Stuttgart-Sillenbuch Mit dem Fernrohr bis in die Schlafzimmer schauen

Von Caroline Holowiecki 

Am frisch gestalteten Johann-Heinrich-Strauß-Platz stand bis vor ein paar Tagen das Fernrohr. Nun ist es weg. Foto: Caroline Holowiecki
Am frisch gestalteten Johann-Heinrich-Strauß-Platz stand bis vor ein paar Tagen das Fernrohr. Nun ist es weg. Foto: Caroline Holowiecki

Weil sich Anwohner in Stuttgart-Sillenbuch beobachtet gefühlt haben, wurde das neue Teleskop erst einmal wieder abgebaut. Eigentlich sollte das Teleskop das Herzstück des neuen Johann-Heinrich-Strauß-Platzes sein. Nun soll nachgebessert werden.

Sillenbuch - Hübsch ist er geworden, der Johann-Heinrich-Strauß-Platz in Sillenbuch. Der Sandkasten, der zuletzt mehr ein Katzenklo gewesen war als ein Ort zum Spielen, ist weg, auch das Gestrüpp. Azubis aus dem städtischen Gartenamt haben das Stückchen, das die Oberwiesen- und die Eduard-Steinle-Straße einrahmen, etwa ein Jahr lang nach und nach umgestaltet. Neue Wege, neue Bodenplatten, neue Bänke und Mäuerchen lassen den von stattlichen Bäumen beschatteten Grünstreifen einladend erscheinen. Wuchernde Pflanzen sind im Sommer durch Weinreben ersetzt worden – ganz so, wie es dem Namensgeber, der um 1900 herum sowohl Schultheiß in Sillenbuch als auch Wengerter gewesen war, gefallen hätte.

Eigentlich sollte man zur Grabkapelle schauen

Trotzdem gibt’s Ärger um den Johann-Heinrich-Strauß-Platz. Denn das eigentliche Kernstück der grünen Insel ist nach kurzer Zeit in der vergangenen Woche wieder entfernt worden: das blaue Fernrohr, von dem man ohne Geldeinwurf bis zur Grabkapelle und zu den Steillagen von Rotenberg und Uhlbach schauen konnte. Anwohner im dicht besiedelten Wohngebiet hatten sich beschwert, weil sie neugierige Blicke durch ihre Fenster fürchteten. Das Teleskop war nämlich dummerweise nicht in die Ferne arretiert, sondern mit einem Mechanismus zum Fokussieren und zum Drehen versehen worden. „Das war so, man konnte in die Häuser gucken. Meine Nachbarin hat sich nicht mehr getraut, in ihrem Zimmer irgendwas zu machen“, bestätigt Elisabeth Gekeler, die dort wohnt.

„Die Kritik der Anwohner nehmen wir ernst“, teilt Martin Thronberens, ein Sprecher der Stadtverwaltung, auf Anfrage mit. Etwa anderthalb Wochen vor dem Abbau habe man daher das Guckloch schon so eingestellt gehabt, dass das Bild unscharf gewesen sei. Nun soll nachgebessert werden. „Für diese Woche rechnen wir mit den Bauteilen, die das Fernrohr fixieren“, sagt er. Ein Schwenken auf die umliegenden Gebäude und in die Wohnzimmer der Nachbarn soll dann nicht mehr möglich sein.

Redaktion Sillenbuch

Ansprechpartnerinnen
Judith A. Sägesser und Julia Bosch
sillenbuch@stz.zgs.de

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