Stuttgart 21 Gemeinderat will Umplanung am Airport verhindern

Von Konstantin Schwarz 

Über die Anbindung des Landesflughafens und der Messe an den Schienenverkehr und das Verkehrsangebot ist ein Streit entbrannt. Foto: Manfred Storck
Über die Anbindung des Landesflughafens und der Messe an den Schienenverkehr und das Verkehrsangebot ist ein Streit entbrannt. Foto: Manfred Storck

Die Mehrheit des Stuttgarter Gemeinderates wendet sich gegen die von der Bahn vorgeschlagene neue Lage des Fernverkehrshalts für Flughafen und Messe.

Stuttgart - An dem beim Projekt Stuttgart 21 geplanten Fernbahnhof des Landesflughafens sollen nach den Vorstellungen der Fernverkehrssparte der Deutschen Bahn AG pro Werktag nicht mehr als sechs IC-Züge in zwei Fahrtrichtungen halten. ICE sind nicht vorgesehen. Diese Pläne lösen massiven Protest aus. Die Gemeinderatsfraktionen von CDU, SPD, Freien Wählern und die Gruppe der FDP nennen die Anbindung „völlig inakzeptabel“. Derart wenige Fernverkehrsmöglichkeiten und dazu die Überlegungen der Stuttgart-21 Baugesellschaft, den Fernhalt von Messe und Terminals weg an die Autobahn 8 zu verlegen würde „die Verkehrsdrehscheibenfunktion zerstören“.

Die Fraktionen, die mit 33 Stimmen im Gemeinderat eine Mehrheit bilden, lehnen eine Änderung an der Infrastruktur ab. Die Bürgervertreter erinnern daran, dass der Gemeinderat erst am 7. Mai 2015 bei neun Gegenstimmen die Gestaltung des Halts für die Gäubahnzüge aus Singen auf einem separaten Gleis neben dem S-Bahn-Halt an den Terminals besiegelt habe. „Zweieinhalb Jahre später diese Vereinbarung in Frage zu stellen, halten wir für hoch problematisch“, schreiben die Fraktionen in ihrem gemeinsamen Antrag.

Warum ist Stuttgart 21 so umstritten? Wie ist das Projekt bislang verlaufen? Sehen Sie die zehn wichtigsten Fakten im Video:

OB Kuhn soll berichten

In dem Papier wird OB Fritz Kuhn (Grüne) aufgefordert, am 23. Januar im Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderates über ein Gespräch mit der S-21-Projektgesellschaft zum Flughafenhalt zu berichten. Das Treffen hatte kurz vor Weihnachten stattgefunden, ein weiteres ist für Januar vorgesehen. Im Dezember hatte die S-21-Projektgesellschaft nach Angaben von Teilnehmern über die großen Bauprobleme mit dem in 27 Metern Tiefe geplanten Fernverkehrshalt berichtet und, weil das Gesamtprojekt sich nach neuester Rechnung von 6,5 auf bis zu 7,9 Milliarden Euro verteuern kann, unkalkulierbare Kosten befürchtet. Die erwartete Kosten für den doppelten Flughafenanschluss für Gäubahn und den Fernverkehr Stuttgart-München, seien nicht genannt worden.

Der neue Bahnknoten Stuttgart 21 wird, berichtete DB-Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla dem Bahn-Aufsichtsrat, werde nicht 2021, sondern erst Ende 2024 in Betrieb gehen können. Dieser neue Zeitrahmen sei „bereits eine große Mehrbelastung für unsere Stadt“, so die Fraktionen. Das Projekt müsse rasch fertiggestellt werden, die Frage der Mehrkosten müsse „vor allem die Deutsche Bahn AG und der Bund als Eigentürmer der Bahn beantworten“.

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