Wo heute die oberirdischen Gleisanlagen des Kopfbahnhofs liegen, soll sich künftig eine Art Grünschneise durch das neue Rosensteinquartier ziehen. Foto: Leif Piechowski

Der Siegerentwurf von ASP/Köber trägt dem Klimawandel Rechnung und setzt auf viel Grün, Wasser und Freiflächen im neuen Stadtteil. Die Stadt hält unabhängig von der aktuellen Debatte um zusätzliche Gleise für S 21 an ihren Planungen fest.

Stuttgart - Es soll mit 7500 Wohnungen das größte Neubaugebiet Stuttgarts werden: das Rosensteinquartier auf den Gleisflächen des heutigen Hauptbahnhofs. Gestaltet werden soll es nach den Entwürfen der Arbeitsgemeinschaft ASP Architekten und Köber Landschaftsarchitektur. Eine aus Stadtplanern, Architekten und Stadträten zusammengesetzte Jury unter Vorsitz des Städteplaners Franz Pesch kürte den Entwurf von ASP/Köber am Montag zum Sieger des offenen städtebaulichen Wettbewerbs für den neuen Stadtteil. Allein dort sollen 6000 neue Wohnungen entstehen. Die Arbeitsgemeinschaft Laux Architekten/Terra Nova Landschaftsarchitektur, deren Entwurf am Endpunkt des Stuttgart-21-Areals am Übergang zur Mittnachtstraße einige Hochhäuser platziert hatte, musste sich wie schon in der ersten Runde des Wettbewerbs mit dem zweiten Platz begnügen.

Der Siegerentwurf überzeugte das Preisgericht nach den Worten des Juryvorsitzenden Pesch mit der Idee eines transparenten Quartiers, das sich zum geplanten Gleisbogenpark hin öffne, und dem großen Angebot an Freiräumen für die Nachbarschaft. Auch das auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgerichtete Konzept mit Fotovoltaikanlagen auf den Hausdächern, einer Energiespeicheranlage und dezentraler Wärmegewinnung mittels Wärmepumpen sei zukunftsweisend. Der Siegerentwurf habe „energetische Vorteile“, erläuterte der Juryvorsitzende. Gleichwohl fiel die Entscheidung des Preisgerichts nicht einstimmig aus: Elf Mitglieder votierten für den Siegerentwurf, sechs hätten gern den zweitplatzierten Büros den Vorzug gegeben.

Siegerentwurf nivelliert den Höhenunterschied zwischen Europaviertel und Park

Während Laux/Terra Nova auf eine durchgängige Kante zwischen dem Europaviertel und dem Park gesetzt hatten, moduliert der Siegerentwurf den topografischen Höhenunterschied von rund 16 Metern – die Kante wird abgeflacht, das Areal terrassiert. Beim Wohnen setzen ASP/Köber auf Blockbauweise mit durchgrünten Innenhöfen: Das neue Stadtviertel soll zudem weitestgehend autofrei geplant werden. Pesch: „Der Entwurf ist auf Radfahrer, Fußgänger und die endliche Perspektive des Automobils angelegt.“ In sogenannten Hubs sollen Gemeinschaftsräume und soziale Institutionen untergebracht werden.

Kernstück der Planung ist der sogenannte Gleisbogenpark, in dem auch die Brückenbauwerke des heutigen Gleisvorfelds liegen. Nach den Vorstellungen von ASP/Köber sollen diese sogenannten Überwerfungsbauwerke in den Park integriert und etwa gastronomisch werden oder als Aquädukte fungieren, in kleinen Bassins sollen Fischteiche angelegt werden.

Der Entwurf hat auch die Debatte um den Neubau von kulturellen Einrichtungen mitbedacht. So schlägt die Arbeitsgemeinschaft etwa eine Konzerthalle an der Wolframstraße vor, der Neubau des Lindenmuseums könnte am nordöstlichen Ende des Planungsgebiets entstehen. Und ein neues Kongresszentrum sehen die Architekten direkt am Manfred-Rommel-Platz hinter dem Hauptbahnhof vor.

OB Kuhn: Wir planen unabhängig von der Debatte um zusätzliche Gleise für S 21

OB Fritz Kuhn (Grüne) erklärte allerdings, es handele sich dabei zunächst um Vorschläge, die dann im Rahmen der Aufstellung der Bebauungspläne für einzelne Quartiersabschnitte konkretisiert werden müssten. Er sprach von einem „Meilenstein“ für die Entwicklung des Rosensteinquartiers. Zugleich betonte er, man habe die Entscheidung über den Wettbewerbssieger unabhängig von der aktuellen Diskussion um mögliche zusätzliche unterirdische Gleise für Stuttgart 21 getroffen: „Wir müssen ja mal zu Potte kommen, denn eines Tages wird die Bahn den Tiefbahnhof auch gebaut haben.“ Bisher gilt Ende 2025 als Fertigstellungstermin für Stuttgart 21.

Aber auch dann wird es nach den Worten von Baubürgermeister Peter Pätzold (Grüne) noch mindestens zwei Jahre dauern, bis das Gleisvorfeld abgeräumt und dekontaminiert ist. Gebaut werden könnte also frühestens Ende 2027. Auf Flächen wie etwa dem C-1-Areal nördlich des Pragfriedhofs, die derzeit noch von der Bahn-Baulogistik belegt sind, könnte man vielleicht schon früher loslegen. Zusammen mit Ergänzungsflächen auf dem A-1-Areal und im Nordbahnhofviertel entstünden insgesamt bis zu 7500 neue Wohneinheiten rund um den Rosensteinpark sagte der Baubürgermeister.

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