Sie adelt die ARD-Serie „Mord mit Aussicht“ und spielt jetzt in den „Empörten“: Caroline Peters. Foto: Reinhard Maximilian Werner

Zum ersten Mal seit zwanzig Jahren ist Stuttgart wieder mit einer Inszenierung bei den Salzburger Festspielen vertreten: Burkhard Kosminski bringt am Sonntag „Die Empörten“ von Theresia Walser zur Uraufführung. In der Hauptrolle: Caroline Peters.

Stuttgart - In Stuttgart macht das Theater noch Pause, in Salzburg nicht: Während der Festspiele arbeiten die Bühnen unter Hochdruck, um hier eine Oper, da einen Liederabend und dort ein Drama rauszubringen. Ein kreatives Summen – und Stuttgart summt mit: Zum ersten Mal seit fast zwanzig Jahren nimmt das Schauspiel wieder am bedeutendsten Sommerfestival der Welt teil. Damals, im Jahr 2000, wurde Shakespeares „Hamlet“ von Martin Kusej in ein Bühnengewächshaus verlegt, in dem die Neurosen von Samuel Weiss als Titelheld und Johanna Wokalek als Ophelia prächtig blühten – und über eine Reihe illustrer Schauspieler verfügt auch Burkhard Kosminski, der am Sonntag in Salzburg „Die Empörten“ von Theresia Walser zur Uraufführung bringt.

„Bei einem so renommierten Festival vertreten zu sein, ist eine Ehre“, sagt Kosminski, „die Atmosphäre in der Stadt ist aufgeheizt, wie elektrisiert“ – und dass die „Empörten“ mit Spannung im Landestheater erwartet werden, ist jetzt mehr als nur eine Floskel. Alles an der Produktion ist neu: die „finstere Komödie“, die noch niemand gesehen hat; die Autorin Theresia Walser, die noch nie in Salzburg aufgeführt wurde; der Regisseur Burkhard Kosminski, der noch nie dort inszenierte – und last not least das Ensemble, das noch nie in dieser Konstellation zusammen gearbeitet hat. Zu den drei Stuttgarter Spielern Sven Prietz, Anke Schubert und Silke Bodenbender gesellen sich Caroline Peters und André Jung – und außer den beiden Letztgenannten geben alle aus dem famosen Premium-Quintett mit den „Empörten“ ihr Festspieldebüt.

Die Zündelhexe von Irberstheim

Wenn die Stücklektüre nicht täuscht, rückt die 2018 zur Schauspielerin des Jahres gekürte Caroline Peters ins Zentrum der Aufführung. Als Bürgermeisterin von Irberstheim steht sie kurz vor ihrer Wiederwahl. Oder auch nicht: Ein von ihrem Bruder provozierter tödlicher Zwischenfall – war’s ein Attentat? ein öffentlicher Suizid? – versetzt die Stadt in Aufruhr und stärkt ihrer rechtspopulistischen Herausforderin, einer „völkischen Zündelhexe“, den Rücken. In dem Stück herrsche eine „nervöse Akustik“, sagt Theresia Walser, ein Hintergrundrauschen, das von der empörungsbereiten Straße ins Rathaus dringe, dem einzigen Schauplatz der pointenreichen, mit Slapstick nicht geizenden Komödie. Dass Caroline Peters darin die verzweifelte Bürgermeisterin spielt, kann man sich gut vorstellen: Mit ihrem trockenen Humor adelt sie selbst „Mord mit Aussicht“, die skurrilen Provinzkrimipossen der ARD.

Auch wenn mit Stuttgart in Salzburg alles neu wird, bleibt eines beim Alten: Mit den „Empörten“ setzen Theresia Walser und Burkhard Kosminski ihre seit Jahren bewährte Zusammenarbeit fort. Acht Uraufführungen haben die beiden schon gemeinsam herausgebracht, ein Zeichen gegenseitiger Wertschätzung, die sich auch darin ausdrückt, dass Walser häufig bei Proben anwesend ist. Anfang der Woche ist sie nach Salzburg gereist, um erste Einblicke in die Uraufführung zu gewinnen und letzte Hand an ihren Text zu legen. „Sie entwirft mit einer tollen Sprache tolle Figuren in tollen Situationen: eine deutsche Yasmina Reza“, sagt Kosminski über die Autorin, die zum festen Kreis seiner Stücklieferanten gehört. In der Einladung zu den Festspielen sieht er deshalb auch eine Bestätigung seiner langen Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Dramatik. In Stuttgart setzt er sie in der nächsten Saison fort: Als Koproduktion mit den Festspielen kommen „Die Empörten“ im Januar auch ins Schauspielhaus.

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