So wie auf diesem Bild soll die neue Bahnbrücke über den Neckar bei Wendlingen einmal aussehen Foto: Next Edit

Lieber gleich kostengünstig eine zweigleisige Kurve bei Wendlingen bauen anstatt später mit dem mehrfachen Aufwand die Gleisinfrastruktur nachrüsten – diese Forderung erheben jetzt der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel und der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann.

Stuttgart - Die Mahnungen des Verkehrswissenschaftlers Gerhard Heimerl, bei der Realisierung von Stuttgart 21 keine Chancen für die weitere Stärkung des Schienenverkehrs zu verbauen, sind nicht ungehört verhallt.

Am Montag haben der Grünen-Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel und der FDP-Landtagsabgeordnete Jochen Haußmann eine Anregung des Stuttgart-21-Vordenkers aufgegriffen und unterstützt: dass bei Wendlingen im Kreis Esslingen umgehend eine zweigleisige kreuzungsfreie Kurve für Regionalzüge zwischen Reutlingen/Tübingen und der neuen Bahnstrecke Stuttgart-Ulm gebaut wird – nicht erst nach der Fertigstellung von Stuttgart 21. Denn der nachträgliche Bau, hatte Heimerl in einem Interview mit dieser Zeitung gewarnt, würde ein Mehrfaches des eigentlichen Aufwands von rund 30 Millionen Euro bedeuten.

„Wir begrüßen, dass Professor Heimerl die Herausforderungen des Schienenverkehrs in der Region Stuttgart klar benennt“, erklärte Haußmann, der verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion im Landtag ist. Die FDP sei schon seit längerem der Meinung, dass ein zweigleisiger Ausbau der Wendlinger Kurve möglich sein müsse. Andernfalls würde man „sehenden Auges einen Engpass schaffen“. Wenn man die Kurve nicht sofort zweigleisig baue, brauche man dringend die nötigen Vorkehrungen, damit später ohne größeren Aufwand ausgebaut werden könne. Der angestrebte Koalitionsvertrag von Grünen und CDU „muss eine vernünftige Antwort auf die Frage der Wendlinger Kurve bringen – ansonsten bleibt er Stückwerk“, meinte Haußmann.

Studie empfiehlt zweigleisige Kurve

Auch die Grünen unterstützen die Idee, die Kurve zweigleisig und kreuzungsfrei zu bauen. Man steuere wirklich sehenden Auges auf einen Engpass zu, dessen Beseitigung später teures Geld kosten würde, sagte der Bundestagsabgeordnete Gastel aus Filderstadt am Montag. In einer Studie der Bundesregierung zum Thema Deutschland-Takt sei eine zweigleisige Ausführung empfohlen worden, um Verzögerungen im Betriebsablauf zu vermeiden und optimal Umsteigemöglichkeiten in Knotenbahnhöfen zu gewährleisten. Leider laufe es auf der Bundesebene aber gar nicht gut.

Im Entwurf für den Bundesverkehrswegeplan, den das Ministerium in Berlin vor wenigen Wochen vorlegte, seien zahlreiche Schienenprojekte noch nicht bewertet, sondern unter der eigens geschaffenen Rubrik „Potentieller Bedarf“ zwischengeparkt, sagte Gastel. Das gelte auch für das Projekt zweigleisige Wendlinger Kurve. Auf Nachfrage der Grünen habe die Bundesregierung erklärt, die Bewertung der Schienenprojekte könne noch Monate, teilweise sogar noch über das Jahr 2017 hinaus dauern. „Das wäre fatal. Wir brauchen die Wendlinger Kurve in zweigleisiger Ausführung“, erklärte Gastel. Daher müsse geprüft werden, ob der Vergabebeschluss der Deutschen Bahn AG für die eingleisige Version ausgesetzt, Bewertung und Planung der zweigleisigen Variante beschleunigt werden könnten.

Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte auf einen Antrag der FDP im Landtag im September angekündigt, die Landesregierung werde das Bundesverkehrsministerium zur Aufnahme der „Großen Wendlinger Kurve“ in den Bedarfsplan auffordern. Der Anlass dafür sei die Machbarkeitsstudie Deutschland-Takt.

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