Philipp Demandt im Städel-Museum in Frankfurt. Er kommt zur StN-Veranstaltung „Über Kunst“ in die Stuttgarter Staatsgalerie. Foto: Gaby Gerster

Die Staatsgalerie Stuttgart feiert am 1. Mai ihr 175-jähriges Bestehen. Bestens in den Reigen des Jubiläums fügt sich am Donnerstag, 3. Mai, unsere Gesprächsreihe „Über Kunst“: Gast ist Philipp Demandt, in Frankfurt Direktor des Museums Städel, des Liebighauses sowie der Kunsthalle Schirn Frankfurt.

Stuttgart - Spannung und Vorfreude sind überall in der Staatsgalerie Stuttgart zu spüren: Am kommenden Dienstag, 1. Mai, wird – auf den Tag genau – groß gefeiert. 175 Jahre wird die als Museum der bildenden Künste gegründete wichtigste Kunstbühne des Landes. Grund genug für weit offene Türen bei freiem ­Eintritt und einem breiten Angebot von Konzerten, Führungen und Mitmachangeboten für Kinder. Erstmals zu sehen ist dann auch die Sonderausstellung zum Jubiläum. „#meinMuseum“ heißt sie und versammelt – nein, nicht die größten, schönsten oder ­beliebtesten Werke der Staatsgalerie.

„#meinMuseum“ lebt vielmehr vom ­Dialog der Staatsgalerie mit ihren Besucherinnen und Besuchern, erinnert zudem an wechselnde Sichtweisen, was und wie ein Museum welche Werke zu kaufen und wie zu präsentieren habe. In „Zeit­kapseln“ wird man auf die Reise geschickt werden. Zudem werden während der Laufzeit bis zum 26. August auf einer Medienwand Anmerkungen des Publikums gespiegelt.

Wachstum ist die einzige Erfolgsformel

„#meinMuseum“ schließt damit leise, aber doch konsequent an die Fragestellung an, die Staatsgaleriedirektorin Christiane Lange im Herbst 2015 nicht nur für ihr Haus ausgegeben hat. „Grenzen des Wachstums“ hieß Mitte November 2015 eine zweitägige Konferenz, die zu einem nationalen Stelldichein wurde. Lange hatte offenbar thematisch ins Schwarze getroffen. Allein die ­Ankündigung von „Grenzen des Wachstums“ sorgte für einen nationalen Interviewmarathon. „Wir müssen“, sagte ­Christiane Lange, „­darüber reden, wie es in den Kunstmuseen weitergehen soll.“

„Die Kunstwelt“, hieß es 2015 in der ­Ankündigung der Konferenz, „scheint sich der Wirtschaft angepasst zu haben: Wachstum ist die einzige Erfolgsformel. Museen leisten sich immer größere Bauten, ihre Zahl nimmt jährlich zu, die Sammlungen werden erweitert, und die Kunstwerke selbst passen häufig nur noch in gigantische Industriehallen. Das Rad der Wechselausstellungen dreht sich zunehmend schneller, die Preise auf dem ­Kunstmarkt explodieren, die ­Marketing-Abteilungen werden ausgebaut, es geht ­darum, ­immer neue Zielgruppen ­anzusprechen.“ Und weiter: „Ausgerechnet das ­Museum, das dem Sammeln, Forschen und Bewahren verpflichtet ist, scheint einer Wachstumslogik unterworfen zu sein, die der von entfesselten Märkten gleicht.“ Deutliche Worte, die doch immer auch als Selbstkritik zu ­verstehen waren und sind – an einem Zustand, der ja doch nur gemeinsam zu ändern wäre.

„Über Kunst“ findet am 3. Mai statt

Der Dialog über die Frage, wie das ­Kunstmuseum der Zukunft aussieht, welche Rollen es in welcher Größe spielen kann, wird überall geführt. Auch und ganz ­besonders in Frankfurt. Dort lenkt seit ­Oktober 2016 ­Philipp Demandt das Museum Städel und das durch seine Skulpturensammlung bekannte Liebighaus sowie die durch international gewichtige Wechselausstellungen bekannte Kunsthalle Schirn.

Wie sieht Philipp Demandt, dessen Arbeit international beobachtet wird, die ­Möglichkeiten der großen Kunsteinrichtungen, ihre eigene Rolle zu definieren und zu gestalten? Wie verbindet sich der Glanz einer Rubens-Schau mit Künstlerentdeckungen? Fragen wie diese wird Philipp ­Demandt am kommenden Donnerstag, 3. Mai (19.30 Uhr), beantworten. Demandt ist nächster Gast der Gesprächsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung in der Staatsgalerie Stuttgart.

„Was macht Kunst mit einer Gesellschaft?“, heißt Philipp Demandts zentrale Frage. Sie formuliert Vertrauen in die Kunst und den Anspruch von Wirkung. Es ist eine Frage, die in den nächsten Monaten auch die Staatsgalerie Stuttgart weiter beschäftigen wird – zuvorderst sichtbar von 1. Mai an in der Jubiläumsschau „#meinMuseum“.

So melden Sie sich an

Was? „Über Kunst“ heißt eine Gesprächsreihe unserer Zeitung zur gesellschaftlichen Bedeutung von Kunst. „Nächster Gast ist am Donnerstag, 3. Mai, Philipp Demandt, Direktor des Kunstmuseums Städel, der Kunsthalle Schirn sowie des Liebig­hauses in Frankfurt am Main.

Wer? 1971 in Konstanz geboren, studiert Philipp Demandt Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Publizistik. 2001 schließt er sein Studium mit einer Promotion über die Bedeutung des „Luisenkults“ für den preußischen Staat ab. Zunächst Ausstellungsassistent im Berliner Bröhan-Museum, wirkt er von 2004 an bei der Kulturstiftung der Länder. Von 2007 bis 2010 agiert er als wissenschaftlicher Berater und Mitkurator der Ausstellung „Luise. Leben und Mythos der Königin“ (2010 im Schloss Charlottenburg). Von Januar 2012 an leitet er die Alte Nationalgalerie in Berlin, seit 1. Oktober 2016 ist er als Nachfolger von Max Hollein Direktor des Städel-Museums und des Liebighauses sowie Leiter der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main.

Anmeldungen werden entgegengenommen

Wo? „Über Kunst“ findet statt in der Staats­galerie Stuttgart (Vortragssaal im Stirlingbau). ­Beginn am Donnerstag, 3. Mai, ist um 19.30 Uhr. 200 Leserinnen und Leser können dabei sein. Der Eintritt ist frei.

Wie? Seien Sie dabei, wenn es bei „Über Kunst“ mit Philipp Demandt um die Rolle der Kunstmuseen und die Weiterentwicklung der Kunsthalle Schirn und des Kunstmuseums Städel sowie des Liebighauses geht. Ihre Anmeldungen nehmen wir gerne entgegen: www.stn.de/galerie .

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