachtsmärkten verstärkt werde, so NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Streifen sollen Maschinenpistolen und Schutzwesten tragen.

Was der Berliner Anschlag für den Stuttgarter Veranstalter in.Stuttgart bedeutet, ist am Morgen noch nicht umfassend klar. Man wolle sich mit der Polizei abstimmen und Aussagen des Innenministeriums zur Lage abwarten, sagt Sprecher Jörg Klopfer am Vormittag. „Nach derzeitigem Stand findet der Weihnachtsmarkt planmäßig statt mit allen getroffenen Sicherheitsvorkehrungen“, so Klopfer.

In Berlin war am Montagabend ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gerast. Dabei wurden mindestens zwölf Menschen getötet und weitere 49 verletzt. Die Ermittler vermuten einen Terroranschlag. Ein Mann, der wohl als Flüchtling eingereist ist, soll die Tat begangen haben.

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