Gerade weil Artenschutz so wichtig ist, sollte die Windkraftbranche das nötige Rüstzeug dafür erhalten, fordert Redakteur Alexander Del Regno.
Stuttgart - Laut Naturschutzorganisation Nabu verschwinden 150 Arten von unserem Planeten. Tag für Tag. Unwiederbringlich. Dieses Drama zu beenden und sich für den Erhalt der Tier- und Pflanzenwelt einzusetzen, ist richtig und wichtig. Doch wenn Artenschutz dem Klimaschutz – und nichts anderem dienen die Energiewende und auch der Bau von Windkraftanlagen – zuwiderläuft, dann ist den Arten auf Dauer nicht geholfen. Das eine geht nicht ohne das andere.
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Bei einer Erderwärmung um mehr als drei Grad könnten rund ein Drittel allein der an Land lebenden endemischen Tiere aussterben, errechneten Forscher. Endemisch sind Arten oder Gattungen, die nur in einem bestimmten Gebiet vorkommen. Dazu zählt auch der Rotmilan – zu dessen Schutz in Deutschland immer wieder Windkraftpläne begraben werden. Inwieweit sich der Greifvogel dem Klimawandel anzupassen vermag, ist ungewiss. Fakt ist hingegen: Das Forschungsprojekt im Kreis Göppingen, das Artenschützer verhindern wollen, soll ja gerade bewirken, dass Vögel und Fledermäuse künftigen Windparks eben nicht zum Opfer fallen.
Es geht um Wertschöpfung, um Jobs, um Profit
Ja, natürlich muss weiterhin genau geprüft werden, in welchen Gebieten Anlagen entstehen, welche Tiere dort leben oder ob Bäume dafür gerodet werden sollen. Und wenn Windräder schon im Wald gebaut werden müssen, dann bitteschön nicht in intakten Ökosystemen, sondern allenfalls in einer Monokultur, die ohnehin alles andere als artenreich ist. Und nein, die Windkraftbranche bildet sich nicht aus karitativen Einrichtungen oder ehrenamtlichen Klimaschutzaktivisten, sondern verfolgt wirtschaftliche Interessen. Es geht um Wertschöpfung, um Jobs, um Profit. Das heißt aber nicht, dass sie nicht bereit ist, im Sinne des Artenschutzes zu handeln. Die Ergebnisse des Windtestfelds könnten der Branche das Rüstzeug dafür liefern und dazu beitragen, dass die Stromerzeugung aus Wind das Klima schont, ohne dabei Tiere zu gefährden.
Das Projekt zu stoppen, nützt niemandem
Das Vorhaben auf der Ostalb bietet somit eine Chance – für das Gelingen der Energiewende und die Bewahrung von Arten. Es zu stoppen, nützt indes niemandem – höchstwahrscheinlich nicht einmal den Milanen, die sich in der Nähe des Testgeländes angesiedelt haben und deren Bewegungen minutiös registriert werden. Gerade weil sie geschützt werden sollen.