Rot- und Schwarzwildpark Botnanger fordern neue Waldstrategie

Von Torsten Ströbele 

Der Einsatz von großen Maschinen hat  seine Spuren hinterlassen. Dort, wo Wege waren, sollen aber laut Stadtverwaltung auch wieder Wege entstehen. Foto: privat
Der Einsatz von großen Maschinen hat seine Spuren hinterlassen. Dort, wo Wege waren, sollen aber laut Stadtverwaltung auch wieder Wege entstehen. Foto: privat

Die jüngsten Baumfällungen im Rot- und Schwarzwildpark waren Thema im Botnanger Bezirksbeirat. Der stellvertretende Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, Hagen Dilling, stellte sich der Kritik der Bürger.

Stuttgart-Botnang - So gut besucht war eine Bezirksbeiratssitzung in Botnang selten. Am Dienstag blieben im Saal des Bürgerhauses nur wenige Plätze frei. Der Grund: Der stellvertretende Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes, Hagen Dilling, war zu Gast, um über die aktuellen Baumfällungen im Rot- und Schwarzwildpark zu berichten, die im Bezirk seit Tagen für helle Aufregung sorgen.

So schreibt uns beispielsweise Andrea Krause, die jüngst vier Tage in Botnang zu Besuch war: „Ich bin noch immer fassungslos und entsetzt, was ich im Botnanger Wald gesehen habe.“ Sie kenne dieses Gebiet sehr gut und sei schockiert, was sie dort vorgefunden habe. „Als hätte dort ein Unwetter getobt oder Bombenexplosionen an mehreren Stellen ihre Spuren hinterlassen.“ Der Botnanger Jörg Noetzel spricht von einem Bild der Verwüstung – vor allem im Bereich Belau, Aspenwald und Sommerhalde. „Das Ausmaß des Einschlags ist zu massiv und überzogen.“ Die Baum- und Erntemaschinen der Forstleute hätten in diesem Bereich nicht nur viele, sondern zum großen Teil sehr alte Bäume gefällt. Auch viele Wege und Pfade seien unbegehbar gemacht worden. „Tiefe Furchen durchziehen den Wald, die breite Spur der Erntemaschine hat alles, was auf den Wegrändern wuchs, platt gemacht. Alle Leute, denen man dort begegnet, sind sich einig: Das geht zu weit!“

Jörg Noetzel und einige andere Botnanger haben auf die jüngsten Vorkommnisse reagiert und die Bürgerinitiative „Zukunft Stuttgarter Wald“ gegründet. Knapp 20 Mitglieder gehören zum Kernteam, die Tendenz sei steigend. Die Bürgerinitiative will am Ball bleiben. „Wir fordern eine Generaldebatte im Gemeinderat über die zukünftige Priorisierung der Waldnutzung“, betont Noetzel. Derzeit habe die wirtschaftliche Nutzung des Waldes mehr Gewicht als die Naherholung und der Umweltschutz. „Wir wollen in eine sachliche Diskussion eingebunden werden“, sagt Noetzel, der schon Kontakt mit Stadträten aufgenommen hat. Die Räte bestimmen die Zielsetzung innerhalb der rund 2700 Hektar Waldfläche in Stuttgart, die der Stadt gehört. Die anderen etwa 2000 Hektar sind Eigentum des Landes Baden-Württemberg. „Das wird aber ein riesiges Brett, das wir bohren müssen“, weiß Noetzel. Dem stellvertretenden Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamtes sowie der Stadtverwaltung macht er trotz der jüngsten Baumfällungen keinen Vorwurf. „Herr Dilling setzt nur die Pläne um.“

Knapp 900 Menschen unterstützen die Petition der Bürgerinitiative

Und die schauen derzeit wie folgt aus: Aktuell wird das Konzept umgesetzt, das für die Jahre 2013 bis 2022 entwickelt wurde. Aufgrund des Klimawandels soll beispielsweise der Anteil der Eichen im Wald nicht sinken. „Die Baumart wird mit der zunehmend wärmeren Situation besser zurecht kommen“, sagte Dilling. Natürlich spiele auch der Natur- und Umweltschutz eine Rolle genauso wie der Verkauf des Rohstoffs Holz. Rund 600 000 Euro nimmt die Stadt Stuttgart jährlich durch den Verkauf ein. „Auch, wenn die Wahrnehmung in der Bevölkerung eine andere ist: Wir haben auch im Rot- und Schwarzwildpark nicht mehr Bäume gefällt, als in den vergangenen beiden Zehn-Jahres-Zeiträumen“, sagte Dilling. Das würden die Zahlen klar belegen. Dass der Eindruck ein anderer ist, erklärte er wie folgt: „Bislang haben wir aus kleineren Flächen Holz entnommen. Das hatte den Nachteil, dass wir ein oder zwei Jahre später wieder in diesem Bereich aktiv waren, um auf der benachbarten Fläche zu arbeiten.“ Jetzt habe man größere Gebiete zusammengefasst, um die Wege zu schonen. „So werden die nur einmal beeinträchtigt und dann für einige Jahre nicht mehr.“ Natürlich liege dadurch jetzt aber im Moment mehr Holz am Wegesrand, als in den Vorjahren. Aber im Zehn-Jahres-Zeitraum halte sich das die Waage. Wenn das Holz in den nächsten Tagen und Wochen vom Käufer abtransportiert sei, „werden wir dort wieder Wege herstellen, wo vorher auch welche waren“. Einen genauen Termin für diese Maßnahmen gebe es aber noch nicht.

„Wenn man Ihnen so zuhört, klingt das alles plausibel“, sagte ein Botnanger im Rahmen der Bezirksbeiratssitzung am Dienstag dieser Woche. „Dennoch ist der Eindruck, der draußen im Wald entstanden ist, ein anderer.“ Und diesen Eindruck haben auch annähernd 900 weitere Menschen erhalten, die in den vergangenen 20 Tagen eine Petition im Internet unterstützt haben.

„Wir sind keine fanatisierten Baumumarmer. Wir wollen aber, dass die Landeshauptstadt künftig eine andere Waldstrategie verfolgt und die Naherholung in den Vordergrund stellt“, sagt Noetzel.

Die Bezirksbeiräte nahmen Kenntnis von Hagen Dillings Bericht und wünschten sich künftig vor allem mehr Transparenz im Vorfeld zu Baumfällarbeiten.

Redaktion Botnang

Ansprechpartner
Torsten Ströbele
botnang@stz.zgs.de

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