Nach Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl (links) will die CDU Stuttgarts eine Straße benennen lassen. Bei Alt-OB Manfred Rommel tut sich die Union schwerer. Foto: Archiv

Der Druck auf die CDU-Fraktion im Rathaus, baldmöglichst einen Vorstoß für eine Straßen- oder Platzbenennung nach Alt-OB Manfred Rommel zu machen, wächst. Parteiübergreifend erhält Ex-Kämmerer Klaus Lang Unterstützung für seine Initiative.

Stuttgart - Im CDU-internen Zwist um die Benennung eines Platzes oder einer Straße nach dem verstorbenen Alt-OB Manfred Rommel erhält der Initiator der Initiative, der frühere OB-Stellvertreter Klaus Lang, immer mehr Unterstützung. Lang hat mittlerweile Anrufe von Vertretern aus verschiedenen politischen Lagern erhalten, die eine solche zusätzliche Ehrung für den verstorbenen Rathauschef befürworten. Neben dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Roland Sauer, der sich bereits dafür ausgesprochen hatte, habe ihm auch die ehemalige SPD-Ratsfraktionschefin Helga Ulmer ihre Sympathie für sein Anliegen versichert, ebenso der Ex-CDU-Landtagsabgeordnete Franz Longin und die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Reinhardt.

Auch der Konzertveranstalter Michael Russ und der ehemalige Pressesprecher von Rommels Nachfolger Wolfgang Schuster, Stephan Schorn, machen sich vehement für eine solche zusätzliche Ehrung stark. Der amtierende SPD-Chef Martin Körner sowie die Freien Wähler im Rat hatten sich ebenfalls öffentlich dafür ausgesprochen, und sogar die Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus würde sich nach den Worten ihres Fraktionssprechers einem sinnvollen Vorschlag nicht verschließen. Die Grünen dagegen haben laut Fraktionssprecherin Anna Deparnay-Grunenberg zu dem Thema „noch keine gemeinsame Position“.

Innerparteilich wird über die zögerliche Haltung der Spitzenfunktionäre gerätselt

Dennoch wächst der Druck auf die CDU-Fraktion um ihren Chef Alexander Kotz, die bisher die Ansicht vertritt, mit der Taufe des Stuttgarter Flughafens auf seinen Namen sowie der Einrichtung eines Manfred-Rommel-Stipendiums sei dem Andenken an den vor vier Jahren verstorbenen Rommel ausreichend und angemessen Genüge getan. Zwar hatte der CDU-Kreischef Stefan Kaufmann die Wogen zu glätten versucht, nachdem das CDU-Urgestein Klaus Lang daraufhin mit der Rückgabe seines Parteibuchs gedroht hatte. Kaufmann hatte Lang in Aussicht gestellt, beim nächsten CDU-Kreisparteitag entsprechende Vorschläge von der Parteibasis zu unterstützen. Doch bis zur nächsten Mitgliederversammlung kann es noch einige Monate dauern. Unterdessen rätseln Parteifreunde und politische Kontrahenten, warum speziell der CDU-Fraktionsvorsitzende Kotz, der gern den starken Mann im Rathaus gibt, in der Angelegenheit „ohne politisches Gespür“ agiere, wie es ein Parteifreund formuliert. Kotz habe offenbar nicht kapiert, welche herausragende Stellung Rommel als Stuttgarter OB und weit über die Stadgrenzen hinaus gehabt habe, schrieb ihm der Ex-Bundestagsabgeordnete Roland Sauer, Vater des Stadtrats Jürgen Sauer, ins Stammbuch. Und Stephan Schorn betont, die Flughafen-Benennung schließe eine Straßen- oder Platztaufe nach dem Stuttgarter Vorzeige-OB nicht aus.

Rommel zählte weltweit zu den bekanntesten Oberbürgermeistern

Tatsächlich galt Rommel zu Lebzeiten neben dem New Yorker Ed Koch und dem Jerusalemer Rathauschef Teddy Kollek als einer der drei bekanntesten Oberbürgermeister weltweit. Vor allem zwei Ereignisse prägten seinen Ruf als liberaler, weltoffener und toleranter Christdemokrat: 1977 rechtfertigte er die Beisetzung der Terroristen Andreas Baader, Jan-Carl Raspe und Gudrun Ensslin, die in Stammheim Selbstmord verübt hatten, auf dem Dornhaldenfriedhof mit den Worten: „Mit dem Tod muss alle Feindschaft enden.“ 1989, als ein farbiger Asylbewerber auf der Gaisburger Brücke in Panik mit einem Bajonett zwei Polizisten tötete und drei weitere schwer verletzte, bevor er selbst erschossen wurde, dämpfte Rommel die aufkeimende fremdenfeindliche Stimmung mit dem Satz: „Es hätte auch ein Schwabe sein können.“

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