Der Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann bat die Journalistin zu gehen. Foto: Lichtgut/Michael Latz (Archiv)

Die Parteispitze der Stuttgarter CDU weist eine Journalistin aus einer Veranstaltung für Mitglieder, weil sie Stimmen zum Asylstreit sammeln will. Im Nachgang entschuldigt sich der Kreisvorsitzende Stefan Kaufmann. Es bleibt die Frage, wie nervös ist man beim Thema Asylpolitik bei der CDU?

Stuttgart - Im CDU-Kreisverband Stuttgart ist man nervös. Es scheint, als sei der heftige Asylstreit im fernen Berlin auch hier angekommen. Das ist am Dienstagabend schon am Eingang zur Geschäftsstelle des CDU-Kreisverbandes in der Heilbronner Straße zu spüren: freundliches Händeschütteln mit Fraktionschef Alexander Kotz, dann gefriert sein Lächeln. Vorab mit Mitgliedern über den Asylstreit in der CDU sprechen? Ungern. Das beschäftige zwar die Basis, sei aber für Stuttgart nicht relevant. „Die Flüchtlingsthematik funktioniert hier“, argumentiert Kotz.

Rund 50 CDU-Mitglieder wollen an diesem Abend unter der Überschrift „Vision 2030“ über die Zukunft Stuttgarts diskutieren. Auch der CDU-Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann hat sich angekündigt. Mit seiner Ankunft erlischt jedoch die Hoffnung, wenigstens als stiller Beobachter dabei sei zu können. „Wir haben uns über ihr Interesse an ,Vision 2030‘ gefreut. Wenn Sie aber nur über den Asylstreit schreiben wollen, bitte ich Sie zu gehen“, begrüßt Kaufmann die Journalistin. Alle Erklärungsversuche laufen ins Leere. Der Abgeordnete verweigert jeden Kommentar zum Flüchtlingsstreit. Die Recherche endet, bevor sie begonnen hat.

Mehrheit der Mitglieder auf Seehofers Seite

Dabei wollte unsere Zeitung der Frage nachgehen: Was denkt die Stuttgarter Parteibasis über den Asylstreit in Berlin? Beim freundlichen Telefonat mit CDU-Kreisgeschäftsführer Bastian Atzger einigte man sich im Vorfeld darauf, einfach mal vorbeizukommen. Vorab mit Kaufmann, Kotz und Mitgliedern über das Asylthema sprechen? Kein Problem, sagt Atzger noch am Telefon. Dann vor Ort vermittelt er sogar Gesprächspartner. „Die Diskussion wird emotional geführt“, erzählt ein CDU-Mitglied offen. Die Mehrheit der Mitglieder sei auf der Seite von Horst Seehofer, obwohl er selbst eine europäische Lösung für besser halte. Dann schließen sich die Türen.

Am nächsten Tag zeigt sich auch Atzger verwundert über die Zurückweisung und äußert sein Bedauern. In Kaufmanns Büro macht sich auf Anfrage Bedauern breit. Dann folgt der Anruf. Kaufmann entschuldigt sich für „das Missverständnis“ – und lädt zum nächsten CDU-Treffen nach Möhringen ein. Zum Asylstreit äußert er sich nachträglich auch: „Ich hoffe, dass das von der Bundeskanzlerin initiierte Treffen der am stärksten von der Flüchtlingskrise betroffenen EU-Staaten am Sonntag eine Lösung bringt.“

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