Die vier Angeklagten wollen vorerst zu den Vorwürfen keine Aussagen machen. Foto: dpa

Ein Ehepaar und zwei mutmaßliche Mittäter sollen versucht haben, einem Mann 150 000 Euro abzupressen. Jetzt stehen die drei Männer und die Frau vor Gericht.

Stuttgart - Der Fall, der seit Donnerstag vor der 8. Strafkammer des Landgerichts verhandelt wird, mutet wie eine Räuberpistole an. Einem Ehepaar und zwei mutmaßlichen Mittätern wird erpresserischer Menschenraub und schwere räuberische Erpressung vorgeworfen. Alle vier Angeklagten befinden sich auf freiem Fuß. Das mutmaßliche Opfer dagegen sitzt in Untersuchungshaft.

So ganz schlau wird man nicht aus dem, was dem Fall zugrunde liegen soll. Es heißt, die angeklagte Frau habe gegen einen Geschäftspartner eine Forderung von 150 000 Euro gehabt. Das sagt sie jedenfalls. Der 39-Jährige schulde ihr das Geld, es geht um die Vermittlung von Baumaterialien aus Frankreich.

Was die Frau mit Baumaterialien zu tun hat, ist unklar. Sie gibt an, sie pflege ihre kranke Tochter und eine betagte Nachbarin. Von Baugeschäften sagt sie nichts. Auch ihr Ehemann, der seit 2006 krankheitsbedingt nicht mehr arbeitet, ist nicht im Baugeschäft tätig. Zuletzt hatte der 61-Jährige in einer Reinigungsfirma gearbeitet.

Schusswaffe an den Kopf gesetzt?

Jedenfalls soll das Paar zusammen mit zwei 29 und 32 Jahre alten Helfern den Geschäftspartner am 31. August 2017 gezwungen haben, in ein Auto zu steigen. Dann sei man zur Wohnung des Paares im Stuttgarter Osten gefahren. Dort soll einer der Helfer dem Mann eine Schreckschusswaffe an den Kopf gehalten haben, um ihn dazu zu bewegen, einen Schuldschein über 36 000 Euro zu unterzeichnen – als erste Rate sozusagen.

Dann habe man ihm 3000 Euro und sein Handy abgenommen. Den Restbetrag sollte der 39-Jährige am 7. September 2017 übergeben. Man habe ihm gesagt: „Mache bloß keine Fehler“, trägt der Staatsanwalt vor.

Ein Kripobeamter sagt aus, der 39-Jährige habe am 4. September 2017 Anzeige erstattet – also erst knapp eine Woche nach dem Vorfall. „Das hat mich schon ein wenig stutzig gemacht“, so der Zeuge. Der Anzeigenerstatter bekam einen polizeilichen Betreuer zugeteilt, der Tag und Nacht für ihn erreichbar war. Zudem wurden die Handys der Akteure in dem Fall abgehört. Am 7. September kam es schließlich zum Showdown: Eine Spezialeinheit hatte in Stuttgart-Wangen Stellung bezogen, um bei der Geldübergabe zuschlagen zu können.

Tatsächlich tauchten die jungen Männer an dem Treffpunkt bei einer Fast-Food-Kette auf. Sie wurden umgehend festgenommen. Zu einem Kontakt mit dem 39-Jährigen, der naheliegenderweise kein Geld zu übergeben hatte, kam es nicht. Etwas später nahm die Polizei das Ehepaar fest.

Angeklagte frei, Opfer im Gefängnis

Alle Angeklagten wurden nach wenigen Wochen Untersuchungshaft wieder auf freien Fuß gesetzt. Warum der Fall so lange bei der Staatsanwaltschaft lag, ehe es zum Prozess kam, ist unklar.

Zu Beginn der Hauptverhandlung lassen die Angeklagten wissen, sie würden zu den Vorwürfen vorerst nichts sagen. Zu erfahren ist nur, dass die Geldforderung sehr wohl bestanden habe, von einem erpresserischen Menschenraub aber keine Rede sein können. Auch sei mitnichten eine Schreckschusswaffe eingesetzt worden.

Verteidiger Thomas Mende nennt das mutmaßliche Opfer eine „schillernde Gestalt“. Der 39-Jährige sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm wird Betrug vorgeworfen. Er ist zwar als Zeuge geladen. Es wird indes erwartet, dass er von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch macht, um sich nicht selbst belasten zu müssen.

Der Kripobeamte scheint nicht besonders von dem Mann begeistert zu sein. „Bei der ersten Vernehmung hatte ich Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Anzeigenerstatters“, sagt er vor Gericht. Der Prozess wird am 9. August fortgesetzt.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: