Illegal abgeladener Müll an der Zahn-Nopper-Straße ist ein Ärgernis – nicht nur in Zuffenhausen. Foto: Torsten Ströbele

Von dem städtischen Zehn-Millionen-Euro-Programm „Sauberes Stuttgart“ profitieren auch die Bezirke. Dazu gehört eine verstärkte Reinigungsoffensive und mehr Kontrollen. Bei der Aufklärung setzt man bei den Jüngsten an

Stuttgarter Norden - Vor den Altglascontainern an der Zahn-Nopper-Straße türmt sich ein Müllberg aus Plastikabfall und Altpapier. Der lebhafte Wind hat die Blätter über den Gehweg verteilt und ein unansehnliches Chaos verursacht. Das stürmische Wetter verschleiert derzeit noch, was in ganz Stuttgart bereits tatkräftig angepackt wird. Die Straßen sollen und werden sauberer – auch in den Bezirken. Dafür rücken die Mitarbeiter des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs (AWS) seit diesem Februar häufiger aus. Im April beginnt man damit, das eigentliche Projekt „Sauberes Stuttgart“ umzusetzen. Dabei putzen die AWS-Mitarbeiter nicht nur häufiger. Auch soll verstärkt kontrolliert werden, und für achtlos auf die Straße geworfenen Müll fallen die Bußgelder künftig deutlich höher aus.

„Man ist dran“, sagt Zuffenhausens Bezirksvorsteher Gerhard Hanus und meint, dass bereits seit gut zwei Wochen zwei Teams der Straßenreinigung unterwegs sind, um Zuffenhausens Gehwege intensiver zu reinigen. Ob Unterländer Straße, der Parkplatz an der Gustav-Werner-Schule oder der Zahn-Nopper-Straße: Im Bezirk geht es dem Dreck an den Kragen. Und das ist längst nicht alles. Neue Mülleimer sind bestellt. „Die sollen Ende Mai geliefert werden“, sagt Hanus. Auch zusätzliche Hundetütenspender erinnern die Halter der Vierbeiner an ihre Pflicht.

Stadt investiert zehn Millionen Euro in das Programm

Insgesamt investiert die Stadt Stuttgart zehn Millionen Euro in das Programm „Sauberes Stuttgart“. Mit dem Konzept will die Stadtverwaltung nach eigenen Worten „den Kampf gegen die Vermüllung öffentlicher Plätze und Parks aufnehmen“. Das umfangreiche Konzept wurde bereits im vergangenen Sommer vorgestellt. Es sieht nicht nur vor, dass häufiger gereinigt wird. Neben einer breit angelegten Öffentlichkeitskampagne fließt ein großer Teil der bereitgestellten Gelder in 100 neue Mitarbeiter sowie in moderne Spezialreinigungsfahrzeuge.

Und davon profitieren nicht nur die Innenstadt, sondern eben auch die Bezirke. Denn der viele Müll ist eine gesamtstädtische Angelegenheit. Stammheims Bezirksvorsteherin Susanne Korge sieht darin gar ein gesellschaftliches Problem. „Es hat sich generell etwas verändert. Auch in Stammheim hat die Vermüllung stark zugenommen“, sagt sie. Es sei zwar traurig, dass nun ein extra Programm nötig wurde, gleichzeitig sei es aber wichtig. Als positiv hebt sie hervor, dass der Bezirk erstmals direkte Ansprechpartner beim AWS habe, die für Neuwirtshaus und Stammheim zuständig seien.

Projektstart ist Anfang April

„Mit dem eigentlichen Projekt startet der AWS Anfang April, wenn die Einsatzpläne neu erstellt sind“, teilt der städtische Eigenbetrieb auf Nachfrage hin mit. Mit den Grundreinigungen in Feuerbach und Zuffenhausen habe man bereits begonnen. Besonderes Augenmerk lege man auf den Feuerbacher Bahnhof, den Wilhelm-Geiger-Platz sowie die Stuttgarter Straße samt Nebenstraßen. In Planung befänden sich die Grundreinigungen von Botnang und Weilimdorf. „Sämtliche Wünsche der Bezirksämter zu Reinigungsschwerpunkten wurden geprüft und werden derzeit mit höherer Reinigungsfrequenz versehen in die Pläne eingearbeitet“, heißt es beim AWS. In den Bezirksrathäusern zeigt man sich erfreut darüber. Schließlich bekomme man in den Rathäusern den Unmut der Bürger über verschmutzte Straßen direkt zu spüren. Das grundlegende Problem, da sind sich alle Bezirksvorsteher einig, liege jedoch nicht bei der Stadt, sondern bei den Bürgern, die ihn verursachen. „Ich sehe den Ansatz in den Schulen. Die Kinder müssen das wohl an ihre Eltern tragen, wenn diese das nicht vorleben“, sagt Hanus.

Kombination aus Prävention und verstärkten Kontrollen

Bei der Stadt setzt man auf eine Kombination aus Prävention und verstärkten Kontrollen. Bei der Prävention stehe die Information und Sensibilisierung der Bürger im Zentrum. So wolle man etwa die Abfallberatungen in Kindergärten, Schulen und Vereinen fortsetzen. Bei den Strafen möchte man Müllsündern klarmachen, dass es sich nicht um Kavaliersdelikte handele. Bereits im Dezember hatte das Land einen verschärften Bußgeldkatalog veröffentlicht. Beispielsweise kann eine achtlos auf die Straße geworfene Zigarettenschachtel statt bisher 100, bis zu 250 Euro Strafe kosten. Gleiches gilt für nicht entfernte Hinterlassenschaften geliebter Vierbeiner. „In Stuttgart wird dieser Katalog ab April angewendet“, sagt Martin Thronberens, Pressesprecher bei der Stadt. Die Schwierigkeit, die Übeltäter auf frischer Tat zu ertappen, sei dabei klar. Deshalb werden die Müllsheriffs künftig auch in Zivil unterwegs sein.

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