Die bundesweite Umfrage des ZiTh unter 100 Muslimen fand im ersten Halbjahr 2018 statt. Foto: dpa

Eine Feldstudie der Universität Tübingen ergab, dass über 90 Prozent der befragten Muslime eine Eheschließung mit Nichtmuslimen aufgrund ihres Umfelds für „problematisch“ halten. Das Verbot für Musliminnen, Nichtmuslime zu heiraten, ist in fast allen islamischen Staaten gebräuchlich.

Ludwigsburg/Tübingen - Einer noch nicht veröffentlichten Vorstudie zufolge halten eine große Mehrheit der befragten Muslime eine Eheschließung mit Nichtmuslimen aufgrund ihres Umfelds für „problematisch“. Auch wenn diese Studie nicht repräsentativ sei, sei dieses Ergebnis ein Hinweis darauf, dass das Thema innerislamisch und interreligiös diskutiert werden müsse, sagte Mouez Khalfaoui vom Zentrum für Islamische Theologie (ZiTh) der Universität Tübingen am Donnerstag auf einer Fachtagung.

Immer wieder wendeten sich an sein Zentrum bireligiöse Pärchen, die nach einer islamischen Legitimation für ihre Beziehung suchten, sagte der Professor für Islamisches Recht auf der Fachtagung „Islam in Recht, Gesellschaft und Verwaltung“ an der Ludwigsburger Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen. Dieses Thema, auf das auch andere Studien aufmerksam machten und das auch in muslimischen Internetforen stark diskutiert werde, müsse von der Islamischen Theologie noch mehr theologisch reflektiert werden. Insgesamt seien die vorläufigen Ergebnisse der Studie jedoch beispielsweise mit Blick auf die Gleichberechtigung von Mann und Frau sehr positiv, betonte Khalfaoui.

Die Umfrage des ZiTh unter 100 Muslimen, die hauptsächlich zwischen 20 und 40 Jahren alt waren, fand im ersten Halbjahr 2018 in mehreren Städten statt und will eine Grundlage für ein interreligiöses und interdisziplinäres Projekt sein. Die vollständige Studie wird im Laufe dieses Jahres vorgestellt werden. Sie habe auch gezeigt, dass für die meisten Befragten die Ehe eine wichtige Rolle spiele. Bei der Partnerwahl seien Liebe und Religion wesentlich bedeutsamere Faktoren als beispielsweise die finanzielle Lage oder Bildung, so Khalfaoui.

Zudem hätten sich die meisten Befragten für eine zivile Ehe beim Standesamt und ergänzend eine religiöse Eheschließung ausgesprochen. „Die meisten Muslime wollen beides: Die rechtliche Sicherheit und Gottes Segen“, betonte der Professor für Islamisches Recht.

Das Verbot für Musliminnen, Nichtmuslime zu heiraten, sei in fast allen islamischen Staaten gebräuchlich - außer in der Türkei und in Tunesien, sagte Christian Majer, Direktor des Instituts für internationales und ausländisches Privat - und Verfahrensrecht an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Nach deutschem Recht sei dieses Ehehindernis der Religionsverschiedenheit eine Diskriminierung, weil es nur für Frauen gelte und ihnen eine Ehe mit Nichtmuslimen verwehre, betonte er.

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