Diese Fake-Meldung zu einem Horror-Clown in Stuttgart wurde über Facebook verbreitet. Foto: Screenshot/24aktuelles.com

Anlässlich der Meldungen zu Grusel-Clowns machen sich viele Bürger Sorgen. Die Stuttgarter Polizei fürchtet eher eine Hysterie in der Bevölkerung.

Stuttgart - Auch wenn man selbst noch keinem begegnet ist, im Netz findet man sie immer häufiger: die Grusel-Clowns sind unter anderem bei Facebook ein großes Thema. Zuletzt verprügelten zwei Männer in Clownsmasken in Ulm einen 21-Jährigen.

Gleichzeitig geistern immer wieder Postings zu solchen Clowns durchs Netz, die man nicht für bare Münze nehmen sollte. „Zwei 19-Jährige aus Waldenbuch prügeln Horror Clown nieder“, lautete etwa die Überschrift eines Artikel-Posts vom Montag, der vielen auf Facebook begegnet sein dürfte. Auf der Seite 24aktuelles.com, die den text veröffentlichte, wird behauptet, die Meldung sei rund 32.000-mal geteilt worden. Das Problem an der Geschichte: 24aktuelles.com versteht sich als Spaß-Seite, die Meldungen dort sind Fake-News. Aber nicht jeder User versteht das so. „24aktuelles.com ist eine Internetseite, die zur Unterhaltung dient, die falschen News werden von unseren Usern verfasst“, heißt es auf der Seite. Alle Nachrichten dort seien frei erfunden und fiktiv, es sei „alles nur Spaß“.

Quellen sind oft dubios

Doch oft lesen User bei solchen „Meldungen“ – gerade auf Facebook – nur noch die Überschrift, schnell können sich so Gerüchte verbreiten, manche bekommen Angst. „Ein Bürger meldete sich bei uns und fragte, ob er an Halloween überhaupt noch raus gehen solle“, sagt Jens Lauer von der Stuttgarter Polizei. Doch die Beamten raten, sich nicht verrückt machen zu lassen. In der Landeshauptstadt gab es bisher lediglich einen Vorfall, bei dem ein Bürger in Stuttgart-Möhringen einen Clown gesehen haben wollte. Allerdings wurde der Fall erst am nächsten Tag gemeldet, die Polizei konnte nichts mehr tun.

Immer wieder meldeten sich Bürger auch über Facebook bei der Polizei, so Lauer. Was über das soziale Netzwerk kolportiert wird, das nehmen die Beamten verstärkt in den Fokus. „Wir haben da schon ein Auge drauf“, sagt Lauer. Im schlimmsten Fall müssen die Beamten Falschmeldungen korrigieren, um einer Hysterie in der Bevölkerung vorzubeugen. Im Juli etwa verbreitete sich im Netz das Gerücht, ein Spezialeinsatzkommando sei wegen eines Mannes mit einem verdächtigen Rucksack im Stuttgarter Norden ausgerückt. Damals sah sich die Polizei gezwungen, entgegen ihrer ursprünglichen Planung, via Facebook an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie mussten die Gerüchte über einen terroristischen Hintergrund entkräften und die Bevölkerung wieder beruhigen. Der Appell der Polizei lautete damals: „Verdächtige Wahrnehmungen bitte an die Polizei melden, aber nicht über die sozialen Medien Warnmeldungen in die Welt schicken, die nur Hysterie verbreiten.“

User sollten genau prüfen

Die beispielhafte „Meldung“ von 24aktuelles.com über den Horror-Clown, der in Stuttgart verprügelt worden sein soll, zielte zwar auf der einen Seite offenbar darauf ab, das Phänomen der Grusel-Clowns ins Lächerliche zu ziehen – schließlich wurde behauptet, ein Milch-Shake habe dem Clown die Nase gebrochen. Auf der anderen Seite könnten auch solche Meldungen unterschwellig die Angst vor diesen Clowns schüren – wenn sie nicht richtig eingeordnet werden. Für den Leser gilt daher verstärkt: Quellen checken. Ist die Information glaubwürdig? Woher kommt sie? Gibt es von der Polizei eine entsprechende Meldung? Experten empfehlen: User sollten sich weg vom passiven Konsumenten und hin zum mündigen Bürger entwickeln und die Informationen kritisch prüfen, die ihm unter anderem in den sozialen Netzwerken geboten werden.

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