Mit dem Teleskop konnte man Anwohnern in ihre Fenster schauen. Foto: Caroline Holowiecki

Das Teleskop vom Johann-Heinrich-Strauß-Platz in Stuttgart-Sillenbuch sollte umgebaut werden, damit man nicht mehr in die Häuser ringsrum spicken kann. Seither ist es verschwunden – auf Nimmerwiedersehen.

Sillenbuch - Was für ein Prunkstück! Der Johann-Heinrich-Strauß-Platz hat sich zu einem der hübschesten Orte in ganz Sillenbuch gemausert. Der Streifen zwischen Oberwiesen- und Eduard-Steinle-Straße ist mit neuen Wegen, Bodenplatten, Bänken und Mäuerchen versehen worden, wuchernde Pflanzen sind Weinreben gewichen – ganz so, wie es dem Namensgeber, der um 1900 herum sowohl Schultheiß in Sillenbuch als auch Wengerter gewesen war, gefallen hätte. Azubis aus dem städtischen Garten-, Friedhofs- und Forstamt hatten 2018 monatelang Arbeit investiert.

Doch am Sahnehäubchen des Projekts konnten sich die Sillenbucher nur kurz erfreuen. Das blaue Fernrohr, mit dem man ohne Geldeinwurf bis zur Grabkapelle und den Steillagen von Rotenberg und Uhlbach schauen konnte, ist nach kurzer Zeit eilig wieder abgebaut worden. Anwohner im dicht besiedelten Wohngebiet hatten sich beschwert, weil jedermann in ihre Fenster schauen konnte. Das Teleskop war nämlich dummerweise nicht in die Ferne arretiert worden. „Die Kritik der Anwohner nehmen wir ernst“, teilte Martin Thronberens, ein Sprecher der Stadtverwaltung, seinerzeit auf Anfrage mit. Etwa anderthalb Wochen vor dem Abbau habe man daher das Guckloch schon so eingestellt gehabt, dass das Bild unscharf gewesen sei. „Für nächste Woche rechnen wir mit den Bauteilen, die das Fernrohr fixieren“, hieß es. Das war im November.

Kostenpunkt: 2500 Euro

Nun wird nach langer Funkstille bekannt: Die kleine Sillenbucher Attraktion kommt nicht wieder. In Abstimmung mit dem Bezirksamt werde das Fernrohr nicht mehr am Johann-Heinrich-Strauß-Platz montiert, teilt Annette Hasselwander für das Garten-, Friedhofs- und Forstamt mit. Der Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck bestätigt das. Nach der „Abwägung Ärger gegen Profit“ habe man sich dagegen entschieden. Auf dem Müll landen soll es aber nicht, stattdessen will man einen anderen schönen Aussichtsplatz für das gute Stück finden, betont Annette Hasselwander. Denn immerhin: Obwohl die Stadt das Fernrohr von einem Spielgerätehersteller zum halben Preis erhalten habe, habe des einschließlich der Nachrüstung noch rund 2500 Euro gekostet.

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