Üblicherweise parken Autos auf den Feldwegen nahe des Flughafens. Aber nicht so am Wochenende. Foto: Thomas Kraemer

Mit Ferienbeginn werden die Wohngebiete rund um den Flughafen eigentlich von Urlaubern zugeparkt. Oder doch nicht? Zum Rekordwochenende war in Sachen Knöllchen nämlich rekordverdächtig wenig los.

Filder - Am Freitag war am Stuttgarter Flughafen einer der verkehrsstärksten Tage des Jahres mit über 400 angemeldeten Flügen. Erwartet wurde die Rekordzahl von rund 50 000 Passagieren. Da sollte man davon ausgehen, dass in den Orten in der Umgebung die Wohngebiete zugeparkt sind.

Freitagvormittag in Echterdingen. Michael Müller (Name von der Redaktion geändert) ist mit seinem Elektroauto im Osten von Echterdingen unterwegs. Er arbeitet schon seit einigen Jahren beim Gemeindevollzugsdienst, der unter anderem für den ruhenden Verkehr zuständig ist. Und Müller kennt die Stellen, wo Autos abgestellt werden, um sich dann mit Kind und Kegel, Sack und Pack auf den Weg in den Süden zu machen. Natürlich mit dem Flugzeug.

Auf dem Feldweg herrscht gähnende Leere

Der Vollzugsbeamte lenkt seinen Wagen auf die Feldwege westlich des Flughafens. „Vor allem während Messe-, aber auch zur Urlaubszeiten wird hier gerne einmal geparkt“, so seine Erfahrung. Doch wer kein Äckerle hat, darf diese Wege nicht befahren. Und parken schon gleich gar nicht, da man die Bauern mit ihren breiten Schleppern behindert. „Ein Grund, um abzuschleppen“, sagt Müller. Denn wenn erst einmal ein Auto hier abgestellt werde, kommen schnell weitere dazu. Doch an diesem Freitag ist hier nichts zu sehen, nicht einmal ein Traktor.

Also weiter zu einem Platz im Osten von Echterdingen, der einst den Kunden eines Polstermarkts zur Verfügung stand. Zwei Stunden darf man sein Auto hier abstellen. Das reicht, um mit Fiffi Gassi zu gehen. „Flughafenparker“ sind jetzt jedoch auch hier nicht zu sehen. Lediglich ein abgestellter Lastwagen bekommt sein Ticket, da er schon längere Zeit steht.

Vielleicht zeigt der Kontrolldruck seine Wirkung

„Ungewöhnlich“, so schätzt Müller die Situation ein und fährt in das Wohngebiet Gärtlesäcker. Eigentlich dank der Nähe zum S-Bahnhof ein Gebiet mit 100-prozentiger Ticket-Trefferquote. Wenn Müller darauf wetten würde, hätte er an diesem Vormittag verloren. Statt ordnungswidrig abgestellter Fahrzeuge gibt es freie Stellplätze, was auch für das Areal an der etwas entfernter liegenden Zaunäckerstraße gilt. „Habe ich noch nie erlebt“, sagt Müller, der bei dieser Kontrolle einen einzigen Strafzettel verteilt. Ein Van mit Stuttgarter Kennzeichen macht sich auf dem Parkplatz am Friedhof ohne Parkscheibe auf dem Behindertenparkplatz breit. Der Fahrer wird bei seiner Rückkehr einen Strafzettel über 35 Euro unter dem Wischerblatt hervorziehen.

„Gewöhnlich drängen in der Haupt-Urlaubszeit die Urlauber massiv in die Stadt und auch auf die Feldwege, um sich die Parkgebühr am Flughafen zu sparen“, sagt Gerd Maier. Dass jetzt zumindest bei Ferienbeginn nichts zu beanstanden war, ist für ihn ungewöhnlich. „Ich hoffe, dass der höhere Kontrolldruck durch mehr Mitarbeiter seine Wirkung zeigt“, sagt er, will aber in den nächsten Tagen weiterhin die neuralgischen Punkte im Auge behalten, wo es in der Vergangenheit immer wieder Beschwerden von Anwohnern gab.

In Plieningen waren verstärkt Kontrolleure unterwegs

Gerne hätten wir uns auch die Situation in Plieningen selbst einmal näher angeschaut, denn auch dort gab es in der Vergangenheit immer wieder Ärger mit Flughafenparkern. Doch das, was Pressestelle und Ordnungsamt in Leinfelder-Echterdingen möglich machten, war für die Stuttgarter nicht machbar.

Dort seien die Kollegen der Verkehrsüberwachung am Wochenende verstärkt im Einsatz, heißt es seitens der Pressestelle, auch auf den Fildern wären sie präsent. Im Amt äußert man Verständnis für die Anwohner, die sich über die Nutznießer ärgern. „Die kostenlosen Parkmöglichkeiten und die gute Anbindung an den Flughafen ziehen viele Urlauber an, die auf Kosten der Anwohner ihren Urlaub günstiger machen“, so die schriftliche Stellungnahme. Das große Problem sei, dass die meisten Fahrzeuge regelkonform in den Wohngebieten stehen und somit Anwohnern die ordentlichen Parkplätze wegnehmen. Parken am Straßenrand ist nicht strafbewehrt. „Falschparker gibt es weniger“, so der Pressesprecher. Klar werde auch im Kurvenbereich oder im Halteverbot geparkt, und das werde geahndet. „Feldwegparker werden im Wesentlichen jedoch bei Veranstaltungen auf der Messe festgestellt“, heißt es seitens der Pressestelle.

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