Drei Keiler, eine Bache und einige Frischlinge durften im Gehege bleiben. Foto: dpa

Das Wildschweingehege im Schwarzwildpark ist verwaist, das Gelände soll sich erholen. Erst im Herbst wird neu aufgesiedelt. Die 18 Keiler und Bachen, die bisher dort gelebt haben, durften allerdings nicht freigelassen werden, sondern fielen einem anderen Schicksal anheim.

Stuttgart - An Mais kommt keine Sau vorbei. Doch es hilft kein Körnerklappern, kein Locken: Der Saufang im Schwarzwildpark liegt verwaist, die Kinder müssen zu einer anderen Attraktion gelotst werden. „Zurzeit sind nur noch drei Keiler und eine Bache im Gehege“, bestätigt Volker Schirner, der Leiter des Garten-, Friedhof- und Forstamts. Jetzt, da die vier Schwarzkittel viel Platz haben auf den vier Hektar Fläche, können sie sich vor Neugierigen gut verstecken.

Verantwortlich für die Leere im Wildschweingehege an der Wildparkstraße sind Forstleute und Jäger. Das Gehege sei „stark überbelegt“ gewesen, erläutert Schirner. Er führt das darauf zurück, dass sich die Tiere wohlgefühlt und unter diesen Umständen eben auch gut vermehrt hatten – zum Leidwesen des Waldbodens, der Vegetation und der Borstenviecher selbst.

Gelände soll sich erholen

Die Erde ist dort, wo die Wildschweine mit einem Körpergewicht von durchschnittlich 150 Kilo ihre Hufe in den Boden bohrten, kahl und verdichtet, die Büsche und Bäume auf dem Areal schießen ins Kraut. „Wir haben schließlich entschieden, dass wir dem Waldboden und den Pflanzen eine Regenerationsphase gönnen sollten, weil das Gehege so heruntergewirtschaftet war“, sagt der Forstamtsleiter. Das entspreche keiner naturnahen Darstellung eines Wildschweinlebens. Mit Nachdruck sagt er: „Wir wollen dort keinen Zoo.“

Man muss nur Geduld haben, denn im Herbst, wenn sich das Gelände erholt hat, sollen neue Sauen aus anderen Gebieten angesiedelt werden. Derweil hören sich die Jäger und Förster bei den Kollegen im Land nach dem vierbeinigen Ersatz um. Denn die 18 Wildschweine, die laut Schirner „entnommen“ worden sind, werden nicht zurückkommen: „Sie wurden von unseren Jägern erlegt“, sagt Hagen Dilling, der stellvertretende Amtsleiter.

Das Wildbret ist bereits im Handel

Allein rechtlich hätte es kaum eine Alternative dazu gegeben, weil Gehegewild nicht freigelassen werden dürfe. Angesichts der hohen Wildschweinpopulation in Stuttgarts Wäldern wäre eine Freilassung nachgerade kontraproduktiv: „Wir bejagen die Tiere intensiv, um ihren Bestand in Grenzen zu halten“, sagt Dilling.

Also legten vier Forstbeamte und Jäger, alle von der Veterinärbehörde in Sachen Tierschutz unterwiesen, die Flinte an und schossen die Tiere. Das Wildbret wurde anschließend an den Wildhandel verkauft. Auch Metzger, die Gastronomie und Privatleute hätten durchaus Interesse an Wild, das in Stuttgarts Wäldern geschossen wird, bestätigt Hagen Dilling, allerdings bräuchte ein Privatkunde da schon „eine große Gefriertruhe, denn wir dürfen die Tiere aus dem Gehege nicht aufbereiten, das heißt: zerlegen“. Ein Tier am Stück mitnehmen? „Da müsste einer schon ein großes Gartenfest machen“, sagt der stellvertretende Amtsleiter. Ein ähnliches Gelage also wie in jenem weltbekannten gallischen Dorf.

Erstmals Frischlinge zu sehen

Der Erlös, auch der aus den offenen Waldflächen, die unter städtischer Regie bejagt werden, fließt dem Waldeigentümer zu, also der Stadt oder dem Land. Wer vom Wildbret gern eine Keule abhaben will, kann sich bei der Abteilung Forsten des Gartenbauamts auf eine Vormerkliste setzen lassen. „Aber ohne Garantie, dass es zu Weihnachten mit dem Wildschwein- oder Rehbraten klapp“, warnt Dilling.

Seit 1965 erinnert das Wildschweingehege an das Jagdgebiet der württembergischen Herzöge und Könige. Im Herbst, wenn sich das Gelände erholt hat, wird es wieder seinen ursprünglichen Zweck erfüllen. Bis dahin trösten die drei verbliebenen Keiler und die Bache über den Verlust hinweg. Außerdem gehört nun, laut Dilling zum ersten Mal, eine kleine Schar von Frischlingen zum Besatz. Die sind neugierig und kommen sicher nah an den Zaun.

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