Adolf Martin Steiners Sonderausstellung vor drei Jahren über das Landarzt-Dasein im Ort hat viele Besucher angelockt. Foto: dpa, Archiv Sägesser

Die noch recht junge Ausstellung zur Ortshistorie der beiden Stadtbezirke fährt miserable Besucherzahlen ein. Der Grund dafür gilt als erkannt, als nächstes muss eine Lösung her.

Plieningen/Birkach - Tolle Besucherzahlen waren das vor drei Jahren. 1315 Leute sind da ins Heimatmuseum in der Zehntscheuer in Plieningen gekommen, um sich die neu gestaltete Ausstellung zur Ortshistorie anzuschauen. 2017 waren es noch 822, und nun im zurückliegenden Jahr der Absturz: Gerade einmal 132 Besucher sind in die Statistik eingegangen.

Magdalene Straile scheint das überhaupt nicht zu überraschen. Die Plieningerin gehört zu einer Gruppe von Bürgern, die sich auf unterschiedliche Weise fürs Heimatmuseum einsetzen. Die vor ein paar Jahren für 70 000 Euro herausgeputzte Dauerausstellung sei nun einfach nicht mehr neu, „die Birkacher und Plieninger haben sie gesehen“, sagt sie. Ärgerlich sei, dass die Ausstellung teils unvollständig sei, weil irgendjemand Ausstellungsstücke eingesteckt habe. „Das mit dem Museum ist schon ein bisschen ein Drama“, sagt die Plieningerin. Bereits vor einem Jahr war Straile an die Öffentlichkeit gegangen, weil sie den Verdacht nicht los wurde, dass sich beim Kulturamt Stuttgart keiner um Plieningen schert. Nach der feierlichen Wiedereröffnung im Jahr 2015 fühlte sich offenbar bereits 2018 keiner mehr zuständig. So war jedenfalls der Eindruck der Bürger.

Fühlt sich jetzt keiner mehr zuständig?

Beim Kulturamt hat es jüngst einen Wechsel gegeben. Seit Januar kümmert sich Achim Laur um die Heimatmuseen in Plieningen und Möhringen. Es sei ihm etwas peinlich, aber die Statistik über die Besucherzahlen für Plieningen sei vermutlich falsch. Denn der Aufsichtsdienst habe teilweise versäumt, die Besucher zu erfassen. Ungeachtet dieses Fehlers geht Laur aber trotzdem nicht davon aus, dass im vergangenen Jahr die Massen in die Zehntscheuer geströmt sind. Dem Museum fehle es an einem neuen Zugpferd. „Wir haben ein strukturelles Problem in Plieningen“, sagt Achim Laur.

Stuttgart-Möhringen sei thematisch breiter aufgestellt

Zugpferde von Museen seien Sonderausstellungen. Und dafür brauche man entsprechende Räume. Das Heimatmuseum in Möhringen zum Beispiel lockt laut Laur mit attraktiven Sonderausstellungen jeweils 400 bis 500 Besucher an. „Möhringen ist thematisch breiter aufgestellt als Plieningen.“ Wobei auch hier die Zahlen von 2017 bis 2018 nach unten gingen. Im vergangenen Jahr wurden 353 Menschen gezählt, im Jahr zuvor waren es noch 530. Dass sich Sonderausstellungen bei den Besucherzahlen bemerkbar machen, zeigt auch das Landwirtschaftsmuseum Hohenheim. Dort sind die Werte extrem nach oben geschnellt: 2017 waren es 13 488 Besucher, 2018 schon 35 882. Der Leiter, Jürgen Weisser, erklärt sich dies mit der Ausstellung zum historischen Wasen und der Ackergerätefabrik Hohenheim, allein diese brachte 22 400 Besucher.

Doch zurück zum Heimatmuseum nach Plieningen: Der neue Kümmerer, Achim Laur, ist mit dem Nebenraum für die Sonderausstellungen nicht glücklich. „Der ist ein Witz“, sagt er. Er hat stattdessen ein Auge auf einen kleinen Besprechungsraum gleich nebenan geworfen, der wäre ideal, findet er. „Aber ich habe da keinen Konsens“, räumt er ein. Das kann Andrea Lindel, die Bezirksvorsteherin von Birkach und Plieningen, bestätigen. Sie habe Laur bereits mitgeteilt, dass Vereine und Gruppen den Raum bräuchten und dies deshalb nicht funktionieren würde.

Sie hat keine schlaflosen Nächte wegen der Statistik

Lindel begrüßt es einerseits, dass sich nun beim städtischen Kulturamt wieder jemand zuständig fühlt. Andererseits stellt sie sich sofort die Frage, wer all die Sonderausstellungen stemmen soll. „Wir haben nur eine ehrenamtliche Gruppe“, sagt sie. „Plieningen ist ein kleiner Ort. Man muss die Kirche mal im Dorf lassen.“ Daher hat sie auch keine schlaflosen Nächte wegen der Statistik.

Achim Laur meint, die Ehrenamtlichen und er selbst könnten sich die Aufgaben rund um Sonderausstellungen teilen. Er will viermal im Jahr zum Jour fixe einladen, bei dem Ideen gesammelt werden. Mit am Tisch sitzt dann vermutlich auch Ulrich Fellmeth. Noch arbeitet er im Archiv der Universität Hohenheim, doch wenn er demnächst in den Ruhestand geht, will er sich mehr einbringen beim Heimatmuseum. „Das Heimatmuseum könnte etwas mehr Professionalität gebrauchen“, sagt er. Fellmeth setzt darauf, dass Achim Laur diese einbringt, bleibt aber vorsichtig optimistisch, denn: 2020 ist Hegel-Jahr. Da habe der neue Kümmerer sicher etliche drängendere Aufgaben. Und Plieningen müsste wieder hinten anstehen.

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