Ehepaar vor dem Stuttgarter Landgericht Prostituierte soll Freier erpresst haben

Von Thomas Schwarz 

Die Angeklagte hat berichtet, in Zürich, München und Berlin in Bordellen angeschaft zu haben (Symbolbild). Foto: dpa
Die Angeklagte hat berichtet, in Zürich, München und Berlin in Bordellen angeschaft zu haben (Symbolbild). Foto: dpa

Eine 25-jährige Frau aus Sinsheim und ihr Ehemann sollen mehrere Freier dazu gebracht haben, rund 200 000 Euro zu bezahlen. Der Sohn eines Betroffenen zeigte die beiden an.

Schorndorf - Wer die zierlich wirkende Frau auf der Anklagebank sieht, kann nicht glauben, dass sie die treibende Kraft gewesen sein soll hinter versuchter Erpressung und Schwindeleien, mit denen mehr als 200 000 Euro ergaunert wurden. Doch genau das wirft die Staatsanwaltschaft Stuttgart der aus dem Raum Sinsheim stammenden 25-Jährigen vor, die sich seit Mittwoch zusammen mit ihrem 33-jährigen Ehemann vor der 7. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts verantworten muss.

Zwischen Spätsommer 2015 und und Ende 2016 soll die Frau, die zu jener Zeit als Prostituierte arbeitete, mehreren Männern eine finanzielle Notlage vorgegaukelt haben und diese so zu Zahlungen veranlasset haben. Freier aus Einhausen in Hessen, Leonberg und Schorndorf soll sie zudem zusammen mit ihrem Mann von Oktober 2016 an erpresst haben. Dabei sollen die beiden auch mit Gewalt gedroht haben. Schließlich zeigte der Sohn eines Betroffenen aus Schorndorf die beiden an, die verhaftet wurden und seitdem in Untersuchungshaft sitzen.

Die Beteiligten bereiten vor Gericht einen Deal vor

Die Verteidiger des Ehepaares baten am ersten Verhandlungstag um ein Gespräch mit dem Gericht und der Vertreterin der Staatsanwaltschaft. Darin wurden, wie der Vorsitzende Richter Rainer Gless hinterher bekannt gab, Geständnisse der Angeklagten angekündigt, wenn das Strafmaß einen gewissen Zeitraum nicht übersteige. So fordert die Rechtsanwältin Anke Stiefel-Bechdolf für ihre Mandantin, dass diese nicht länger als drei Jahre hinter Gitter muss, ihr Kollege Lars Middendorf hält für seinen Mandanten ebenfalls eine Strafe von höchstens drei Jahren für angemessen.

Die Staatsanwältin hat jedoch andere Vorstellungen, was das Strafmaß angeht. Für die 25-Jährige will die Anklägerin eine Strafe nicht unter fünf Jahren, für deren Mann eine von vier Jahren. „Das Gericht wird zum nächsten Verhandlungstag einen weiteren Vorschlag unterbreiten“, so der Vorsitzende Richter. Der zweite Prozesstag ist für den 19. Juni vorgesehen. Das Gericht scheint sich sicher zu sein, dass es an diesem Tag zu Geständnissen kommen wird. Es wurde bereits angekündigt, dass Zeugen zu dem Verfahren um- oder sogar abgeladen werden könnten.

Von der Kleiderverläuferin zur Prostituierten geworden

Da zuerst dieser „Deal“ stattfinden soll, haben die beiden Angeklagten bisher nur Angaben zu ihren Lebensläufen gemacht. Die 25-Jährige stammt demnach aus einer bürgerlichen Familie und hat bis vor wenigen Jahren ein unauffälliges Leben geführt. Nach dem Realschulabschluss habe sie eine Lehre zur Einzelhandelskauffrau abgeschlossen. Doch die Schuhkette, bei der sie die Ausbildung machte, habe danach nur Teilzeitstellen angeboten, weshalb sie zu einem Bekleidungsgeschäft gewechselt habe. Nebenher habe sie noch an Wochenende in einer Bar bedient.

Durch eine Freundin sei sie im Jahr 2015 zur Prostitution gekommen, erzählt sie dem Gericht. „Sie hat behauptet, bei einer Versicherung zu arbeiten. Deshalb sei sie ständig unterwegs.“ Schließlich habe diese Freundin ihr reinen Wein eingeschenkt. „Sie hat immer so viel Geld gehabt“, erklärt sie dem Gericht, wieso sie sich so schnell zu dem Schritt in die Prostitution habe verleiten lassen.

Ihre Familie habe davon keine Ahnung gehabt, bis zu ihrer Festnahme. Als sie von ihrer Familie berichtet, bricht in Tränen aus. Ihr Vater sei schwer krank, die Eltern littens sehr darunter, dass sich prostituiert hatte. Sie mache sich deshalb große Vorwürfe.

Ihren acht Jahre älteren Mann heiratete sie im November 2015, arbeitete dennoch weiter als Prostituierte. Der aus Schifferstadt stammende Mann hat alle möglichen Jobs in seinem Leben gemacht. Mittlerweile arbeite er im Sicherheitsgewerbe, sagt er.

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