StN-Veranstaltung „Über Kunst“ Wie sieht das Museum der Zukunft aus?

Von Nikolai B. Forstbauer 

Die Staatsgalerie Stuttgart feiert am 1. Mai ihr 175-jähriges Bestehen. Bestens in den Reigen des Jubiläums fügt sich am Donnerstag, 3. Mai, unsere Gesprächsreihe „Über Kunst“: Gast ist Philipp Demandt, in Frankfurt Direktor des Museums Städel, des Liebighauses sowie der Kunsthalle Schirn Frankfurt.

Stuttgart - Spannung und Vorfreude sind überall in der Staatsgalerie Stuttgart zu spüren: Am kommenden Dienstag, 1. Mai, wird – auf den Tag genau – groß gefeiert. 175 Jahre wird die als Museum der bildenden Künste gegründete wichtigste Kunstbühne des Landes. Grund genug für weit offene Türen bei freiem ­Eintritt und einem breiten Angebot von Konzerten, Führungen und Mitmachangeboten für Kinder. Erstmals zu sehen ist dann auch die Sonderausstellung zum Jubiläum. „#meinMuseum“ heißt sie und versammelt – nein, nicht die größten, schönsten oder ­beliebtesten Werke der Staatsgalerie.

„#meinMuseum“ lebt vielmehr vom ­Dialog der Staatsgalerie mit ihren Besucherinnen und Besuchern, erinnert zudem an wechselnde Sichtweisen, was und wie ein Museum welche Werke zu kaufen und wie zu präsentieren habe. In „Zeit­kapseln“ wird man auf die Reise geschickt werden. Zudem werden während der Laufzeit bis zum 26. August auf einer Medienwand Anmerkungen des Publikums gespiegelt.

Wachstum ist die einzige Erfolgsformel

„#meinMuseum“ schließt damit leise, aber doch konsequent an die Fragestellung an, die Staatsgaleriedirektorin Christiane Lange im Herbst 2015 nicht nur für ihr Haus ausgegeben hat. „Grenzen des Wachstums“ hieß Mitte November 2015 eine zweitägige Konferenz, die zu einem nationalen Stelldichein wurde. Lange hatte offenbar thematisch ins Schwarze getroffen. Allein die ­Ankündigung von „Grenzen des Wachstums“ sorgte für einen nationalen Interviewmarathon. „Wir müssen“, sagte ­Christiane Lange, „­darüber reden, wie es in den Kunstmuseen weitergehen soll.“

„Die Kunstwelt“, hieß es 2015 in der ­Ankündigung der Konferenz, „scheint sich der Wirtschaft angepasst zu haben: Wachstum ist die einzige Erfolgsformel. Museen leisten sich immer größere Bauten, ihre Zahl nimmt jährlich zu, die Sammlungen werden erweitert, und die Kunstwerke selbst passen häufig nur noch in gigantische Industriehallen. Das Rad der Wechselausstellungen dreht sich zunehmend schneller, die Preise auf dem ­Kunstmarkt explodieren, die ­Marketing-Abteilungen werden ausgebaut, es geht ­darum, ­immer neue Zielgruppen ­anzusprechen.“ Und weiter: „Ausgerechnet das ­Museum, das dem Sammeln, Forschen und Bewahren verpflichtet ist, scheint einer Wachstumslogik unterworfen zu sein, die der von entfesselten Märkten gleicht.“ Deutliche Worte, die doch immer auch als Selbstkritik zu ­verstehen waren und sind – an einem Zustand, der ja doch nur gemeinsam zu ändern wäre.

„Über Kunst“ findet am 3. Mai statt

Der Dialog über die Frage, wie das ­Kunstmuseum der Zukunft aussieht, welche Rollen es in welcher Größe spielen kann, wird überall geführt. Auch und ganz ­besonders in Frankfurt. Dort lenkt seit ­Oktober 2016 ­Philipp Demandt das Museum Städel und das durch seine Skulpturensammlung bekannte Liebighaus sowie die durch international gewichtige Wechselausstellungen bekannte Kunsthalle Schirn.

Wie sieht Philipp Demandt, dessen Arbeit international beobachtet wird, die ­Möglichkeiten der großen Kunsteinrichtungen, ihre eigene Rolle zu definieren und zu gestalten? Wie verbindet sich der Glanz einer Rubens-Schau mit Künstlerentdeckungen? Fragen wie diese wird Philipp ­Demandt am kommenden Donnerstag, 3. Mai (19.30 Uhr), beantworten. Demandt ist nächster Gast der Gesprächsreihe „Über Kunst“ unserer Zeitung in der Staatsgalerie Stuttgart.

„Was macht Kunst mit einer Gesellschaft?“, heißt Philipp Demandts zentrale Frage. Sie formuliert Vertrauen in die Kunst und den Anspruch von Wirkung. Es ist eine Frage, die in den nächsten Monaten auch die Staatsgalerie Stuttgart weiter beschäftigen wird – zuvorderst sichtbar von 1. Mai an in der Jubiläumsschau „#meinMuseum“.

Lesen Sie jetzt