Die Bürgerinitiative Zukunft Stuttgarter Wald möchte die Naherholung in den Vordergrund stellen und spricht sich unter anderem gegen Kahlschläge aus. Foto: imago stock&people

Die Verwaltung möchte ein Gremium gründen. Der Gemeinderat erhält bald einen Vorschlag.

Stuttgarter Norden - Seit etwa einem Jahr steht die Stadtverwaltung massiv in der Kritik, wenn es um das Fällen von Bäumen im Stuttgarter Wald geht. Bürger sprechen oftmals von massiven und rabiaten Kahlschlägen, von der Plünderung des Waldes – und das alles nur, um möglichst viel Holz zu verkaufen und so rund 600.000 Euro pro Jahr in die städtischen Kassen zu spülen.

Im März 2018 gingen vor allem viele Botnanger auf die Barrikaden, nachdem Holzeinschläge im Schwarzwildpark durchgeführt wurden. „Entlang der Botnanger Bezirksgrenze zwischen Gallenklinge und Sommerhalde bietet sich derzeit ein Bild der Verwüstung. Die Baum-Erntemaschine der Forstleute hat dort nicht nur viele – zum großen Teil sehr alte – Bäume gefällt, sondern auch viele Wege und Pfade unbegehbar gemacht. Tiefe Furchen durchziehen den Wald, die breite Spur der Erntemaschine hat alles, was auf den Wegrändern wuchs, platt gemacht. Die historisch gewachsenen Sandwege und -pfade wurden als Rückgassen benutzt und sind zerstört. Neue Rückschneisen wurden brutal in den Wald getrieben“, schrieb Jörg Noetzel unserer Zeitung damals.

Der Botnanger setzt sich seit diesen Erlebnissen vehement dafür ein, dass die Stadt ein neues Konzept für den künftigen Umgang mit ihrem Wald erstellt. Die Bürgerinitiative Zukunft Stuttgarter Wald wurde gegründet. Unterschriften wurden gesammelt. Das Ziel: Die alten Bäume und der Boden sollen geschont werden. Eine weitere Auslichtung des Waldes soll vermieden werden. „Wir wollen, dass die Priorität der Waldnutzung auf der Naherholung liegt“, betont Noetzel – wie es beim Lübecker Modell der Fall ist. Auf Großmaschinen beim Fällen der Bäume soll in der Regel verzichtet werden. Kahlschläge sollen der Vergangenheit angehören. Noetzel plädiert für die Gründung eines Waldbeirats mit politischer Wirkung, um die Ziele der Bürgerinitiative durchsetzen zu können.

Auch ein Waldökologe soll noch eingestellt werden

Dass es in naher Zukunft ein Gremium geben wird, das sich intensiv mit dem Wald befasst, ist beschlossene Sache. „Ich hoffe nur, dass es kein Runder Tisch wird und unsere Anliegen dann versanden“, sagt Noetzel. Die Stadtverwaltung hat diesbezüglich eine klare Planung und Strategie, wie der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, Volker Schirner, gegenüber unserer Zeitung betont: „Wenn alles nach Plan läuft, werden wir dem Gemeinderat Ende Januar einen Vorschlag unterbreiten.“ Dem Beschluss der Stadträte kann und möchte Schirner nicht vorweggreifen, aber das Gremium soll „stark mit Bürgern und Vertretern von Interessengruppen besetzt sein“. Schirner möchte, dass das Waldgremium so schnell wie möglich seine Arbeit aufnimmt. „Der Wald ist ein sehr sensibles Thema. Es hat nur Vorteile, wenn das Gremium sich rasch konstituiert.“ Die Mitglieder werden darüber diskutieren, „wie künftig mit den rund 2700 Hektar Stuttgarter Wald umgegangen werden soll“, sagt Schirner. „Das Gremium soll auch Beschlüsse fassen. Aber entscheiden wird letztendlich der Gemeinderat.“

Dass die Stadträte das Thema Wald ernst nehmen, zeigt, dass sie kurz vor Weihnachten noch eine neue Stelle geschaffen haben – für die sogenannte Wald-Kommunikation. „Die Ausschreibung soll noch im Januar erfolgen. Ich bin gespannt, wer sich bewerben wird“, sagt Schirner. Die Aufgabe des Wald-Kommunikators wird unter anderem sein, „die Bezirksbeiräte und Bürgervertreter pro aktiv über die aktuellen Waldthemen zu informieren“. Er geht davon aus, dass eine weitere Stelle im Rahmen der diesjährigen Haushaltsberatungen geschaffen wird. Ein Waldökologe soll eingestellt werden, um beim Erstellen der neuen Forstkonzeption zu helfen.

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