In der Filderhalle haben die Bürger mit Vertretern der Stadt über die neue Parkraumkonzeption diskutiert. Foto: Bergmann

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen und ihre Bewohner haben die Nase voll: Mallorca-Parker, die am Flughafen in den Flieger steigen, sollen ihre Autos künftig woanders abstellen. Deshalb soll sich herumsprechen, dass L.-E. ein teures Pflaster für sie wird.

Leinfelden-Echterdingen - Gerade rund um die S-Bahn-Stationen, aber nicht nur da, sind sie den Anwohnern ein großes Ärgernis. Autofahrer, die in den Wohngebieten ihr Auto abstellen, den Rollkoffer aus dem Kofferraum heben und sich dann auf den Weg zum Flughafen machen, um die Maschine in den Urlaub zu besteigen. Wahlweise gibt es dann noch die Pendler, die die kostenlosen Stellplätze an den Straßen nutzen. Oder die Messebesucher, die zu den großen Publikumsmessen den Ort fluten. Mit einem groß angelegten Parkraummanagement will die Stadt gegensteuern. Und dieses wird auch die Bewohner von Leinfelden-Echterdingen selbst treffen. Spätestens dann nämlich, wenn sie jedes Jahr 30 Euro zahlen müssen, um überhaupt in ihrer Nachbarschaft parken zu dürfen.

Die Grundzüge des Konzepts hat die Stadt nun der Öffentlichkeit in der Filder-halle vorgestellt. Und so viel sei schon mal verraten: Bei aller Zustimmung für die Grundidee an sich war der Gegenwind doch heftig. Dabei hatte die Verwaltung das, was da als Parkraumkonzeption an die Leinwand geworfen wurde, in Zusammenarbeit mit allen Fraktionen im Gemeinderat erstellt.

Fremdparker können derzeit kaum an den Haken genommen werden

Künftig jedenfalls, und das ist der Kern der Überlegungen, soll die komplette Stadt mit Ausnahme von Musberg und Stetten in eine Vielzahl von Parkzonen untergliedert werden. Wer dort wohnt, kann sich für 30 Euro im Jahr einen Ausweis besorgen, der es ihm gestattet, in genau diesem, aber keinem anderen Wohngebiet parken zu dürfen. Wer keinen Ausweis hat, darf dort ausweislich einer Parkscheibe maximal für vier Stunden sein Auto abstellen. In einigen Zonen können örtliche Mitarbeiter ihr Auto für zehn Stunden abstellen, dann ebenfalls mit einem speziellen Ausweis, der hinter die Windschutzscheibe geklemmt werden muss. Ein solcher Ausweis kostet deutlich mehr, nämlich 90 Euro.

„Das wird massive Folgen haben und wir müssen das behutsam umsetzen“, sagte der Ordnungsamtsleiter Gerd Maier. Er ließ aber keinen Zweifel daran, dass eine übergreifende Lösung nötig ist. Denn nur so könne man vehement gegen Fremdparker vorgehen. Derzeit etwa gilt zwar schon das Anwohnerparken mit Ausweisen, aber nur in einem mehrere Hundert Meter großen Radius um S-Bahn-Haltestellen.

Fremdparker bekommen dort vielleicht einen Strafzettel, aber dieser ist für die Parksünder oft günstiger als das Ticket für das Parkhaus am Flughafen. Und die Autos dürfen zudem nicht einfach abgeschleppt werden. Wenn die Stadt nun aber belegen kann, dass in der jeweiligen viel kleineren Zone kein Parkplatz mehr zu bekommen ist, dürfen die Autos an den Haken genommen werden. „Wir wollen beim Abschleppen aggressiver werden“, sagte der Sozialbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. „Nur so können wir in der Nähe des Flughafens unsere Interessen wahren.“ Letztlich soll sich auch im Internet herumsprechen, dass man in Leinfelden-Echterdingen nicht mehr ungestraft fremdparken darf und das richtig teuer werden kann.

Die Anwohner fordern vor allem mehr Kontrollen

Das Ziel wurde von den Bürgern natürlich gutgeheißen, hatte doch beinahe jeder eine Geschichte in die Filderhalle mitgebracht, die belegen sollte, wie verfahren es bei ihm oder ihr vor der Haustür zugeht. Doch der Weg dahin, also die flächendeckende Zoneneinteilung und die 30-Euro-Gebühr für die Anwohner, stieß sauer auf. „Durch die Einführung einer Gebühr ist noch kein einziges Auto weg“, meinte ein Besucher. „Da bezahlt man 30 Euro, und hinterher hat man trotzdem keine Parkplatz-Garantie“, sagte ein anderer. „Wenn mich meine Eltern besuchen und übernachten, müssen sie alle vier Stunden ihr Auto umstellen. Das ist nicht fair“, sagte ein weiterer Teilnehmer.

Statt Geld von den Bürgern zu nehmen, sollte es lieber in mehr Personal investiert und Leute zum Strafzettelverteilen losgeschickt werden. „Es scheitert daran, dass nicht kontrolliert wird“, meinte eine Frau. Ein Punkt übrigens, der wohl bei jeder zweiten Wortmeldung angesprochen wurde und den Anwohner offensichtlich besonders auf den Nägeln brannte. Da half es auch wenig, dass die städtischen Vertreter gebetsmühlenartig darauf hinwiesen, dass dieser Tage drei neue Kontrolleure ihren Dienst aufnehmen.

Beschlossen ist das Parkraumkonzept noch nicht. Nach der Aussprache in der Filderhalle könnte es aber schon bald vom Gemeinderat verabschiedet werden.

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