Auch der neue Anbieter Abellio fährt mit seinen Zügen künftig unterm Dach des BW-Tarifs. Foto: dpa/Zentralbild

Mit der Gründung der BW-Tarif-GmbH ist der nächste Schritt hin zu einem einheitlichen Tarif für verbundübergreifende Fahrten im Nahverkehr gemacht. Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) spricht von einem Meilenstein.

Stuttgart - Die Prozedur dauerte gut zwei Stunden: Dann hatten die Vertreter des Landes, des Verbands Region Stuttgart und von neun Verkehrsunternehmen am Montag die Verträge für die Baden-Württemberg-Tarif-GmbH unterschrieben. „Für den öffentlichen Nahverkehr ist das ein historischer Tag“, sagte Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) feierlich – und die Anzugträger im Robert-Gleichauf-Saal im Stuttgarter Neuen Schloss guckten dem Anlass und Ambiente entsprechend bedeutungsvoll.

Für Nahverkehr über Verbundgrenzen

Mit dem BW-Tarif soll es künftig einfacher werden, im Nahverkehr über Verbundgrenzen hinweg zu fahren. Ziel, so Hermann, sei es, vom Dezember 2021 an, mit einem Fahrschein von jeder Haltestelle des Landes zu einer anderen zu fahren. Doch das ist noch Zukunftsmusik: Zunächst wird die GmbH unter dem Geschäftsführer Thomas Balser und mit Sitz im Stuttgarter Europaviertel zum 1. Januar 2018 ihre Arbeit aufnehmen. Zum Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2018 wird dann der BW-Tarif den Bahnfahrschein und das ÖPNV-Ticket am Zielort einschließen. Von Dezember 2021 an soll dann auch die Fahrt mit Bussen und Bahnen am Startort inbegriffen sein und der Tarif auf Zeitkarten ausgedehnt werden. „Damit wird der stark wachsende, verbundübergreifende Verkehr gestärkt“, sagte Jürgen Wurmthaler vom Verband Region Stuttgart. Für Fahrgäste, die innerhalb eines Verbundes fahren, ändere sich nichts.

Die Fahrscheine sollen beim Busfahrer, am Schalter, an Fahrkartenautomaten und elektronisch (Online, Handyticket) verkauft werden. Auch deshalb, so Hermann, dauere die Einführung so lange. Für das E-Ticketing läuft momentan erstmals in Deutschland das Vergabeverfahren, für das auch Unternehmen außerhalb des Verkehrsbereichs Angebote eingereicht haben.

Keine Nachteile für BW-Ticket-Nutzer

Angebote wie das BW-Ticket der Bahn (23 Euro, plus 5 Euro pro weiterem, bis maximal vier Mitfahrern, mit Nahverkehr am Start- und Zielort) und das Metropoltagessticket im Großraum Stuttgart (20 Euro, sonst wie BW- Ticket­) würden in den BW-Tarif aufgenommen, kündigte Balser an: „Es wird für die Fahrgäste keinen Nachteil zu heute geben“, versicherte er.

„Obwohl wir eine Vielfalt am Markt der Verkehrsunternehmen haben, gibt es ein gemeinsames Angebot für die Kunden“, hob Hermann hervor. Er hoffe, dass damit der Umstieg vom Auto auf umwelt- und klimaschonende Verkehrsmittel noch attraktiver werde. Das Land unterstützt den Aufbau der Tarif-GmbH bis 2024 mit insgesamt 18 Millionen Euro. Im Herbst 2018 soll mit einem Logo eine Einführungskampagne gestartet werden. „Wir werden auf dem jetzigen Fahrpreisniveau starten“, kündigte Balser an. Danach legen die Verkehrsunternehmen jährlich die Tarife fest.

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