Azubis der Stadtverwaltung gestalten den Platz um. Foto: Caroline Holowiecki

Aktuell wird der Johann-Heinrich-Strauß-Platz in Stuttgart-Sillenbuch umgestaltet. Azubis aus dem städtischen Gartenamt legen eine Aussichtskanzel samt Fernrohr an. Dass dort auch Trauben wachsen sollen, hat einen besonderen Grund.

Sillenbuch - Ein Sandkasten, in dem sich mehr Katzen als Kinder tummelten, verwilderte Büsche, ein maroder Bodenbelag und eine Bank, die nach einem Brandschaden abgebaut werden musste. Nein, der Johann-Heinrich-Strauß-Platz in Sillenbuch hat schon lang kein gutes Bild mehr abgegeben. Seit Kurzem aber tut sich etwas auf dem schmalen Grünstreifen zwischen der Eduard-Steinle- und der Oberwiesenstraße.

Es sollen keine Bäume gefällt werden

Ein Teil der Fläche ist eingezäunt, ein Bagger und anderes schweres Gerät stehen parat. Azubis aus dem Garten-, Friedhofs- und Forstamt haben hier ihre Lehrbaustelle eingerichtet. Sie gestalten den Platz komplett um – als den letzten verbliebenen im Stadtbezirk. In der Vergangenheit hatte das Team der Stadtverwaltung bereits den Anna-Haag-Platz, den Aussichtsplatz an der Kernenblickstraße oder auch den Liselotte-und-Manfred-Rommel-Platz aufgehübscht.

Die Verwaltungsmitarbeiter Anja Neupert und Gerald Aichele stellten die aktuellen Planungen in der jüngsten Bezirksbeiratssitzung vor. Kernstück der grünen Insel soll eine neue Aussichtskanzel samt Fernrohr sein, durch das man dann – ohne Geldeinwurf – Richtung Neckartal auf die Grabkapelle schauen kann. Eine Sandsteinmauer soll erhalten werden, ihr Rot soll in neuen Bodenplatten aufgegriffen werden. Eine neue zusätzliche Mauer soll auf dem abschüssigen Gelände Bürgern mehr Halt geben. Bäume werden nicht fallen, versprach Anja Neupert. Stattdessen sollen neue Pflanzen dazukommen.

Die Bezirksbeiräte sehen einen Makel

Wie Gerald Aichele erläuterte, war der Namensgeber des Platzes um 1900 herum Gemeindevorsteher in Sillenbuch. In seine Zeit fällt der Bau eines neuen Rathauses samt Kelter. Johann Heinrich Strauß war hauptberuflich Winzer. „Unter Strauß haben sich die Weinbauflächen in Sillenbuch versechsfacht“, sagt Gerald Aichele. Um diesen Verdienst zu würdigen, wird unterhalb des Aussichtsplatzes ein kleiner Wengert angelegt – als Erinnerung an die vergangene Weinbautradition.

Den Bezirksbeiräten gefielen die Planungen – bis auf einen Makel. Rund um den Johann-Heinrich-Strauß-Platz sind sowohl Altglas- als auch Kleidercontainer aufgestellt. Philipp Kordowich (CDU) und Knut Krüger (FDP) monierten, dass vorgesehene Fußwege genau zu den Boxen führen. Und ohnehin schienen einige Räte, der Bezirksvorsteher Peter-Alexander Schreck eingeschlossen, darauf zu spekulieren, die unliebsamen Container an der Stelle im Zuge der Neugestaltung ganz loszuwerden.

Es sollen weitere Plätze erneuert werden

Die städtische Mitarbeiterin Anja Neupert zeigte sich offen, ebenso für weitere Anregungen. So wünschte sich der Grünen-Bezirksbeirat Jürgen Frick extra viele Blumen für Insekten, Manfred Riesle von SÖS/Linke-plus hoffte, dass „die schönste Krokuswiese in Sillenbuch“ auch nach den Arbeiten blühen werde, und Walter Haag (Freie Wähler) empfahl, eine Infotafel über Johann Heinrich Strauß aufzustellen – damit die Bürger wissen, wem sie die Sillenbucher Trauben zu verdanken haben.

Auch wenn der Johann-Heinrich-Strauß-Platz fertig ist, will man im Garten-, Friedhofs- und Forstamt nicht die Hände in den Schoß legen. Anja Neupert hat schon viele neue Ideen für den Bezirk. So benötigt ihrer Meinung nach der Platz vor der Heumadener Feuerwache dringend eine Frischekur, und auch die Schilder auf dem Anna-Haag-Platz seien verblasst und müssten alsbald erneuert werden.

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