Stadtentwicklung in Stuttgart Spektakuläres Immobiliengeschäft in der City

Von Sven Hahn 

Das Areal rund um die alte Bahndirektion wurde verkauft. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Das Areal rund um die alte Bahndirektion wurde verkauft. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Wo aktuell Tunnel für Stuttgart 21 gegraben werden, soll bald eine der größten städtebaulichen Entwicklungen der Stadt beginnen. Informierte Kreise sprechen von einem Kaufpreis im dreistelligen Millionenbereich.

Stuttgart - Es ist einer der größten Deals, die in der Stadt in jüngster Zeit abgeschlossen wurden. Nach exklusiven Informationen unserer Zeitung hat das Areal rund um die ehemalige Bahndirektion an der Heilbronner Straße kurz vor Weihnachten den Eigentümer ­gewechselt – samt dem denkmalgeschützten ­Gebäude.

Eine Gesellschaft rund um den Stuttgarter Projektentwickler W2 mit Sitz an der Calwer Straße und den Münchner ­Finanzinvestor Competo Capital Partners hat Grundstück und Gebäude an die P+B-Gruppe mit Sitz in Sankt Augustin (Nordrhein-Westfalen) verkauft. Über den Preis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart. In informierten Kreisen wird ­jedoch von einer Summe im dreistelligen Millionenbereich gesprochen.

Der Käufer ist in der Branche kein Unbekannter. P+B hat mit dem Porsche Design Tower im Frankfurter Europaviertel derzeit eines der bundesweit wohl markantesten Wohn- und Hochhausprojekt in Arbeit. Auch in Stuttgart ist die Gesellschaft ­bereits aktiv: Unter anderem ein Studentenwohnheim in Vaihingen sowie ein Hotelneubau, ebenfalls in Vaihingen, sind unter der Regie von P+B entstanden. Der Kauf in Stuttgart ist nach ­Informationen unserer Zeitung die bisher größte Investition der Firmengeschichte.

Wettbewerb soll Ideen liefern

Das nun jüngst verkaufte Grundstück in ­direkter Nachbarschaft des Hauptbahnhofs hat eine Größe von 13 400 Quadratmeter und ist Teil eines Gebiets, auf dem derzeit ein städtebaulicher Wettbewerb stattfindet – ausgelobt von der Projektgesellschaft um W2 und Competo in Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt.

Die gute Nachricht aus Sicht der Stadtverwaltung: In Sachen Wettbewerb bleibt der Ansprechpartner mit dem Büro an der ­Calwer Straße derselbe. Denn: Da W2 bisher sämtliche Verfahren betreute, hat der neue Eigentümer den Stuttgarter Projektentwickler auch weiterhin mit der Federführung und Abstimmung vor Ort beauftragt. Sechs Architektenbüros arbeiten aktuell an dem Gesamtentwurf für das Areal. Die Entscheidung soll Ende ­Februar fallen.

Das Gebiet, für das der Wettbewerb neue Ideen liefern soll, erstreckt sich allerdings deutlich über das Grundstück rund um die Bahndirektion hinaus. Hinzu kommen ­etwas mehr als 8000 Quadratmeter hin zur früheren EnBW-Zentrale, die bis auf ein Gebäude Eigentum der Landeshauptstadt sind. Auch die Gebäude neben der neuen IHK-Zentrale auf der gegenüberliegenden Seite der Jägerstraße sind Teil des Wettbewerbs.

Grandhotel am neuen Bahnhof?

Mit Blick auf die künftige Nutzung dieser Flächen sowie die konkrete Zukunft der ­alten Bahndirektion wollen sich die Beteiligten daher auch noch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Gerd Hebebrand, Geschäftsführer der P+B-Gruppe sagt auf Anfrage unserer Zeitung: „Wir werden die Ergebnisse des städtebaulichen Ideenwettbewerbs abwarten und dann die entsprechenden Nutzungsmöglichkeiten prüfen.“ Grundsätzlich möglich seien Gewerbenutzung, Wohnen und auch Hotellerie. Speziell für das denkmalgeschützte alte Bahngebäude wurden schon Ideen bis hin zum Grandhotel diskutiert.

Fest steht: Egal wie das Ergebnis des ­Wettbewerbs am Ende aussehen wird, mit dem Bauen muss der neue Eigentümer noch Geduld haben. Man rechne mit einem Baubeginn Anfang 2020, heißt es auf Anfrage. Der Grund: Frühestens Ende 2019 oder Anfang 2020 wird die Bahn das Grundstück an seinen neuen Eigentümer übergeben können. Denn aktuell schwebt das mehr als 15 000 Tonnen schwere Gebäude förmlich über dem Boden.

Unter dem denkmalgeschützten Ensemble der Bahndirektion direkt gegenüber des Nordausgangs des Bahnhofs wird sich ­später der Tunnel befinden, der vom neuen Tiefbahnhof kommt, sich dann aufteilt und nach Zuffenhausen und Bad Cannstatt führt. Dafür wurde das Gebäude stabilisiert, um nun auf Pfählen und einer dicken Betonplatte über der Baugrube der späteren Bahntunnel zu thronen. Diese sogenannte Abfangplatte wird nach Abschluss der Bauarbeiten der Bahn auf den Tunnel gesetzt.

Der nun vollzogene Verkauf folgt recht kurz nach dem Erwerb des Geländes durch die Projektgesellschaft aus W2 und den Münchner Investor Competo. Erst im Mai 2016 hatte man das Areal samt Bahngebäude von der österreichischen Gesellschaft CA Immo erworben.

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